Forschung & Entwicklung

Bauen im Wandel

Die Entwicklung des Qualitätsstrebens in der Bauwirtschaft geht weiter

Das Bauen wird zunehmend komplexer. Der Wandel ist spürbar und hat Auswirkungen auf das Qualitätsverständnis der Branche. Jürg Mosimann, dipl. Bau-Ing. FH und SQS-Branchenverantwortlicher Bau, skizziert im vorliegenden Beitrag die Richtung der Entwicklung.
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Eine Bemerkung vorweg: Grundsätzlich ist jeder Bauunternehmer bestrebt, ein qualitativ einwandfreies Bauwerk zu erstellen. Die meisten Bauten könnten im Prinzip durch jeden Bauunternehmer realisiert werden. Weil eine Differenzierung vom Mitbewerber aber schwierig ist, läuft vieles über den Preis. Das Offerieren wird folglich zur Gratwanderung, denn der Kostendruck steht dauernd im Raum. Und überdies haben sich die Anforderungen an das Bauen enorm gewandelt.

Der Wandel schreitet voran

Die Bauten sind komplexer geworden. Ausdruck dafür sind etwa die gegenüber früher veränderte Haltung im Umgang mit der Ressource Energie, die anspruchsvollere Haustechnik, der Einsatz der Elektronik, die komplexere Projektorganisation und die heutigen Bedürfnisse seitens der Besteller. Weiter hat der Zeitdruck massiv zugenommen. Diese Konstellation fordert die Branche extrem stark. Früher musste ein Bauunternehmer die Ressourcen selber stellen. Heute können selbst Kleinstunternehmen grössere Vorhaben realisieren, indem sie Ressourcen extern beziehen durch Leasing, Miete, Vergabe von Aufträgen an Subunternehmer, Akkordanten usw. Beleg für diese Entwicklung ist, dass in den vergangenen Jahren eine Abwanderung der Beschäftigten vom Bauhaupt- ins Baunebengewerbe zu registrieren ist.

Ein Wandel ist auch in der Breite der eingesetzten Qualitätsnormen festzustellen. Zusätzlich zur Qualitätsmanagement-Norm ISO 9001 kommen vermehrt sowohl die Normen «Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz OHSAS 18001» und «Umweltmanagement ISO 14001» als auch Bauprodukt-spezifische Zulassungsnormen wie SN EN 206-1 «Beton» zum Zug. In die Prozesse einzubauen sind überdies mehr und mehr die durch die Schweiz übernommenen europäischen Standards.

Wohin weist die Zukunft?

Die Entwicklung des Qualitätsstrebens wird weitergehen. Man wird sich wohl vermehrt mit industriellem Bauen auseinandersetzen. Man wird etwa weiter versuchen, die Zeitachse zu verkürzen, bei der Nutzung von Ressourcen zu rationalisieren und das Wissen der nachgelagerten Ausführungspartner bereits in die Planung zu integrieren. Möglicherweise wird dies zu einer stärkeren Triage zwischen industriellem Bauen und gewerblichem Bauen führen. Zu denken ist hier an die Projekt­abwicklungen von Totalunternehmern, die anders getrieben sind als die klassische Abwicklung. Kurz: Generell wird die Bedeutung des umfassenden Projektmanagements deutlich zunehmen.

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