Die besagten Muster können sich Entscheider in Form von fünf einfachen Tools aneignen und damit die Position ihres Unternehmens auf dem Markt mit innovativen Produkten oder innovativen Prozessen sichern.
Der DNA auf der Spur
Doch was ist die DNA erfolgreicher Innovationen? Diese Frage bewegt Entwickler und Entscheider gleichermassen. Sie führte dazu, dass Anfang der 1990er-Jahre ein Team angesehener Wissenschaftler ein Forschungsprojekt startete. Mit einem klaren Ergebnis: 90 Prozent aller erfolgreichen Innovationen lassen sich mit einem von fünf Mustern erklären. Kennt ein Entscheider diese Muster, kann er aus seinem Unternehmen Innovationen herauskitzeln, die den Unternehmenserfolg langfristig sichern können. Diese Muster inklusive «Kochrezept» finden sich in den Tools der Methodik von Systematic Inventive Thinking (SIT) wieder: Subtraction, Multiplication, Division, Attribute Dependency und Task Unification. Der SIT-Prozess ist bei allen Tools gleich: Zunächst macht man sich die konkrete, bestehende Situation en detail bewusst, das heisst: Man visualisiert das Produkt (oder den Prozess) und zerlegt es gedanklich in seine Komponenten. Anschliessend wendet man ein Tool auf die bestehende Situation an und erhält so die sogenannte «virtuelle Situation», durch die man versteckte Mehrwerte erkennen kann, die selbst die beste Marktforschung oft nicht identifizieren kann.
Fallbeispiel: Multiplication
Bei vielen erfolgreichen Innovationen wurde der bestehenden Situation etwas hinzugefügt. Die Forschung hat allerdings gezeigt, dass besonders kreative und erfolgreiche Innovationen solche waren, in denen nicht bloss wahllos neue Elemente und Features addiert, sondern Elemente multipliziert wurden, die sich schon im existenten Produkt befanden, wie zum Beispiel die Doppelverglasung, das Schweizer Messer oder die neuen «Noise Cancelling»-Kopfhörer. Das Prinzip der Multiplication ist, über die reine Vervielfachung hinauszugehen und eine qualitative Veränderung zu bewirken.
In einem Projekt mit einem bekannten Keramikproduzenten ging es darum, eine Innovation im Bereich Toiletten zu schaffen. Als zu multiplizierende Komponente wurde von den Workshopteilnehmern in einem Fall der Wassereinlauf ausgewählt.
Die Anwendung des Tools Multiplication bedeutet aber, wie oben beschrieben, dass eine Komponente des zu innovierenden Produkts nicht nur multipliziert, sondern variiert in das System zurückgebracht wird. Die Frage, die sich nun stellte, war: Wie können mehrere Wassereinläufe variieren? Unter den Variationsmöglichkeiten, die vorgeschlagen wurden, waren unter anderem die Länge, die Materialart, die Farbe und der Durchmesser. Bei der Nennung des Durchmessers als Variable wurden mehrere Workshopteilnehmer hellhörig.
Daraus stellte sich die Frage: «Was wäre gut daran, eine Toilette mit mehreren Wassereinflüssen mit jeweils verschiedenen Durchmessern zu haben?» Es kristallisierten sich unter anderem folgende Vorteile heraus: Höherer Wasserdruck durch die Verringerung der Durchmesser, weniger Wasserverbrauch für dieselbe Spülleistung, Verringerung des Wasserverbrauchs insgesamt usw. Die in der Ideation generierte Idee wurde dann folgendermassen umgesetzt: Indem eine Toilette mit mehreren Wassereinläufen in verschiedenen Durchmessern entwickelt wurde, entstand die bisher ressourcensparendste Toilette der Welt.