Diese Risikolandkarte umfasst insgesamt 36 Risiken, unterteilt in die Kategorien Wirtschaft (I), Geopolitik (II) Umwelt (III), Gesellschaft (IV) sowie Technologie (V). Um als globales Risiko qualifiziert zu werden, müssen die Auswirkungen des Risikos, das regionalen oder lokalen Ursprungs sein kann, in mindestens zwei Kontinenten spürbar sein und im Minimum drei oder mehr Industriebranchen betreffen. Die gesamten ökonomischen Auswirkungen müssen mehr als zehn Milliarden US-Dollar betragen.
Globaler Preiszerfall
Als Spitzenrisiko erachten die Risikoexperten nach wie vor einen weiteren globalen Preiszerfall physischer und finanzieller Vermögenswerte, gefolgt von einem starken Einbruch bei der Nachfrage und beim Konsum privater und öffentlicher Haushalte. Diesem Risikoszenario eines Kollapses der Vermögenswerte wird für die nächsten zehn Jahre eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 20 Prozent attestiert, mit daraus resultierenden finanziellen Auswirkungen von mehr als 1000 Milliarden Dollar. Insgesamt führen die ökonomischen Risiken die Hitparade bei den finanziellen Auswirkungen an.
Gesundheitliche Risiken
Die gesundheitlichen Risiken stehen bei den gesellschaftlichen Risiken an oberster Stelle, wobei bei diesen die Risiken chronischer Krankheiten (z. B. Übergewicht, Herzkrankheiten, Diabetes, behandelbare Krebsarten) höher eingeschätzt werden als Infektionskrankheiten und Pandemien. Wegen den damit weiter steigenden Ausgaben für Gesundheit und Altersrenten geraten Regierungen der Industrieländer unter weiteren beträchtlichen finanziellen Druck. Deshalb gehört auch die hohe Staatsverschuldung zu den Spitzenrisiken. OECD-Studien zufolge bedeutet eine Zunahme der Arbeitslosigkeit in einem Staat um ein Prozent eine Zunahme der Staatsverschuldung um drei Prozent, gemessen am Bruttosozialprodukt.
Regulierungsdickicht
Im Report wird zudem das Risiko von Lücken in der globalen Governance als zentrale Basis für die Bewältigung und Reduzierung globaler Risiken ausführlich thematisiert, während auf das Risiko der Regulierungslast (Burden of Regulation) wahrscheinlich wegen geringerer finanzieller Auswirkungen im Report kaum eingegangen wird. Dies ist insofern bedauerlich, als nicht nur die zunehmende Regulierung an sich Herausforderung genug wäre, sondern auch, weil mit der Regulierungsdichte die sich gegenseitig in Absicht und Umsetzung widersprechenden Regulierungen zunehmen.
Die risikointelligente Navigation im Regulierungsdickicht wird zu einer der zentralen Herausforderungen für die Unternehmensstrategie und kann deshalb vor allem in der Finanzindustrie nicht mehr nur die Aufgabe der operativen Führung sein, sondern muss zunehmend die strategische Agenda von Verwaltungsräten in länderübergreifend tätigen Unternehmen beeinflussen. Das rechtzeitige Erkennen globaler Trends in diesem Bereich wird zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für Unternehmen.