Forschung & Entwicklung

Innovationsgeist

Ein Schweizer zu Besuch im Silicon Valley

Roland Zeller, CEO des Online-Reisebüros travel.ch, reiste ins Silicon Valley und besuchte unter anderem Google und Facebook. Welche Eindrücke er dort gesammelt hat und was Schweizer KMU von den Riesen lernen können, berichtet er im Interview.
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Herr Zeller, was macht die Faszination von Silicon Valley aus?

Silicon Valley sprüht vor multikultureller Kreativität, Dynamik und Erfindergeist. Die Region gehört seit Jahrzehnten zu den Vorreitern neuer, bahnbrechender Technologien. Nirgendwo sonst basteln so viele Erfinder an der Welt von morgen. Insbesondere im Bereich Internet ist in den letzten Jahren dort wahnsinnig viel entstanden. Und wenn man erlebt, wie weit die Internetnutzung in den USA – im Vergleich zu Europa – bereits die Alltags- und Geschäftswelten durchdringt, kann man diese Euphorie durchaus nachvollziehen.

Welche Voraussetzungen bietet die Gegend, damit das auch funktioniert?

Hier treffen Ideen auf Geld. Im Silicon Valley haben sich mittlerweile zahlreiche Investoren niedergelassen, die den jungen Firmen Risikokapital geben. Ein Investor hat mir erzählt, es gäbe mehr Geld als gute Ideen. Auch die Wirtschaftskrise fürchten sie nicht. Er sagte: «Die besten Firmen entstehen in der Krise.»

Im Silicon Valley sind an die 6000 Unternehmen beheimatet. Woher kommen all die Fachkräfte?

Das Silicon Valley lockt Fachleute aus aller Welt an: Qualifizierte Arbeitskräfte werden hier hände­ringend gesucht. Das Interessante ist:
Es arbeiten dort nicht nur Computerfachleute, sondern Experten aus den verschiedensten Bereichen. Ich habe sogar einen Absolventen der Philosophie getroffen. Aber auch das ist Mentalitätssache. Lange Zeit war Google der Favorit. Doch mit seinen mittlerweile 13 Jahren ist der Konzern nicht mehr so hip. Momentan angesagt ist Facebook. Die Amerikaner haben den «Gründergeist» in sich. Die finden das spannend, dass noch etwas schiefgehen kann.

Welche Unternehmen konnten Sie sich näher ansehen?

Ich wurde von Google Schweiz als Gast ins Silicon Valley eingeladen, da travel.ch einer der Key Accounts des Unternehmens ist. So hatte ich die Gelegenheit, das Mutterhaus von Google zu besuchen. Ausserdem waren wir noch bei Cisco, Facebook, Twitter und dem Plug&Play-Testcenter.

Was kann man von den Riesen lernen?

Den unbändigen Aktionismus. Das Motto «Alles ist möglich» ist dort allgegenwärtig. Die Unternehmen und die Mitarbeiter haben mehr Mut, vor allem den Mut, auch zu scheitern.

Was ist der markante Unterschied zu Schweizer Unternehmen?

Die Unternehmen im Silicon Valley, auch die Start-ups, denken global. Alle Ideen, alle Versuche sind global ausgerichtet. Hier in der Schweiz denkt man eher regional.

Wie verhält es sich mit der Personalsuche?

In der Schweiz dominiert beim Recruiting das Lohn-Thema. Im Silicon Valley liegt der Fokus darauf, die besten und talentiertesten Leute zu bekommen. Bei Google hat man uns erzählt, dass auf 300 Bewerbungen im Schnitt 15 Personen zum Gespräch eingeladen werden. Darauf folgen mehrere Runden. Wenn die Personalabteilung ihre Topkandidaten gefunden hat, sieht einer der beiden Chefs – Larry Page – die Dossiers nochmals an. Das ist echte Qualitätsarbeit. Und während man bei uns im Einstellungsgespräch oft versucht, die Löhne zu drücken, werden dort die Mitarbeiter am Unternehmenserfolg beteiligt.

Was können Sie von diesen Eindrücken für travel.ch übernehmen?

Vieles. Das Konsumverhalten wird sich beispielsweise weiterhin verändern; künftig wird fast alles mobil passieren. Dazu kommen weitere Auswüchse bestehender Plattformen wie Google+, Twitter, Facebook und YouTube – auch diese müssen wir für unser Geschäft im Auge behalten. Aber das geschieht sicherlich nicht von heute auf morgen. Dazu brauchen wir etwas mehr Zeit als die Entwickler im Silicon Valley.

Und was haben Sie persönlich von der Reise mitgenommen?

Die Credi «Everything is possible» und «Courage to fail» imponieren mir. Also an sich und seine Mitarbeiter glauben und sich auch Fehler erlauben. So können auch wir zahlreiche Innovationen zu travel.ch bringen.