Finanzen & Vorsorge

Börsenradar

Zäher Auftakt der Wintersaison

Kaufen, Halten oder Verkaufen – ein speziell auf den Schweizer Aktienmarkt ausgerichtetes Analysesystem prüft auf Basis von fünf Einzelsignalen, in welche Richtung der Börsenradar ausschlägt.
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Mit dem November hat das starke Börsenhalbjahr begonnen, und insbesondere zum Jahresende setzen die Aktienmärkte gerne zur sogenannten «Jahresendrally» an. Doch dieses Jahr sind Europas Börsen schwach in die Wintersaison gestartet. Das mag daran liegen, dass Konjunktur und Aktienkurse seit Jahren hauptsächlich von den direkten und indirekten Hilfsprogrammen der Regierungen und Notenbanken profitieren. Europas Wirtschaft und  auch weltweit scheint die Nachfrage zu fehlen, was man leicht an den nicht ausgelasteten Kapazitäten vieler Unternehmen und Branchen ablesen kann; die viel zu schwachen Investitionen haben also nicht ihren Grund in mangelndem oder zu teurem Kapital. Das, was die Wirtschaft selbst zu steigenden Börsenkursen beiträgt, ist seit drei Jahren der beginnende technologische Umbruch aufgrund von Digitalisierung und «künstlicher Intelligenz». Doch hier tun sich mittlerweile Zweifel auf, wann KI tatsächlich die immensen Investitionen einspielen, also menschliche Arbeitskraft in Massen ersetzen wird. Dennoch sind just jene Aktien, die in der zweiten oder dritten Reihe der Digitalisierungshierarchie stehen, oder vom Geschäft der Militarisierung und weiteren Aufrüstung Europas profitieren, bereits im September und Oktober teils fahnenstangenartig nach oben geschossen. Kurzum: Die Favoriten der Börsianer sind bereits hoch bewertet, und einzig vermeintlich «sichere» Aktien, etwa aus der Energiebranche, zeigen daneben noch Aufwärtstendenzen. Wie schnell Schweizer Titel nun angesichts der neuen Zollvereinbarung mit den USA wieder das Kursniveau erreichen werden, auf dem sie sich vor dem «Zoll-Schock» im April bewegt hatten, können wir nur abwarten. Angesichts der schwachen europäischen Konjunktur und der politischen Wende der US-Handels- und Industriepolitik dürfte das zumindest kein Selbstläufer werden. Doch konzentrieren wir uns auf das Positive: Das Zinsniveau sinkt weltweit, und die US-Notenbank wird sicher wieder ihr Möglichstes tun, um die US-Börsen und heimische Konjunktur am Laufen zu halten. Und nichts ist wichtiger für die Stimmung als die Überzeugung, dass die US-Notenbank hinter ihnen steht! 

1. Zinssignale: Positiv

Hier gilt die Regel, dass sinkende Zinsen gut für Aktien sind und steigende Zinsen schlecht. Allerdings können lange Phasen sinkender Anleiherenditen auch ein Zeichen für sinkende Konsum- und Investitionsbereitschaft sein, was den Aktienmarkt in eine rezessionsbedingte Baisse stürzen kann. Mit Blick auf die kommenden Wochen ist aber entscheidender, dass Zinspapiere aufgrund ihrer niedrigen Verzinsung keine reale Alternative zu Unternehmensbeteiligungen darstellen.

2. Der Saisoneffekt: Positiv

Am Aktienmarkt bringen die Monate November bis April statistisch gesehen zweifelsfrei die grösseren Kursgewinne als die Monate Mai bis Oktober. Unser Indikator gibt daher nun bis zum letzten Wochenende im April grünes Licht für Aktien!

3. Die Anzahl der Schweizer Aktien mit 9-Monats-Hochs und -Tiefs: Positiv

Unsere Liste der 64 meistgehandelten schweize­rischen Aktien zeigte zum letzten Stichtag am 14. November ein positives Bild: Sechs Aktien meldeten ein 9-Monats-Hoch (Sandoz, Holcim, BB Biotech, Swatch, Barry Callebaut, Novartis). Nur drei Titel verzeichneten hingegen ein 9-Monats-Tief (Sonova, Aryzta, Rieter). Der kurzfristige Trend zeigt also aufwärts!

4. Der SMI-Index: Positiv

Die Marke 13 000 hat der SMI-Index zwar noch nicht zurückerobern können, doch die Chancen stehen gut, dass er den Abstand bis zum Jahresende  verringern wird. Zum Stichtag 14.11. lag er mit 12 634 Punkten um 12,4 % über seinem tiefsten April-Wert.

5. Der Banken-Index: Positiv

Der Banken-Index reagiert sensibel auf Konjunktur- und Zinsrisiken. Er setzt sich aus zehn wichtigen Grossbanken aus aller Welt zusammen; auch die UBS ist im Banken-Index enthalten. Zuletzt hatte unser Index nach seinen jüngsten Allzeithochs zwar ein wenig nachgegeben, doch mittlerweile ist eine neue Rekordmarke wieder zum Greifen nahe. Die Banken-Branche bleibt weltweit zuversichtlich!

6. Summe der fünf Signale: 5:0 positiv

Mit der Wintersaison haben all unsere Indikatoren ins Plus gedreht und geben grünes Licht für Aktienkäufe! Stellen wir nun noch die neuen Zollvereinbarungen mit den USA in Rechnung, sollte es bis zum Jahresschluss weiter aufwärtsgehen. Im Laufe des kommenden Jahres wird dann mehr Klarheit darüber herrschen, wie gut die Schweizer Exportwirtschaft mit den neuen Bedingungen im Welthandel zurechtkommt. Kurskorrekturen bei einzelnen Aktien mag es dann geben, doch unterm Strich setzen die Schweizer Anleger wohl zu Recht auf die Flexibilität und Widerstandskraft ihrer Unternehmen.

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