Der Schweizer Franken gilt bei Anlegern weltweit als sicherer Hafen. Jüngste geopolitische Spannungen haben jedoch gezeigt, dass sich klassische Währungsmuster nicht immer verlässlich fortsetzen. Selbst der Franken kann sich in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld anders entwickeln als erwartet – und zeitweise auch an Stärke verlieren. Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Wechselkurse bleiben schwer prognostizierbar. Während Wechselkursbewegungen aus volkswirtschaftlicher Sicht oft als Teil normaler Marktanpassungen interpretiert werden, stellen sie auf betriebswirtschaftlicher Ebene vor allem exportorientierte Unternehmen vor eine strukturelle Herausforderung.
Schleichendes Risiko
In vielen Unternehmen werden Wechselkursbewegungen vor allem dann wahrgenommen, wenn sie kurzfristig und stark ausfallen. Eine anhaltende Stärke des Frankens wirkt hingegen subtiler: Die Auswirkungen zeigen sich meist schleichend und werden deshalb häufig unterschätzt. Denn ein starker Schweizer Franken reduziert kontinuierlich die in Fremdwährung erzielten Umsätze, während ein Grossteil der Kostenbasis in Franken bestehen bleibt.
Diese schleichende Entwicklung macht den starken Franken zum «stillen Margenkiller». Besonders für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) ist diese Dynamik herausfordernd, da sie Verluste durch Wechselkurse oft erst mit zeitlicher Verzögerung in ihren Ergebnissen sehen.
Hinzu kommt: Nur wenige Unternehmen verfügen über die Marktmacht, um Wechselkursveränderungen vollständig an ihre Kunden weiterzugeben. Während grosse Konzerne in Einzelfällen Preise in Franken durchsetzen können, sind viele kleine und mittlere Unternehmen gezwungen, in der Währung ihrer Abnehmer zu fakturieren. Damit tragen sie das volle Wechselkursrisiko.
Hedging bringt Stabilisierung
Obwohl das Risiko bekannt ist, ist die systematische Absicherung bei vielen Schweizer Unternehmen in der Praxis lückenhaft. Die Gründe dafür sind vielfältig: Oftmals fehlt eine klare Strategie, die über punktuelle Entscheidungen hinausgeht. Absicherungen erfolgen ad hoc und meist erst dann, wenn der Wechselkurs bereits unter Druck steht. Gleichzeitig besteht häufig die Sorge, durch die Fixierung von Wechselkursen von günstigen Marktbewegungen ausgeschlossen zu werden.
Dabei ist Hedging kein Instrument zur Spekulation, sondern zur Stabilisierung. Es kommt weniger darauf an, den «besten» Kurs zu treffen, sondern Planbarkeit zu schaffen. Umso wichtiger ist daher ein im Voraus definierter Wechselkurs. Dieser ermöglicht es Unternehmen, Margen zu sichern und Geschäftsentscheidungen auf einer verlässlichen Grundlage zu treffen.
Ein strukturiertes FX-Risikomanagement folgt einem klaren Prozess: Zunächst wird die Währungsexponierung analysiert, anschliessend die Risikobereitschaft definiert und darauf aufbauend eine passende Strategie entwickelt, umgesetzt und kontinuierlich überwacht. In der Praxis kommen vor allem Termingeschäfte und Optionslösungen zum Einsatz. In Kombination können sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sicherheit und Flexibilität erzielen.
Darüber hinaus zeigt sich, dass Unternehmen mit klar definierten internen Richtlinien und Zuständigkeiten deutlich konsistenter agieren. Wird das Thema hingegen nur punktuell behandelt, entstehen blinde Flecken, die sich insbesondere in volatilen Marktphasen negativ auswirken können.

