Forschung & Entwicklung

Kreislaufwirtschaft

Herausforderungen bei der ­Umsetzung von Circular Economy

Das Thema Nachhaltigkeit ist in KMU angekommen. Welche Rolle dabei das Wirtschafts­modell des zirkulären Wirtschaftens, auch als «Circular Economy» bekannt, spielt und welche Herausforderungen bei der Umsetzung zu meistern sind, sollte eine Umfrage klären.
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Die Produktnutzungsdauer wird immer kürzer und trotz zunehmender Recyclingquote (47,8 %, 2020 EU, Eurostat), bleibt die «circular material use rate», ­dieses entspricht dem Anteil der Ressourcen, die in einer Volkswirtschaft genutzt werden und aus recycelten Produkten oder wiedergewonnenen Materialien stammen, auf einem niedrigen Niveau (12,8 %, 2020 EU, Eurostat). 

Gründe dafür sind neben der thermischen Verwertung oder dem Entsorgen der Güter auf einer Deponie auch die ­fehlende gezielte Rückführung von Komponenten und Werkstoffen am Ende der Produktnutzungsdauer in die Produktion. Daraus resultieren sinkende Rohstoffvorräte, zunehmend aggressive Ausbeutung von Bodenschätzen und langfristig steigende Rohstoffpreise. 

Standortanalyse bei KMU

Um den Folgen dieser Linearwirtschaft entgegenzuwirken, bedarf es der Transformation in das Wirtschaftsmodell des zirkulären Wirtschaftens, auch als «Circular Economy» bekannt. Mit einer Umfrage bei KMU wurde eine Standortanalyse zum Thema «Nachhaltigkeit und Transformation in Richtung Circular ­Economy» durchgeführt. Die Auswertung der Umfrage hat gezeigt, dass sich viele Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen und es eine hohe Bereitschaft gibt, Circular Economy in der Zukunft umzusetzen.­

Als KMU wurden für diese Umfrage Unternehmen definiert, die sich durch eine Mitarbeiteranzahl kleiner 250 und einen durchschnittlichen Jahresumsatz geringer 50 000 000 Euro charakterisieren ­liessen (Empfehlung (2003/361/EG)). Die Befragung wurde mit einem On­line-Umfragetool durchgeführt und stand den Unternehmen zwei Monate zur Ver­fügung. Die Eingabe von Antworten war ­sowohl über vorgegebene Antwortfelder mit Mehrfachnennungen (MFN) als auch über Freitextfelder möglich. An der Umfrage haben insgesamt 73 Unternehmen teilgenommen, wovon 52 die Umfrage abgeschlossen haben. In die Auswertung flossen nur die Angaben von ­insgesamt 36 Unternehmen ein, da die anderen entweder die Mitarbeiteranzahl und / oder den Jahresumsatz überschritten. Sie sind nach der vorher festgelegten Definition keine KMU.

Ständiger Verbesserungsprozess

Um zunächst ein allgemeines Stimmungsbild einzufangen, befasste sich die erste Frage mit dem Thema, ob sich das Unternehmen mit Nachhaltigkeit beschäftigt. 89 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sie sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen und sie vertraut mit dem Begriff sind. Die Definition von Nachhaltigkeit wurde immer, unabhängig davon, in welcher Branche die ­Betriebe angesiedelt sind oder welche Endprodukte hergestellt werden, mit den Begriffen bewusster und nachhaltiger Ressourcenumgang in Verbindung gebracht. 

Gleichwohl war es für ein Drittel aller befragten Unternehmen klar, dass sich mit einem nachhaltigen Unternehmen auch ein ständiger Verbesserungsprozess einstellen muss. Im gleichen Zusammenhang wurde hierbei auch ein nachhaltiger Konsum genannt. Was aber ist der Grund für Unternehmen Nachhaltigkeit zu praktizieren? Die Auswertung der Umfrage in Abbildung 1 zeigt deutlich, dass Nachhaltigkeit in der jeweiligen Firmenphilosophie fest verankert ist. 

Dabei ist es egal, ob sich die Unternehmen erst seit kurzem oder schon über einen längeren Zeitraum mit nachhaltigen Aufgaben beschäftigen. Es wurde ersichtlich, dass sich damit alle Mitarbeiter ­beschäftigen müssen – egal, ob in den ­Unternehmen eine Nachhaltigkeitsab­teilung vorhanden ist oder nicht. Viele Unternehmen haben so auf Kundenwünsche reagiert und erhoffen sich gleich­zeitig eine Imagesteigerung und dadurch die Erschliessung neuer Märkte, um den Zukunftstrends folgen zu können.

Angestossene Prozesse

Auf die Frage, was das Unternehmen bislang zum Thema Nachhaltigkeit gemacht hat, gab die Hälfte die Sicherstellung der Wiederverwendung von Komponenten, an. 44 Prozent teilten mit, ganze Produktionen umgerüstet zu haben. Auch auf Strom aus erneuerbaren Energien und der Verringerung von Vor-Ort-Terminen und dadurch weniger Autofahrten wurde unternehmensseitig viel Wert gelegt. Dieser Prozess wurde vor allem durch die ­Coronapandemie angestossen, soll aber fortgeführt werden.

Wer im Unternehmen ist für Nachhaltigkeit zuständig, wenn wie angegeben nur drei Prozent aller Unternehmen eine eigene Abteilung dafür haben? Aus der Umfrage geht hervor, dass sich vor allem die Geschäftsführung mit diesem Prozess ­beschäftigt. Weitere wichtige Geschäftsfelder sind der Einkauf, der für den Beschaffungsprozess zuständig ist und damit einen Einfluss auf die ausgewählten Produkte hat, die Produktion, die die entsprechenden Endprodukte herstellt, und der Bereich Forschung und Entwicklung, welcher die Grundlage für jedes Produkt schafft. Sowohl die Finanz- als auch die Personalabteilung werden weniger miteinbezogen. Als Teil der durchgeführten Umfrage wurde weiterführend der Begriff «Circular Economy» eingeführt. Auffällig war, dass sich in den Unternehmen zwar ein Umdenken abzeichnet und sie sich schon heute mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, ihnen der Begriff «Circular Economy» zu einem Grossteil aber noch nicht bekannt ist. Die Hälfte der befragten Unternehmen war davon betroffen und ist mit dem Ausdruck nicht vertraut. 62 Prozent der Unternehmen, die den Begriff Circular Economy kennen, setzen dies auch schon um. Der Rest plant es zumindest für die Zukunft. 

Strategisch verankert

Die Unternehmen, welche Circular Economy bereits umsetzen, setzen auf die ­erneute Nutzung ihrer Produkte und die Weiterentwicklung von Technologien, um ein Recycling möglich zu machen, sofern dies mit den aktuell verwendeten Techniken noch nicht möglich ist. Das Unternehmen soll dadurch vorangebracht und das Verwenden von Sekundärrohstoffen ermöglicht werden. Die Gründe, warum Circular Economy umgesetzt wird, sind in Abbildung 2 dargestellt und decken sich mit denen der Nachhaltigkeit. Es wird als ein Teil der Unternehmensphilosophie betrachtet und ist teilweise auch schon in der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens verankert. Viele Unternehmen erhoffen sich finanzielle Vorteile und haben erkannt, dass ­Circular Economy in der Zukunft ein fester Bestandteil eines jeden Unternehmens sein wird.

Alle Unternehmen, egal, ob sie Circular Economy schon verankert haben oder sich noch in der Planungsphase befinden, sehen viele Chancen in diesem Wirtschaftsmodell. Hierbei stechen besonders die ­finanziellen Vorteile, die Schonung der Umwelt und eine erhöhte Kundenzufriedenheit sowie der Imagegewinn hervor. Zusätzlich erhoffen sich die Unternehmen Vorteile gegenüber Wett­be­werbern, die dieses Modell (noch) nicht umsetzen. Sie spiegeln neue Kun­den­bedürfnisse wider und ermöglichen sich dadurch die Erschliessung weiterer ­Geschäftsfelder. 

Mangel an Informationen

Gleichwohl sind sich viele Unternehmen der aktuellen Herausforderungen bewusst. Für sie ist unklar, wie die Umstellung finanziert und generell umgesetzt werden soll, da keine vorgegebene, nachvollziehbare Strategie vorhanden ist. Ausserdem fehlt oftmals eine sinnvoll zu nutzende Wiederverwendungsstrategie, da es nicht für alle Rohstoffe geeignete Recyclingtechnologien gibt. Besonders sticht das Gebiet der fehlenden Information hervor. Über die Hälfte der befragten Unternehmen haben keine oder noch zu wenige ­Informationen im Bereich Circular Economy vorliegen und wissen daher nicht, wie eine Umsetzung stattfinden soll. Deutlich wird auch, dass durch die von den Unternehmen angesprochenen Schwierigkeiten in fast allen Bereichen mehr Unterstützung erwartet wird. Beispielsweise Subventionen für nachhaltige Produkte, Förderprogramme und Vernetzungsangebote, um mit Unternehmen, die als Vorreiter in Nachhaltigkeitsthemen gelten, in Kontakt zu treten. Be­sonders auffällig ist hierbei die Forderung nach einem Handeln der Politik. Die ­Unternehmen haben sich zwar durch sie nicht zum Umstrukturierungsprozess ­leiten lassen, aber sehen hier mehr Handlungsbedarf. 

Konkret erhoffen sich die Unternehmen einen verbesserten Zugang zu Informationsmaterialien, mit denen Wissenslücken geschlossen werden können und gleichzeitig Aufklärungsarbeit geleistet werden kann. Ihnen fehlen Normen und Standards, die Sicherheit vermitteln und eine Auskunft darüber geben, auf welche Bereiche man sich anfangs fokussieren sollte. Dabei würden gezielte Leitfäden helfen, aufzuzeigen, ob die Umstellung in die richtige Richtung verläuft oder nicht. Beispielsweise erarbeitet das Deutsche ­Institut für Normung (DIN) zusammen mit Verbänden der Industrie zurzeit eine Roadmap im Bereich Circular Economy, bei der auf schon bestehende Richtlinien eingegangen und definiert wird, wie Normen und Standards in der Zukunft gebildet werden sollen. Den Firmen wird somit ein Informationsangebot zur Ver­fügung gestellt, welches einen Überblick über mögliche Hilfsangebote und Unterstützungsmöglichkeiten schafft. Zusätzlich bilden sie Informationsangebote ab, wie im Bereich der Finanzen gehandelt werden kann.

Fehlende Kapazitäten

In Bezug auf KMU gibt es eine weitere Schwachstelle: fehlende Mitarbeiterkapazitäten. Viele Unternehmen haben mit der Teilnahme an der Umfrage verdeutlicht, dass sie ihr Unternehmen umgestalten wollen, aber selbst noch zu viele Hindernisse sehen. Unternehmensseitig muss den offenen Fragestellungen nachgegangen werden, da nur bei einer aktiven Umstellung Vorteile generiert und eine zufriedenstellende Umsetzung des Wirtschaftsmodells angestrebt werden kann. In den Unternehmen fehlt oftmals ein Mitarbeiter, der sich mit genau diesen Themen beschäftigt. Würde der Strategiewechsel mehr von der Geschäftsleitung zu einzelnen Mitarbeitern verlagert werden, wäre das Prinzip Circular Economy schon weiterverbreitet und in der Gesellschaft verankert. Daher muss in naher Zukunft ein Weg gefunden werden, wie Unternehmen gezielt über Circular Economy informiert werden, wie sie ihre vorhandenen Mitarbeiter am besten einbeziehen und ob gegebenenfalls zusätzliche Arbeitskräfte nötig sind.

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