Das erworbene Diplom für eine Weiterbildung kann man später jederzeit vorzeigen. Etwas schwieriger verhält es sich mit dem erlernten Wissen: Wird es nicht gezielt gesammelt und im betrieblichen Alltag eingesetzt, geht es schnell wieder vergessen und damit verloren. Kommt hinzu, dass sich theoretisches Wissen nicht in jedem Fall 1:1 auf das eigene Unternehmen anwenden lässt. Dazu braucht es eine Art Übersetzungsarbeit. Damit diese stattfinden kann, muss das Wissen erst einmal effektiv gesammelt werden. Hinter dem erfolgreichen Wissenstransfer stecken also ein durchdachter Prozess und eine klare Zielsetzung.
Die richtige Einstellung
«Erfolgreicher Wissenstransfer beginnt für mich mit der richtigen Einstellung», sagt Stefan Grob. Der St. Galler Unternehmer absolviert zurzeit den Executive MBA (EMBA) am Management-Weiterbildungszentrum der FHS St. Gallen (Fachhochschule). Daneben führt er weiterhin seine PR-Agentur Complecta GmbH. Privat ist er verheiratet und wird bald zum zweiten Mal Vater. Stefan Grob ist überzeugt: «Wenn man nur wegen des Titels eine Weiterbildung anfängt, bleibt vom Unterricht wenig hängen. Mir ist es jedoch wichtig, dass ich möglichst viel vom Studium in meinem Unternehmen verwenden kann. Deshalb lohnt es sich, den Lernstoff nicht nur im Hinblick auf die Prüfung zu verstehen, sondern den spezifischen Nutzen für sich selbst zu erkennen.» Deshalb ist es für ihn wichtig, dass er sich mit dem Wissenstransfer intensiv auseinandersetzt. Er fragt sich jeweils konkret: Wie sammle und verarbeite ich das Gelernte am effektivsten? Wie und wo setze ich das Erlernte in die Praxis um?
Praxisorientierte Angebote
Wer sich Gedanken über den Wissenstransfer macht, merkt schnell, dass viele Schulen diesen Vorsatz auch explizit fördern. So beispielsweise das Management-Weiterbildungszentrum der FHS St. Gallen. «Unsere Dozierenden geben den Teilnehmenden die Möglichkeit, in den Gruppenarbeiten während des Unterrichts Problemstellungen aus dem eigenen Betrieb zu bearbeiten», erklärt Regula Umbricht, Leiterin Management-Weiterbildungszentrum der FHS St. Gallen. Das gilt auch für die schriftlichen Modularbeiten. Stefan Grob kann dies bestätigen: «Ich habe beispielsweise eine Modularbeit über das Projektmanagement meiner Agentur verfasst. Daraus konnte ich wichtige Erkenntnisse für die Verbesserung unseres Projektmanagements ableiten.» Darüber hinaus ist es sinnvoll, wenn man am Ende einer Unterrichtseinheit jeweils gezielt darüber nachdenkt, was man vom Gelernten sofort, mittel- oder langfristig implementieren möchte und welche Tools man am besten brauchen kann. Interessant ist natürlich auch der direkte Austausch mit den anderen Studierenden. Der Branchenmix und das hohe Niveau führen regelmässig dazu, dass neue Ideen aus anderen Unternehmen im Sinn von Best-Practices auch für die eigene Arbeit interessante Optionen darstellen.
Freude am Lernen ist wichtig
Einen entscheidenden Schritt für den erfolgreichen Wissenstransfer stellt das gezielte Sammeln von Wissen dar. Dafür bieten sich viele Möglichkeiten an, beispielsweise die Verwendung eines eigenen Lernblogs oder ein Lernjournal. Ein Blog hat den Vorteil, dass er via Internet von fast überall her abrufbar ist und nicht einfach verloren gehen kann. Die Notizen ermöglichen es, bei Bedarf wieder auf das vermittelte Wissen zurückzugreifen. Ein Lernblog bietet dabei die hilfreiche Option, die Inhalte als Schlagworte zu kennzeichnen und so schneller wieder zu finden und übersichtlich zu ordnen. Weiter werden die Lerninhalte beim Verfassen von Notizen noch tiefer im Gedächtnis verankert.
Da solche Arbeiten freiwillig sind, erfordern sie Eigenverantwortung und Freude am Lernen. «Deshalb muss man den Wissenstransfer auch wirklich wollen», sagt Stefan Grob. «Viele haben meiner Meinung nach ein verkrampftes Verhältnis zum Lernen und denken vor allem an die Prüfungen. Wer aber den persönlichen Gewinn vor Augen hat, ist motivierter und lernt nachhaltiger.» Je besser das Wissen im Gedächtnis verankert ist, desto besser lässt es sich in die Praxis umsetzen. Hat man das Wissen gesammelt, stellt sich die Frage nach der Anwendung in der Praxis. Dabei braucht es zuerst eine Art Übersetzungsarbeit, um die Theorie für das eigene Unternehmen nutzbar zu machen, denn jeder Betrieb hat seine eigenen Prozesse, Mitarbeiter und Managementsysteme. Später sollte man die angewandten Theorien regelmässig auf ihre Wirkung hin überprüfen.