Innovationsmanagement bedeutet, den Status quo infrage zu stellen, ihn konsequent anzupassen, gar proaktiv zu verändern, denn Unternehmen, die heute einen Markt dominieren, können schon morgen abgehängt sein. Der Beitrag zeigt zehn Strategien auf, wie der Abschied vom Bisherigen auch in herausfordernden Situationen immer wieder gelingt.
Innovationsmanagement
Faktoren für erfolgreiche Innovationen – auch in Krisenzeiten

Innovation ist Chefsache
Unternehmer sind die treibende Kraft hinter einer Innovation. Sie sind massgeblich für den Prozess der «schöpferischen Zerstörung» verantwortlich, bei dem Altes ständig durch Neues ersetzt wird. Die These des Nationalökonoms Joseph Schumpeter, der herausgestellt hat, dass die schöpferische Zerstörung die Basis für die erfolgreiche Innovation ist, gilt heute mehr denn je.
Disruptive Innovationen gilt es zu initiieren und erfolgreich zu realisieren, denn Transformation geht stets mit einem unternehmerischen Risiko einher. Dabei spielen sowohl die Aussen- als auch die Innenwahrnehmung eine Rolle. Gleichzeitig sollte das bisherige Kerngeschäft nicht aufgegeben werden; Ambidextrie heisst das Kunststück, das alte und das neue Geschäft gleichzeitig zu managen. Das Alte bewahren und zugleich das Neue schaffen. Die Impulse müssen von oben kommen, aber von unten aufgenommen werden.
Freiräume schaffen
Menschen müssen immer wieder ermutigt werden, umzudenken und neue Ideen einzubringen. Dies gelingt, wenn man auf einen Mix aus klaren Strukturen und Flexibilität setzt. Flache Hierarchien, kurze Wege, offene Ohren, aber auch die Fähigkeit, mal unbequeme Entscheidungen zu treffen. Denn nicht jede Innovation ist ein Erfolg. Die Floprate ist beachtlich. Die Entscheidungskompetenz muss auf die Innovations-Teams verlagert werden. Schnittstellen müssen vermieden werden. Das Prinzip «Wollen-Können-Dürfen» muss konsequent in der Unternehmenskultur verankert werden.
Auf Empathie und Diversität setzen
Erfolgreiche Manager interessieren sich nicht nur für die fachlichen Fähigkeiten der Beschäftigten, sondern bauen eine persönliche Beziehung zu ihnen auf. Sie müssen empathisch, authentisch und sie müssen mutig sein. Empathie erfordert Offenheit und ist zeitintensiv, lohnt sich aber. Ebenso ist neben Empathie auch Diversität ein wichtiger Aspekt, um die Innovationsfähigkeit zu erhöhen. Die unterschiedlichen Sichtweisen sind die treibende Kraft für die Innovation. Exzellenz braucht Vielfalt. Empathie ist der Erfolgsfaktor nach innen für die Mitarbeitenden, aber auch nach aussen für die Kunden und die Supplier. Diversität schafft die Basis, um die Innovationskraft aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.
Technologien kennen und sinnvoll nutzen
Die technologische Basis ist grundsätzlich da, sei es künstliche Intelligenz, Blockchain, 5 G oder 3-D-Druck. Oft fehlt noch die zündende Idee, wie welche Idee den Turbo für das eigene Business zünden könnte. Es reicht nicht aus, Produkte zu digitalisieren, sondern es müssen auch innovative Geschäftsmodelle initiiert werden. Der Kunde kauft keine Technologie, sondern erwartet Lösungen. Doch hinter den innovativen Lösungen stecken Technologien, die das Unternehmen nicht nur kennen, sondern auch beherrschen muss.
Technologien befinden sich in einem rasanten Wandel, reife Technologien werden durch junge Technologien abgelöst und gerade entstehende Technologien werden in wenigen Jahren die neuen Geschäftsmodelle bestimmen. Das Technologie-Portfolio muss immer wieder aktualisiert werden. Die Unternehmen müssen sowohl die reifen als auch die jungen oder die erst entstehenden Technologien beherrschen, um den Kunden innovative Lösungen anbieten zu können.
Unternehmensübergreifende Kooperationen eingehen
Es gibt kein Patentrezept für Innovationen. Keinen Weg, der immer zum gewünschten Ziel führt. Neues kann hinter geschlossenen Türen entstehen, dann ist von «Closed Innovation» die Rede. Andere Unternehmen entscheiden sich aber bewusst für «Open Innovation», sie gestalten die Zukunft zusammen mit externen Partnern, etwa mit Universitäten, Forschungsinstituten, Start-ups oder gar mit dem Wettbewerb. Zusammen ist man bekanntlich weniger allein und kommt mitunter schneller zum Ziel. Und Schnelligkeit ist dringend notwendig, denn an Herausforderungen mangelt es nicht.
Branchenübergreifende Kooperationen fördern Cross Industry Innovation, Querdenken hilft im Innovationsmanagement, die Methode Design Thinking hilft dabei. Die Fähigkeit, Kooperationen einzugehen und erfolgreich zu managen, wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor, speziell für innovative Plattformstrategie. Das erfordert aber eine offene Unternehmens- und Innovationskultur, die bereit ist, die bestehenden Unternehmensgrenzen zu verlassen und vertrauensbasierte Kooperationen einzugehen.
Kundenbedürfnisse und Kundenerwartungen kennen und beherrschen
Der Kunde rückt immer stärker in den Fokus der Innovation. Innovation wandelt sich von der Push- zur Pull-Strategie. Durch die Digitalisierung wird immer mehr der individuelle Kunde (Persona) das Mass der Innovation. Die Innovation hat einen spezifischen Nutzen für den Kunden zu schaffen, daher ist der permanente Austausch mit dem Kunden der Schlüssel zum Erfolg. Der Kunde wird auf seiner Customer Journey begleitet und die gesamte Kundenkette bis zum Endkunden beachtet.
Die Digitalisierung macht dies möglich. Die Touchpointkette muss geschlossen sein. Die Customer Journey endet nicht mehr beim Kauf des Produktes durch den Kunden, sondern bei der Nutzung des Produktes. Customer Experience Management (CEX) gibt interessante Impulse für die zukünftigen Innovationen und gibt Signale für die zukünftigen Kundenerwartungen. So belegt die aktuelle Swiss-CEX-Studie 2021 der HWZ Hochschule für Wirtschaft und der Nexa Consulting, dass analoge und digitale Kundenerlebnisprozesse kontinuierlich verschmelzen werden.
Fehlschläge akzeptieren
Innovation ist top oder ein Flop. Viele Innovationen scheitern oder müssen erfolglos abgebrochen werden. Dies liegt in der Natur der Sache, Innovation ist immer Chance und Risiko. Die drei Top-Ursachen für Innovations-Flops sind die mangelnde Einbeziehung des Kunden, die internen Organisationstrukturen und die fehlende technische Kompetenz. Daher ist es wichtig, aus Fehlern zu lernen und rechtzeitig mittels Stage-Gate-Modell Fehlentwicklungen im Innovationsprozess zu stoppen. Fehler und die daraus gezogenen Erkenntnisse sind die Basis für die erfolgreiche Innovation.
Mitarbeitenden-Kompetenzen entwickeln
Es gilt nicht nur, neue Technologien zu entwickeln und zu nutzen, sondern auch die Kompetenzen der Mitarbeitenden neu auszurichten. Alte Kompetenzen verlieren an Bedeutung, neue Fähigkeiten müssen aufgebaut werden. Die Skill-Profile ändern sich heute sehr schnell, die Digitalisierung und Corona haben dies enorm beschleunigt. Offenheit gegenüber Veränderungen muss gelernt und verinnerlicht werden. Innovation hilft, Bestehendes in Frage zu stellen, und schafft die Kraft, sich neu zu erfinden. «Upskilling» hilft nicht nur, die individuellen Kompetenzen zu entwickeln, sondern ist ein vitaler Faktor zur Stärkung der organisationalen Fitness.
Innovationsprozess und Datenmanagement beherrschen
Die Planung und Steuerung des Innovationsprozesses ist das Herzstück des erfolgreichen Innovationsmanagements. Mittels Stage-Gate-Modell und Scrum kann der Prozess stabil und sicher gesteuert werden und bei Abweichungen schnell und effizient gegengesteuert werden. Der Prozess steht und fällt mit der Effizienz und Effektivität des Datenmanagements. Dies wird im KMU-Umfeld noch zu wenig genutzt, denn Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts.
Acht Felder der Innovation – ganzheitliches Innovationsmanagement
Innovation ist heute mehr als nur Pro-duktinnovation, Innovation muss ganzheitlich angegangen werden und in einem integrativen Ansatz realisiert und gelebt werden. Das bezieht auch Service-Innovation, Vertriebs- und Marketing-Innovation, Innovation in der Supply-Chain, Prozess-Innovation, Organisations-Innovation und Geschäftsmodell-Innovation ein. Nur dadurch kann der Kundennutzen langfristig erhöht und die Austauschbarkeit vermieden werden.
In vielen Unternehmen fehlt es noch an einem ganzheitlichen integrierten Innovationsmanagement. Oft ist man ausschliesslich auf das Produkt fokussiert und nicht auf die Gesamtlösung für den Kunden, die erst durch die Kombination des Produktes mit smart Services entsteht, denn nur dadurch kann der Kundennutzen deutlich erhöht werden und das Unternehmen fokussiert sich als Lösungsanbieter.
Auch die Funktionen Supply-Chain-Management, Marketing und Vertrieb müssen sich an die Anforderungen der digitalen Welt anpassen. Omni-Channel-Management muss die Klaviatur der unterschiedlichen Vertriebskanäle nutzen und das Supply-Chain-Management muss neu aufgestellt werden, um Versorgungslücken zu vermeiden.
Fazit
Unternehmenskultur und Innovationskultur sind eng miteinander verzahnt. Die Kultur ist der treibende Faktor für die Innovationstätigkeit. Diese setzt sich aus Wollen – Können – Dürfen zusammen. Wollen ist die Basis für die Innovationsbereitschaft, Können die Basis für die Innovationsfähigkeit und Dürfen die Basis für die Innovationsmöglichkeit. Nur im Dreiklang kann die Innovation erfolgreich geschaffen werden. Nur wenn diese drei Grössen aufeinander abgestimmt sind, kann die Innovationstätigkeit erfolgreich werden. Erfolgreiches Innovationsmanagement muss die harten und die weichen Erfolgsfaktoren in Einklang bringen.
Unternehmen sehen sich derzeit beispiellosen Veränderungen und Herausforderungen gegenüber, verursacht durch eine Reihe natürlicher und künstlicher Bedingungen. Diese Kräfte führen dazu, dass viele Organisationen die von ihnen genutzten Tools und Technologien sowie ihre Arbeitsweisen überdenken, um auch in Zukunft innovative Entwicklungen zu liefern und zu wachsen. Zur Förderung eines innovativen Unternehmens ist es erforderlich, die Unternehmenskultur zu überdenken, sprich die Art und Weise, wie Menschen, Strukturen und Prozesse tagtäglich interagieren. Die Teams brauchen Systeme und Verfahren, um in Verbindung zu bleiben, ihre Produktivität zu steigern und zukunftsorientiert zu handeln.
Mit der Zeit ändern sich die Zusammensetzung der Belegschaft und die Ausrichtung des Unternehmens. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Mitarbeitenden immer wieder an die kulturellen Werte und Normen zu erinnern. So haben die Mitarbeitenden bei Google die Möglichkeit, 20 Prozent ihrer Zeit mit Themen zu verbringen, die nicht zu ihren ursprünglichen Aufgaben gehören. Dies ist ein kulturelles Element, das immer wieder aufgefrischt werden muss, und der Boden für eine erfolgreiche Innovationskultur.