Produkte und Weiterentwicklungen werden bei Dyson unter harten Kriterien erforscht und nach dem Prinzip «Testen und Verwerfen» hundertfach geprüft, bevor lediglich rund ein Zehntel der Ideen zur Marktreife gebracht wird.
Weshalb ein neuer Ventilator?
Ein angenehmer Luftstrom bläst den erstaunten Ladenbesucher an. Er blickt ungläubig auf ein kreisrundes Objekt auf dem Verkaufstisch, das ohne Propeller einen kühlenden Luftstrom erzeugt. Der neue Air-Multiplier-Ventilator von Dyson könnte problemlos in einem Science-Fiction-Film als Requisite gebraucht werden, so futuristisch sieht er aus. Er hat keine Rotorblätter und verströmt dank eines Tricks aus der Physik einen gleichmässigen Luftstrom.
Der kritische Ökonom könnte jetzt hinterfragen: «Den Ventilator gibt es ja schon seit 150 Jahren. Wer braucht denn jetzt einen neuen Ventilator?» Diese Frage hat bei Dyson bis zur Markteinführung des Air Multiplier niemanden gekümmert. Ein Rückblick in den Erfindungsprozess lohnt sich für das Verständnis.
Blick in die Entwicklung
Ingenieure wurden bei der Entwicklung des Dyson-Airblade-Händetrockners auf den Coanda-Effekt aufmerksam. Dabei reisst ein Luftstrom die Umgebungsluft mit und fügt sie dem Basisluftstrom bei: Luft sammelt Luft, wenn man so will. Nach dieser Erkenntnis machten sich die Dyson-Tüftler an die Arbeit, um herauszufinden, wie dieses Wissen für ein neues Produkt genutzt werden kann. Die Antwort war ein Ventilator ohne Propeller. Schaut man sich die Marktrelevanz für ein solches Produkt an, dürfte es dem klassischen Ökonomen kalt den Rücken herunterlaufen. Viele der relevanten und kaufstarken Industriestaaten haben kurze Sommerphasen und sie liegen nördlich des Äquators. Zudem spielen in vielen Ländern andere Kühlsysteme, wie Klimaanlagen in den USA, eine tragende Rolle. Und wenn man dann noch einen Preis von rund 400 Franken pro Gerät nennt, dann sieht man das mitleidige Lächeln der Marketingexperten schon lebhaft vor Augen.
Trotzdem wurde der Dyson-Ventilator Ende 2009 weltweit zu diesem Preis mit grossem Erfolg eingeführt. In Australien beispielsweise kletterte der Marktanteil der neuesten Ventilatorgeneration innert eines Jahres nach der Einführung bei den Tischventilatoren auf 64 Prozent (GfK/Wert). Diese Erfahrung zeigt: Konsumenten akzeptieren neue Produkte, wenn sie besser funktionieren als bestehende, und sie sind sogar bereit, deutlich mehr dafür zu bezahlen.
Ein steiniger Weg
Um diese eigenwillige Herangehensweise des Unternehmens Dyson zu verstehen, lohnt es sich, einen Blick auf die Lebensgeschichte des Inhabers James Dyson zu werfen. Denn bei seiner wichtigsten Erfindung, dem beutellosen Staubsauger, lief es vor mehr als 25 Jahren ähnlich ab wie beim beschriebenen Beispiel des propellerlosen Ventilators. Schon damals fragte man Dyson, wer denn schon einen Staubsauger ohne Beutel brauche, wo man den Dreck zudem noch im durchsichtigen Behälter sieht. 25 Jahre später wissen wir, dass Millionen Menschen weltweit diese Staubsaugertechnologie nutzen. Aber der Weg hierhin war lange und steinig.
Zwei Schlüsselereignisse
1979 ereigneten sich zwei prägende Geschichten im Leben von James Dyson. Bei der ersten wurde er von seinen Geschäftspartnern aus der eigenen Firma gedrängt. Dyson hatte für die Firma den Ballbarrow erfunden, eine Schubkarre, die auf einem Kunststoffball rollt. Damit erreichte das Unternehmen in England die Marktführerschaft. Den roten Ball wird man später auch bei den Staubsaugern wiederfinden. Damals kristallisierte sich bei James Dyson auch der Gedanke des eigenen Unternehmens ohne finanzielle Abhängigkeit heraus. Das zweite Ereignis war der Startschuss für ein Weltunternehmen. Es war 1979 in Brathord im Südwesten von England. James Dyson sitzt in seiner Garage und hat ein Ziel vor Augen: Er möchte den ersten Staubsauger ohne Saugkraftverlust erfinden. Dieses Vorhaben wurde durch einen grossen Frust geboren. Beim Reinigen zu Hause ärgerte sich James Dyson darüber, dass die Saugkraft seines Hoovers schon nach wenigen Minuten nachliess und der Staubsauger nur noch herumröchelte. Die Ursache lag im Beutel begründet. Sobald Luft durch etwas Poröses fliesst, beginnt der Staub die Poren zu verstopfen, denn Luft, speziell bei einem Staubsauger, ist nie rein. Im Fall des Beutels lässt die Saugkraft nach und damit auch die Saugleistung.