Wie berechtigt unsere Vorsicht in diesem Jahr war, konnte man auch im Monat Oktober weiter erleben. Die Aktienkurse fielen grossenteils auf neue Jahrestiefs. Nicht umsonst lautet eine wichtige Börsenregel, dass man nie in ein fallendes Messer greifen sollte. Andererseits stellt sich schon die Frage, ob die Börse nicht nach unten übertrieben hat. Dass wir vor einer Weltrezession stehen, dürfte zwar feststehen. Das wissen auch die Zentralbanken. Sie treiben aber trotzdem die Zinsen nach oben, weil die Inflationsbekämpfung Vorrang hat. Und es ist ja auch wichtig, die Geldwertstabilität zu erhalten. Um diese wird ja auch die Schweiz von aller Welt beneidet. Aber die Zentralbanken werden auch ihre harte Geldpolitik bedenken müssen, wenn die Wirtschaft zu weit in die Rezession abgleitet. Schliesslich kam die Inflation ja nicht aus einer zu hohen Nachfrage oder aus zu hohen Lohnforderungen der Gewerkschaften, sondern aus einem zu knappen Angebot von Energie und aus gestörten Lieferketten.
Um zu klären, ob wir schon allmählich den Tiefpunkt der Aktienbaisse erreicht haben, orientieren wir uns an den folgenden bewährten Indikatoren:
1. Zinssignale: Negativ
Sinkende Zinsen sind gut für Aktien, steigende Zinsen schlecht. So steht es jedenfalls in allen ökonomischen Lehrbüchern. Dass die Renditen der zehnjährigen Obligationen in der Schweiz nach einer kleinen Pause wieder im Steigen sind, kann aus der Grafik abgelesen werden. Denn die Schweiz kann sich nicht von der Zinsentwicklung in aller Welt abkoppeln. Noch sind Renditen von 1,3 % zwar keine Konkurrenz für gute Dividendenwerte. Aber wenn die Renditen hier weiter steigen, könnte mancher Aktienanleger doch in Versuchung geraten, sein Geld stärker in Obligationen umzuschichten.


