Tool 2: Organisationsformen
Die Ausgangssituation für die Anwendung des zweiten Tools ist die Kenntnis der Ressource, die konkret geteilt werden soll. Dabei kann es sich um einen Ressourcenbedarf oder, falls eine Überkapazität zum Beispiel durch eine saisonale Schwankung besteht, um ein Ressourcenangebot handeln. In beiden Fällen stellt sich die Frage, wie das Sharing genau erfolgen sollte. Hier setzt Tool 2 an, indem es Orientierung zwischen vier möglichen Sharing-Organisationsformen bietet.
Denn die Vorstellungen der KMU-Partner können insbesondere betreffend der gewünschten Vernetzung in den sozialen Sharing-Beziehungen weit auseinandergehen, wie verschiedene Interviewzitate aufzeigen: «Aber am Ende geht es um Kontaktdaten. Da ruft man sich kurz an und man hat es besprochen und man weiss, was man voneinander will. Man trifft sich und dann ist diese Geschichte erledigt.» Für einen solchen Fall wäre ein «Schwarzes Brett» vollkommen ausreichend.
Demgegenüber äussert ein anderer Geschäftsführer, dass es ideal wäre, wenn man sich innerhalb einer festen Gruppe bereits gut kennt. Die Aufgabe der Plattform sieht er wie folgt: «Dass ich zum Beispiel fragen kann, wer hat einen Staubsauger, der Wasser aufsaugen kann. Und diese Leute, die dort mitmachen, die kenne ich schon. Wenn ich von einem Unbekannten angefragt werden würde, bin ich nicht sicher, ob ich es ihm geben würde, auch wenn ich das gewünschte Teil hätte. Weil ich die Person oder Firma nicht kenne. Ich weiss ja dann nicht, ob ich es wieder zurückbekomme. Rein über eine solche Plattform würde ich persönlich das nicht machen.» Diese Art von Sharing erfordert das Kennenlernen und den Aufbau von Vertrauen zwischen den involvierten Parteien. In solchen Fällen bietet sich die Bildung einer beständigen «Netzwerkgruppe» an.
Ein zweiter Aspekt, bezüglich dessen Unterschiede zwischen den beteiligten Praxispartnern identifiziert wurden, ist der gewünschte Grad der Unterstützung beim Sharing durch eine Drittpartei. Zwar wurde vielfach geäussert, dass der Sharing-Prozess möglichst einfach gehalten werden müsse, jedoch bedeutet dies für manche, dass alles sehr einfach gehalten werden soll, und für andere, dass sie möglichst wenig mit der Abwicklung zu tun haben möchten. Letzteres deutet auf die Rolle des Plattformanbieters, dessen Serviceleistungen von der Unterstützung bei der Identifikation von Ressourcen bis hin zur Suche nach geeigneten Partnern vielfältige Unterstützungen bieten können.
Aus diesen beiden Dimensionen wurde die in Abbildung 1 dargestellte Sharing-Matrix mit den vier verschiedenen Organisationsformen entwickelt. Die eigene Präferenz ermitteln die Interessierten durch die Beantwortung von zwölf Fragen, wodurch sie ihre Positionierung innerhalb der Matrix erhalten. Dabei besteht natürlich ein Zusammenhang zwischen der präferierten Organisationsform und der Ressource, die geteilt werden soll. Einfache, jedoch selten benötigte Messmittel werden beispielsweise eher für eine kurze Zeit auch an fremde Unternehmen verliehen als Mitarbeitende mit spezifischen Fachkenntnissen.
Für alle vier Organisationsformen sollen auf kmusharingmarket.ch entsprechende Bereiche entstehen, sodass Unternehmen mit ganz unterschiedlichem Ressourcenpotenzial und/oder -bedarf sowie verschiedenen Präferenzen zur Organisationsform die für sie passende Lösung finden. Dazu werden die eingegebenen Informationen zu den Sharing-Ressourcen und den gewünschten Sharing-Beziehungen genutzt, um Interessierte beim Onboarding auf kürzestem Weg zu ihrem Sharing-Projekt zu führen. Die Aussage eines befragten Unternehmensvertreters bringt die Meinung aller Befragten auf den Punkt: «Die Einfachheit ist hier das, was es ausmacht.»