Forschung & Entwicklung

Energieberatung

Energie und Kosten sparen in drei Schritten

Während Grosskonzerne verhältnismässig gut unterwegs sind, könnten KMU im Schnitt gut 20 Prozent ihrer Energiekosten einsparen. Es ist oftmals eine Ansammlung banaler Dinge, die eine grosse Auswirkung auf die jährlichen Gesamtkosten hat. Wie Unternehmen das Projekt «Energiesparen» angehen können, veranschaulicht dieser Beitrag.
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Energie sparen bleibt ein kniffliges Thema. Obwohl sich viele KMU wegen der höheren Preise mit Energiesparfragen beschäftigen, ist ihnen oftmals unklar, wo sie am meisten Energie verschwenden und welches die wirkungsvollsten Sparmassnahmen sind. Hinzu kommt Unsicherheit über eine sinnvolle Reihenfolge von Massnahmen, die Angst vor falschen Investitionen, diffuse Vorstellungen von Aufwand und Ertrag, fehlende Einschätzung über die Wirkung von Massnahmen und der Eindruck, dass das Tagesgeschäft keine Kapazität für eine genaue Analyse des Stromsparpotenzials im eigenen Betrieb übrig lässt. Trotz guter Absichten und hoher Motivation bleibt es dadurch beim Status quo. Dies kommt Schweizer KMU teuer zu stehen. In den meisten Betrieben könnten schätzungsweise
10 bis 25 Prozent der Energiekosten eingespart werden.

Kosten senken

KMU tun gut daran, das Stromsparen wie ein Projekt anzugehen und das Vorgehen entsprechend zu planen. Damit liegt ein praxistaugliches Mittel vor, das schnell zu effizienten und wirkungsvollen Massnahmen führt. Neben Anlagen und Technik wie Lüftungen, Heizungen, Produktionsmaschinen und Kühlsystemen sollte auch das Verhalten des Personals genau unter die Lupe genommen werden. Erfahrungen zeigen, dass die Hälfte des Sparpotenzials beim Menschen liegt. Es sind oftmals banale Dinge, die eine grosse Auswirkung auf die jährlichen Energiekosten haben, wie etwa das Vermeiden des Standby-Modus bei Bürogeräten, das Austauschen der Glühbirnen oder das Schliessen von Kochtöpfen in Hotelküchen.

Schrittweise vorgehen

1. Überblick verschaffen

Erfassen und analysieren Sie alle Systeme und Prozesse im Betrieb, welche Energie verbrauchen. Dazu erstellen Sie am besten eine Skizze, bei der die gesamte Prozesskette in einzelne Teilprozesse zerlegt wird. Prozesshandbücher und QS-Systeme dokumentieren diese Prozesse detailliert und können deshalb gut als Grundlage verwendet werden. Falls keine solchen Unterlagen vorliegen, befragen Sie die einzelnen Abteilungen oder Fachspezialisten zu den Abläufen. Bilden Sie die Prozesse chronologisch und gut überschaubar ab und vermerken Sie die unterschiedlichen Akteure. Das Verstehen der gesamten Prozesskette und der einzelnen Teilprozesse bildet das Fundament für alle weiteren Arbeitsschritte.

2. Analyse der Lecks

Beim zweiten Schritt wird eine Liste aller möglichen Energie-Lecks erstellt. Diese basiert auf den zuvor festgehaltenen Teilprozessen. Wichtig ist es, dass beim Erstellen der Liste die Energierelevanz der Lecks noch in keiner Weise bewertet wird. Lassen Sie sich nicht von Vorurteilen und Fehlmeinungen leiten! Überlegen Sie sich genau, wie lange etwa eine Maschine benötigt, bis sie Betriebstemperatur erlangt hat und fehlerfrei produzieren kann. Damit vermeiden Sie den Verbrauch sogenannter Bereitschaftsenergie. Die Erfahrung zeigt, dass in der Regel 10 bis 15 Minuten genügen. Viele Betriebe lassen Maschinen jedoch nächtelang laufen und verbrauchen Strom, Druckluft und Öl nur damit die Frühschicht 15 Minuten früher mit der Produktion beginnen kann.

Stellen Sie sich zur Erstellung des Leck-Kataloges folgende Fragen:

  • Wo sieht die Branche die grössten Potenziale zur Optimierung?
  • Aus welchen Gründen werden diese Chancen noch nicht genutzt?
  • Was sind die Ursachen und wer die Akteure?
  • Welches Verhalten sollte konkret verändert werden?

Beachten Sie dabei, dass Lieferanten der Produktions- und Infrastrukturanlagen wertvolle Hinweise beisteuern können.

3. Bewertung der Lecks

Auch wenn die Bewertung eine genaue Analyse der Teilprozesse erfordert: sie stellt sicher, dass Geld, Zeit und Arbeitsleistung dort investiert werden, wo es sich am meisten lohnt. Bei der Bewertung tragen Sie folgende Informationen zusammen:

  • Wie gross ist der durch das Leck verursachte Verlust?
  • Wie häufig kommt dieses Leck vor?
  • Wie hoch ist der Aufwand, um das Leck zu beseitigen?

Sortieren Sie nach der Auswertung Ihren Massnahmenkatalog und integrieren Sie Zusatzinformationen wie die notwendigen Massnahmen und die betroffenen Akteure. Nun können Sie Handlungsempfehlungen für die betroffenen Mitarbeitenden zusammenstellen. Diese sollten möglichst präzise ausfallen, damit es einfach fällt, in Zukunft Energie zu sparen. Beachten Sie dabei auch die sogenannte 20 / 80-Regel. Diese besagt, dass mit lediglich 20 Prozent der effizientesten Massnahmen satte 80 Prozent des gesamten Sparpotenzials realisiert werden können.

Ein einfaches und probates Mittel, um Energie zu sparen: brechen Sie die Spitzen beim Stromverbrauch. Elektrizitätswerke berechnen den Stromverbrauch im Viertelstundenrhythmus. In dieser Zeitspanne gilt jeweils der höchste Verbrauch als Richtwert und dieser schnellt in die Höhe, sobald viele Geräte zur selben Zeit laufen. Um solche teuren Ausschläge gegen oben zu vermeiden, kann der Fachmann eine Lastganganalyse einsetzen, welche den Stromverbrauch in Kurven anzeigt und es ermöglicht, diesen fortlaufend zu überwachen bzw. den Verbrauch entsprechend zu steuern.

Ein weiterer grosser Energiefresser ist in vielen Firmen die Druckluft. 95 Prozent der Energie gehen bei der Drucklufterzeugung alleine als Wärme verloren. Effektiv werden nur 5 Prozent der Energie genutzt, und dies auch nur dann, wenn die Maschine gut gewartet ist und keine undichten Stellen aufweist. Deshalb sollte die Maschine zwingend jährlich gewartet werden.

Um weiterem Energieverschleiss durch Drucklufterzeugung vorzubeugen, empfiehlt es sich, schrittweise zu eruieren, wie viel Druck überhaupt nötig ist. Dafür senkt man den Druck wöchentlich um 1⁄10 Bar, bis die Untergrenze erreicht bzw. der Druck für den Betrieb nicht mehr ausreicht. Wird der Druck anschliessend wieder um 1⁄10 Bar erhöht, ist die Maschine optimal justiert.

Der bewusste Umgang mit Energie ist heute nicht nur eine ökonomische Notwendigkeit, sondern auch ein wertvolles Geschenk an kommende Generationen. Idealerweise sollten mittelfristig alle Möglichkeiten zum Stromsparen ausgeschöpft werden, anstatt sich mit den effizientesten 20 Prozent zufrieden zu geben. Mit der richtigen Planung und etwas Übung fällt dies zunehmend leichter – und oft erkennt man das Sparpotenzial dann schon auf den ersten Blick.