Finanzen & Vorsorge

Finanz- und Vorsorgeplanung V

Frühzeitige Nachfolgeplanung für den Fortbestand des Lebenswerks

Die Planung der eigenen Nachfolge ist eine der grössten Herausforderungen für Unter­nehmer. Vor allem für KMU kann das Aufschieben dieser Frage schwerwiegende Folgen haben. Der Beitrag zeigt, worauf geachtet werden muss und wie die Zukunft der Firma mit ihren Arbeitsplätzen langfristig gesichert werden kann.
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Es gibt zwei zentrale Momente, die das berufliche Leben eines Unternehmers prägen. Der erste ist die Gründung der eigenen Firma. Der Schritt in die Selbstständigkeit erfordert Mut und Selbstvertrauen. Der zweite Moment ist genauso wichtig, wird aber oftmals vernachlässigt, nämlich die Regelung der eigenen Nachfolge. Auch dieser Prozess ist mit Verantwortung verbunden und erfordert ein grosses Mass an Selbstreflexion sowie Entschiedenheit. Vor allem auch, weil es dabei nicht nur gewerbliche, sondern auch private Aspekte zu berücksichtigen gilt.

Nachfolgeprobleme 

Gemäss der aktuellen Studie «KMU Nach­folge 2020» des Wirtschaftsinformationsdienstes Dun & Bradstreet (ehemals Bisnode D&B) haben 13 Prozent der Schweizer KMU mit 10 bis 100 Mit­ar­beitenden Nachfolgeprobleme. Das entspricht rund 70 000 bis 80 000 Firmen und rund 500 000 Arbeitsplätzen. Diese Zahlen machen deutlich, dass das Thema eine der grössten Herausfor­derungen für KMU-Verantwortliche ist. Unternehmen, die eine Wachstumsstrategie verfolgen sowie ihre Marktposition stärken und ausbauen wollen, kommen nicht um eine frühzeitige Nachfolgeplanung herum. Teil der Verantwortung gegenüber der Firma – aber auch gegenüber den Mitarbeitenden – ist es, sich der eigenen beruflichen Endlichkeit bewusst zu sein und rechtzeitig entsprechend zu planen und zu handeln. Mit diesem vorausschauenden strategischen Schritt kann der Erfolg eines KMU langfristig gesichert werden. 

Frühzeitig handeln

Weiter besagt die Studie von Dun & Bradstreet, dass rund 30 Prozent der Unternehmen in der Schweiz keine geeignete Nachfolge für die Weiterführung finden werden. Entsprechend ist eine beträchtliche Anzahl Arbeitsplätze gefährdet. Durch eine vorausschauende Ausein­andersetzung mit dem Thema können Unternehmerinnen und Unternehmer dies verhindern. 

Die Übergabe einer Firma erfolgt nicht in Tagen oder Wochen und eine erfolgreiche Nachfolgeplanung nimmt normalerweise drei bis sechs Jahre in Anspruch. Eine frühzeitige Prüfung der Möglichkeiten und die Organisation des Wechsels der Geschäftsführung sind zentrale Aufgaben aller KMU-Verantwortlichen – un­abhängig von der Branche. 

Mangelhafte Nachfolgeplanung

Dass viele Unternehmer Mühe mit der ­eigenen Nachfolge bekunden, hat verschiedene Ursachen. Zuerst einmal ist es verständlich, dass die Auseinandersetzung mit dem eigenen Rücktritt aufgeschoben wird. Die Firma zu übergeben, ist der Schritt des endgültigen Loslassens des eigenen Lebenswerks. 

Oft wird aber vergessen, dass das Ende eines Zyklus auch der Beginn von neuen Aktivitäten ist. Persönlich eröffnen sich mit diesem Schritt ungeahnte und inspirierende Perspektiven für ein Leben danach. Durch das Prüfen verschiedener konkreter Optionen und Vorgehensweisen kann man sich emotional auf diesen Schritt vorbe­reiten – sowohl privat als auch beruflich. 

Da dieses Thema oftmals herausgezögert und der Zeitaufwand des Prozesses unterschätzt wird, setzen sich KMU-Verantwortliche zum Teil erst viel zu spät mit ­ihrer Nachfolge auseinander. Dazu kommen weitere erschwerende Faktoren:

  • Es fehlen geeignete Kandidaten – sowohl intern als auch extern.
  • Es mangelt der Firma an innovativen Ideen.
  • Der Unternehmer möchte sein Lebenswerk nicht durch den Verkauf an einen Hedge-Fonds oder eine Investmentfirma aufs Spiel setzen

Die persönliche Situation

Bei einer Nachfolgeregelung steht vor allem die Zukunft des Unternehmens im Fokus. Trotzdem ist es wichtig, auch die persönliche Situation miteinzubeziehen. So macht es Sinn, Vorsorgeaufträge aufzusetzen, damit geregelt ist, was mit dem Betrieb im Falle eines Unfalls des Gründers passiert. Aber auch Erb- und Ehe­verträge fliessen in die Nachfolgeplanung mit ein. 

Um eine genaue Übersicht der eigenen Situation zu erhalten, sollte spätestens ab Mitte fünfzig gemeinsam mit einem Experten eine private Finanzplanung erstellt werden. Auf Basis des Status quo inkl. Vorsorgeguthaben und Anteile am Unternehmen wird die finanzielle Situation für die kommenden Jahre projiziert und der BVG-Plan entsprechend überarbeitet. Die Einzahlungen in die Pensionskasse können flexibler gestaltet werden, je früher die private Finanzplanung umgesetzt wird. Das Wichtigste dabei ist, dass allfällige Lücken geschlossen werden, um nach der Übergabe der Firma den bisherigen Lebensstandard beibe­halten zu können.

Wahl eines geeigneten Partners

Gibt es keine interne Option für die Übernahme der Firma, ist ein kompetenter, ­erfahrener Partner unerlässlich für eine erfolgreiche Nachfolgeplanung. Dabei sind Transparenz und gegenseitiges Vertrauen zentral. Nur so kann eine nachhaltige Lösung im Sinne der Firma und der Mit­arbeitenden gefunden werden. Ein guter Partner verfügt über ein langjähriges und breites Fachwissen und kann so die Unternehmensstrategie gezielt mitgestalten.

Um das eigene Lebenswerk sichern zu können, empfiehlt es sich, mit einem nationalen Partner zusammenzuarbeiten, der den Werkplatz Schweiz kennt und aktiv fördert. Ein langfristig und nachhaltig orientierter Investor kann ein gut funk­tionierendes KMU in seiner weiteren ­Entwicklung unterstützen sowie die Arbeitsplätze sichern und neue schaffen. Das ­Behalten und das Weiterentwickeln des Unternehmens sollen bei einer Partnerschaft zur Nachfolgeplanung im Vordergrund stehen.

Die Chemie muss stimmen

Wenn die KMU-Verantwortlichen den ­potenziellen Partner für den Verkauf der Firma kennenlernen, stehen nicht nur wirtschaftliche Fragen im Vordergrund. Die beiden Parteien begegnen sich auf Augenhöhe und sollten sich über grundlegende Fragen der Unternehmensphi­losophie und -führung einig sein. Die erfolgreiche Entwicklung, die Verankerung und Produktion vor Ort sowie der Mut, ambitionierte Ziele zu verfolgen, sind ­bedeutende Faktoren für eine langfristige Nachfolgelösung für Schweizer KMU. 

Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt die ­soziale Ethik. Die Überzeugung, zum Wohle der Mitarbeitenden zu handeln, muss im Zentrum stehen. Teilt der Partner diese Werte, sind die entscheidenden Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit gegeben. 

Schrittweise Übergabe

Die Übergabe eines KMU geschieht nicht von heute auf morgen. Entsprechend ­besteht eine Nachfolgelösung aus mehreren Etappen. Wenn Unternehmer bereits frühzeitig eine langfristige Nachfolge ­suchen, bietet es sich an, dem Partner in einem ersten Schritt eine Minderheit der eigenen Firma zu verkaufen. 

Dieses Modell hat sich bewährt und bietet verschiedene Vorteile. Eine relevante Minderheitsbeteiligung ermöglicht es dem Partner, sich bereits in der strate­gischen Entwicklung des Betriebs ein­zubringen und im Verwaltungsrat mitzuwirken. Gleichzeitig bleibt der Gründer mit seinem Unternehmergeist und seiner Erfahrung weiterhin Teil der Firma und er behält die Verantwortung. Das eingespielte Team, das gute Arbeit leistet, soll in dieser Phase idealerweise in der be­stehenden Form weitergeführt werden. Ein guter Investor will nicht nur mitbestimmen, sondern auch vom Betrieb, an dem er sich beteiligt, lernen. 

Gerade bei KMU laufen die meisten ­Management-Aufgaben direkt über den ­Inhaber. Falls kein mittleres Kader vorhanden ist, müssen die Organisationsstruktur sowie zentrale Abläufe und Prozesse institutionalisiert werden. Auch eine Nachwuchsförderung kann in diesem Rahmen sinnvoll sein, besonders wenn die Schlüsselmitarbeitenden in ­einem ähnlichen Alter wie der Geschäftsführer selber sind. Durch diese Vorkehrungen wird eine allfällige personelle Abhängigkeit abgebaut und gewährleistet, dass der Betrieb auch nach dem Rücktritt des Unternehmers reibungslos funktioniert.

Langfristige Kooperation

Über die Minderheitsbeteiligung wird die Kontinuität in der Firma sichergestellt und die Geschäftsführung kann ihre langjährige Erfahrung mit der Expertise und dem Netzwerk des Investors kombinieren, um neue Segmente zu erschliessen und Prozesse zu beschleunigen. Eine solche Vereinbarung stärkt das KMU und eröffnet neue Entwicklungsmöglichkeiten. 

Die Option der vollständigen Übernahme durch den Investor wird im Sinne einer nachhaltigen Nachfolgelösung vertraglich festgelegt, hat aber zu Beginn für keinen der beiden Vertragspartner Priorität. Von einer solch vorausschauenden, langfristigen Lösung profitiert das ganze Unternehmen. Neben der neugewonnen strategischen Expertise bietet die Nachfolgeregelung auch mehr Arbeitsplatzsicherheit für alle Angestellten. Zudem entsteht ein noch dynamischeres Umfeld, im dem auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden können. 

Gut für den Werkplatz Schweiz

Werden alle in diesem Beitrag genannten Punkte frühzeitig berücksichtigt, steht einer nachhaltigen Übergabe zum Wohle der Firma nichts mehr im Weg. Allfällige Herausforderungen und Hürden können in Ruhe gemeistert werden, ohne dass die übrigen Aufgaben des Geschäftsführers darunter leiden. Sobald sich der Unternehmer dann definitiv aus der eigenen Firma zurückziehen und sich neuen ­Herausforderungen stellen möchte, sind alle nötigen Vorkehrungen getroffen. Er kann sein Lebenswerk reibungslos an die schrittweise eingeführte Nachfolge übergeben und seine übrigen Anteile gemäss dem ursprünglichen Vertrag verkaufen. Sind KMU-Verantwortliche für die Wichtigkeit dieses Themas sensibilisiert und kennen ihre Möglichkeiten im Bereich Nachfolgeregelung, stärkt dies den Werkplatz Schweiz, sichert bestehende Arbeitsplätze und schafft neue.

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