Forschung & Entwicklung

Human Resources

Dem Fachkräftemangel in Tech wirksam entgegenwirken

Speziell in der Tech-Industrie ist der Fachkräftemangel augenscheinlich. Der Beitrag beleuchtet drei Talent-Akquisition-Vorgehen und -Arbeitsmodelle als nachhaltige Massnahmen ­gegen diesen Fachkräftemangel.
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Der Fachkräftemangel ist unaufhalt-sam und der Bedarf an Fachkräften – vor ­allem in der Tech-Industrie – kann für ­Unternehmen nicht mehr länger ohne wirtschaftliche Folgen ignoriert werden. Zur gleichen Zeit scheiden immer mehr Frauen aus dem wirtschaftlichen Arbeitsmarkt aus, da ihre Berufe aufgrund der Digitalisierung wegfallen oder sie mit ­einem Teilzeitpensum von Unternehmen nicht mehr angestellt werden. Aber auch Männer möchten vermehrt nicht mehr Vollzeit arbeiten und einen Teil ihrer Freizeit ausserhalb des Unternehmens in andere, zum Teil sinnstiftende Projekte investieren – sei es für die Familie oder aber auch als Profisportler und für andere Hobby. Doch genau diese Arbeitnehmenden sind es, die den Fachkräftemangel ­beheben und die Wirtschaftlichkeit von Unter­nehmen nachhaltig erhöhen können. Wie können Unternehmen nun aber Frauen und Männer, die aufgrund ihrer Bedürfnisse der Schwierigkeit gegen-überste­hen, angestellt zu werden, als ­zukünftige Mitarbeitende gewinnen?

Alternative Talent-Akquisition

In diesem Artikel werden die drei erfolgreichen alternativen Talent-Akquisition-Vorgehen und -Arbeitsmodelle näher ­betrachtet, die dem Fachkräftemangel nachhaltig entgegenwirken: Quereinstieg, Jobsharing und Teilzeit. Die Vorgehen und Modelle werden mit Beispielen und Tipps aus der Praxis unterlegt, die es Unter­nehmen ermöglichen, nicht nur den Fachkräftemangel in ihrem eigenen Unternehmen zu bewältigen, sondern dadurch auch die Diversität in ihren Teams zu erhöhen.

Der Quereinstieg 

Obwohl man den Quereinstieg in eine andere Industrie oder Branche schon länger kennt, wird dieser oft nicht als Möglichkeit für das eigene Unternehmen genutzt. Bevor die Gründe dafür erläutert werden, wenden wir uns zuerst der Begriffsdefi­nition von «Quereinstieg» zu. Der deutsche Duden definiert Quereinstieg wie folgt: «Beginn einer Arbeit, eines Stu­diums o. Ä. in einem fortgeschrittenen Stadium, ohne die sonst üblichen Vorstufen zu durchlaufen.» Somit werden also Quereinsteigende als Personen bezeichnet, die aus einer fremden Industrie oder Branche in ein neues Betätigungsfeld wechseln, ohne die dafür üblich benötigten Ausbildungen absolviert zu haben. 

Die Nachteile sind hier offensichtlich. Die Quereinsteigenden bringen nicht die ­nötige theoretische Erfahrung oder aber auch Praxis-Expertise in dem Bereich mit, in den sie einsteigen. Somit bedarf es zuerst eines intensiven On-the-Job-Trainings, um die neuen Mitarbeitenden für die neuen Aufgaben fit zu machen. Jedoch darf man die Vorteile nicht ausser Acht lassen. Quereinsteigende haben bereits Berufserfahrungen und können die Soft Skills, die sie aus früheren Arbeitsstellen gewonnen haben, zu ihrem Vorteil nutzen. Zusätzlich können sie ihre Expertise aus anderen Branchen miteinbringen, um neue und innovative Lösungen in der neuen Umgebung zu entwickeln. Vor allem im Tech-Bereich kann dies für ein Unternehmen von grossem Nutzen sein. Hat ein Mitarbeiter zuvor auf der Kundenseite gearbeitet, so kann er sein Wissen wertvoll in die Entwicklung von neuen technischen Lösungen einbringen.

Aus der Praxis sind für einen Quereinstieg in die Tech-Branche beispielsweise die Bootcamps von Le Wagon bereits gut ­etabliert. Diese Bootcamps erlauben es Arbeitnehmenden, ihre Expertisen mit ­technischen Skills zu ergänzen, um diese ­erfolgreich in einem anderen Bereich einzusetzen. Ein erfolgreiches Programm hat Techface zusammen mit Le Wagon lanciert. 

Nach dem erfolgreichen Absolvieren des Bootcamps hilft Techface den Teilnehmenden, ein Internship in der Tech-Industrie zu finden. Dazu stellen sie die Teilnehmenden unterschiedlichen Unternehmen vor und ergänzen das Bootcamp mit weiterführenden Workshops, um ihre ­Expertise und Skills anzuwenden und zu erweitern. Unternehmen wie Six haben bereits mehrere Kandidatinnen mit Erfolg eingestellt.

Das Jobsharing

Jobsharing hat in den letzten Jahren ­vermehrt an Bedeutung gewonnen und wird mittlerweile immer mehr in Unternehmen eingesetzt. Dabei müssen es nicht immer die Grossunternehmen sein, die Jobsharing-Modelle nutzen können. Diese funktionieren genauso gut für ­kleinere und mittlere Unternehmen. 

Jobsharing wird oft mit Teilzeit gleich­gesetzt, was jedoch klar unterschieden werden muss. Beim Jobsharing arbeiten meist zwei Arbeitnehmende sehr eng ­zusammen und teilen sich Aufgaben und ­Arbeitszeiten selbständig untereinander auf. Im Gegensatz zum Teilzeitarbeits­modell haben sie jedoch die Gesamt­verantwortung gemeinsam und können nur gemeinsam Erfolge erzielen. Dabei ist es sehr wichtig, dass sich die Jobsharer sehr gut verstehen und eine reibungslose Kommunikation unter sich wie aber auch mit den Vorgesetzten sicherstellen.

Das Jobsharing bringt klar den Vorteil, dass sich zwei Personen mit unterschiedlichen Skills und Expertisen eine Stelle teilen. Somit kann das Unternehmen von mehr Erfahrung profitieren, als wenn die Stelle von nur einer Person besetzt wird. Zusätzlich können auch die Arbeitnehmenden voneinander profitieren und ihre Skills und Expertisen erweitern.

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