Finanzen & Vorsorge

Börsenradar

Neue Jahrestiefs

Kaufen, Halten oder Verkaufen – ein speziell auf den Schweizer Aktienmarkt ausgerichtetes Analysesystem prüft auf Basis von fünf Einzelsignalen, in welche Richtung der Börsenradar ausschlägt.
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Wie berechtigt unsere Vorsicht in diesem Jahr war, konnte man auch im Monat Oktober weiter erleben. Die Aktienkurse fielen grossenteils auf neue Jahrestiefs. Nicht umsonst lautet eine wichtige Börsenregel, dass man nie in ein fallendes Messer greifen sollte. Andererseits stellt sich schon die Frage, ob die Börse nicht nach unten übertrieben hat. Dass wir vor einer Weltrezession stehen, dürfte zwar feststehen. Das wissen auch die Zentralbanken. Sie treiben aber trotzdem die Zinsen nach oben, weil die Inflationsbekämpfung Vorrang hat. Und es ist ja auch wichtig, die Geldwertstabilität zu erhalten. Um diese wird ja auch die Schweiz von aller Welt beneidet. Aber die Zentralbanken werden auch ihre harte Geldpolitik bedenken müssen, wenn die Wirtschaft zu weit in die Rezession abgleitet. Schliesslich kam die Inflation ja nicht aus einer zu hohen Nachfrage oder aus zu hohen Lohnforderungen der Gewerkschaften, sondern aus einem zu knappen Angebot von Energie und aus gestörten Lieferketten.

Um zu klären, ob wir schon allmählich den Tiefpunkt der Aktienbaisse erreicht haben, orientieren wir uns an den folgenden bewährten Indikatoren:

1. Zinssignale: Negativ

Sinkende Zinsen sind gut für Aktien, steigende Zinsen schlecht. So steht es jedenfalls in allen ökonomischen Lehrbüchern. Dass die Renditen der zehn­jährigen Obligationen in der Schweiz nach einer kleinen Pause wieder im Steigen sind, kann aus der Grafik abgelesen werden. Denn die Schweiz kann sich nicht von der Zinsentwicklung in aller Welt abkoppeln. Noch sind Renditen von 1,3 % zwar keine Konkurrenz für gute Dividendenwerte. Aber wenn die Renditen hier weiter steigen, könnte mancher Aktienanleger doch in Versuchung geraten, sein Geld stärker in Obligationen umzuschichten.

 

2. Der Saisoneffekt: Positiv

Zahlreiche Statistiken haben bewiesen, dass die Monate Mai bis Oktober eine wesentlich schlechtere Performance am Aktienmarkt aufweisen als die Monate November bis April. Nun beginnt der Monat November, und der zählt bereits statistisch zu den freundlichen Börsenmonaten der letzten 50 Jahre.

3. Die Anzahl der Schweizer Aktien mit 9-Monats-Hochs und -Tiefs: Negativ

Eine Stichprobe Mitte Oktober zeigt, dass die Aktienbaisse noch nicht überwunden ist. Von den 64 wichtigsten Schweizer Aktien weisen 16 ein neues 9-Monats-Tief auf! Und dem steht nur ein einziges neues Hoch gegenüber, und zwar bei dem Bauwert Implenia. Das ist insofern überraschend, als in anderen europäischen Ländern gerade die Baubranche im Abwind ist. Häuser und Wohnungen werden langsam unbezahlbar. Implenia scheint jedenfalls davon nicht betroffen zu sein, weshalb wir diese Aktien in den vergangenen Monaten auch immer wieder positiv hervorgehoben haben. Gemieden werden sollten weiterhin Arbonia, Dormakaba, Logitech, Adecco, Ascom, Rieter und Zur Rose.

4. Der SMI-Index: Negativ

Der SMI-Index für die 20 wichtigsten schweize­rischen Aktien bleibt im Abwärtstrend. Vielen schweizerischen Exporteuren macht neben Teuerung und Zinssteigerung auch der zu starke ­Franken zu schaffen, der die Ausfuhren aus der Schweiz kräftig verteuert.

5. Der Banken-Index: Negativ

Den Banken-Index beobachten wir deshalb so genau, weil er mögliche Finanz-Gefahren für die Weltwirtschaft durch drohende Insolvenzen in der Regel eher anzeigt als übliche Aktienindizes wie der SMI. Er setzt sich aus zehn wichtigen Grossbanken aus aller Welt zusammen; auch die UBS ist im Banken-Index enthalten. Wie Sie in der ­Grafik sehen, liegt auch dieser Index weiter im Abwärtstrend. Den Banken macht vor allem wieder die politische Entwicklung in Italien zu schaffen. Die Gefahr einer Überschuldung durch zu forsche Ausgabenpolitik der neuen Regierung könnte auch manche nichtitalienische Bank in Gefahr bringen, wenn das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der italienischen Regierung ins Wanken gerät.

6. Summe der fünf Signale: 1:4 negativ

So verlockend es auch ist, bei diesen Niedrigkursen mal wieder richtig zuzugreifen, muss doch darauf hingewiesen werden, dass die Mehrzahl unserer Indikatoren noch von Käufen abrät. Wer unbedingt kaufen will, sollte sich auf gute Standardwerte beschränken wie Implenia, Nestlé, Novartis, Roche, UBS und Zurich. Diese Aktien werden gern von ­Ausländern gekauft, die schweizerische Aktien als sicheren Hafen ansehen. Der Aktienanteil im Depot könnte dann mit solchen Werten schon mal 20 bis 30 Prozent  betragen, auch wenn sich die Aktienbaisse noch etwas hinziehen sollte. Ist erst einmal die Rezession wirklich da, sind die Aktienkurse meist schon wieder hoch. Diese historische Erfahrung kann allen zum Trost mitgeteilt werden, die jetzt unter Wertverlusten in ihrem Depot leiden.

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