Herr Gerber, die aktuelle Wirtschaftskrise trifft vor allem die exportorientierten KMU. Wie stark ist Ihr Geschäft davon betroffen?
Die Schweizer KMU sind bisher vergleichsweise solide durch die Krise gekommen. Je nach Branche spürt man vielleicht eine gewisse Zurückhaltung bei den Investitionen. Im vergangenen Jahr konnten wir von Credit Suisse im Kanton Zürich ein überproportionales Wachstum erzielen, bestehende Geschäftsbeziehungen ausbauen und neue Kunden gewinnen.
Wie ist denn die Stimmung unter Ihren Kunden?
Insgesamt ist die Stimmung nicht schlecht. Wir treffen täglich auf besonnene Unternehmer, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind, sich mit Chancen und Risiken auseinandersetzen, Entscheidungen treffen und Wert legen auf eine langfristig ausgelegte Zusammenarbeit mit den wichtigsten Partnern – wie etwa der Bank oder den Zulieferern.
Welche Rolle spielen Ihre Mitarbeitenden als strategische Partner der Unternehmen?
Die Arbeit unserer Kundenbetreuer hat sich verändert. Die Qualität der Geschäftsbeziehung ist zwar nach wie vor erfolgsentscheidend. Doch Kredit- oder Anlagewissen zu haben, das allein reicht heute nicht mehr aus. Ganz zentral ist die Nähe der Kundenbetreuer zu den Kunden; das schafft Vertrauen. Es geht zunehmend darum, auch Sparringpartner für die Kunden zu sein, um sie bei strategischen Entscheidungen in der Unternehmensfortführung zu unterstützen…
… wie beispielsweise?
Wie etwa bei einem Firmenkauf oder -verkauf, bei grösseren Investitionsentscheidungen oder bei Nachfolgeregelungen innerhalb oder ausserhalb der Familie oder der Geschäftsleitung.
Nehmen wir die Beispiele Firmenverkauf und Nachfolgeregelung. Wie konkret kann eine Bank ihre Kunden dabei unterstützen?
Zuerst muss sich der Inhaber festlegen, ob er seine Firma innerhalb der Familie, an die Geschäftsleitung oder an einen Dritten weitergeben bzw. verkaufen möchte und in welchem Zeitraum dies geschehen soll. Dabei müssen einige Fragestellungen beantwortet werden wie etwa die Preis- und Wertvorstellungen. Konkret: «Welche Eigenschaften und Erfahrungen muss ein potenzieller Nachfolger zwingend mitbringen?» Oder die Fragen: «Will ich einen möglichst hohen Verkaufspreis erzielen?», «wie und basierend auf welchen Werten soll meine Unternehmung weitergeführt werden?». Für solche und weitere Fragenstellungen stehen unsere Kundenbetreuer und unser breites Netzwerk zur Verfügung. So kommt es oft vor, dass ein Kunde, der seine Firma an einen Aussenstehenden verkaufen will, an einem Erfahrungsaustausch mit einem Unternehmer interessiert ist, der diesen Prozess bereits durchlaufen hat. Oder wir können ein Gespräch mit einem Finanzinvestor organisieren. Mit der Firmenbörse oder über den Swiss Venture Club verfügen wir zusätzlich über Kontakte zu Unternehmungen, welche an einem Kauf oder Verkauf von Firmen interessiert sind. Jede Form von Nachfolgeregelungen zieht finanzielle Konsequenzen mit sich; etwa Fragen des künftigen Lebensunterhalts und der Vorsorge, auch Steuerfragen oder Anlagethemen, bei deren Umsetzung wir unsere Kunden vollumfänglich beraten und unterstützen.