Finanzen & Vorsorge

Börsenradar

Börse trotzt allen Widrigkeiten

Kaufen, Halten oder Verkaufen – ein speziell auf den Schweizer Aktienmarkt ausgerichtetes Analysesystem prüft auf Basis von fünf Einzelsignalen, in welche Richtung der Börsenradar ausschlägt.
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Trotz der hohen US-Importzölle für Schweizer Waren hat sich die Schweizer Börse in den beiden statistisch schlechtesten Börsenmonaten August und September bisher sehr gut halten können. Im Einklang mit unserem Analysesystem hat der SMI seit August 4,5 % zugelegt und notiert zu Redaktionsschluss wieder bei über 12 000 Punkten. Auch wenn sich das bis Ende Oktober, wenn dann die starke Börsensaison beginnen wird, schnell wieder ändern kann, zeigt sich doch, dass die Stimmung am Markt noch immer ungebrochen ist. Sinkende Notenbankzinsen und eine stabile Konjunktur verdrängen bisher alle Bedenken über zukünftige Risiken. Und das entscheidende Risiko für den Aktienmarkt sind nicht die Zinsen oder Schuldenquoten und auch nicht mögliche Überbewertungen von Aktien. Es ist einmal mehr die Konjunktur, die Sorgen bereitet. 

Da die USA offenbar nicht mehr bereit sind, ohne Weiteres die Exporte des Globus aufzunehmen und der «Endkonsument der Welt» zu sein, fragt man sich, wer diese Nachfragelücke füllen soll.Aber freilich darf man als Anleger nun erst einmal abwarten, wie stark die Auswirkungen der neuen US-Zollpolitik auf die Konjunktur und den Aktienmarkt tatsächlich sein werden – insbesondere in den USA selbst. Bisher ist dort noch nicht allzu viel geschehen. Zu viele Vorzieh- und Einmal-Effekte lassen noch keine sichere Bewertung zu. Selbst die Wirkung der erwarteten US-­Leitzinssenkung ist ungewiss; grundsätzlich gilt aber die Faustregel: Sinkende Leitzinsen bei einer anziehenden Konjunktur sind gut für Aktien, sinkende Leitzinsen aufgrund schwacher Konjunktur werden bestenfalls verhalten aufgenommen.  

1. Zinssignale: Positiv

Es gilt der Grundsatz: Sinkende Zinsen sind gut für Aktien, steigende Zinsen schlecht. So steht es in den Lehrbüchern. Allerdings sind längerfristig sinkende Zinsen auch ein starkes Indiz dafür, dass zu wenig investiert wird, insbesondere von den Unternehmen – ein Risiko für die zukünftigen Gewinnerwartungen. In kurzfristigerer Perspektive, die für die Börsianer entscheidender ist, rentieren die 10-jährigen Schweizer Obligationen derzeit bei nur noch 0,19  %. Aktien bieten also weiterhin eine viel höhere Dividendenrendite!

2. Der Saisoneffekt: Negativ

Statistisch lässt sich zweifelsfrei belegen, dass die Monate Mai bis Oktober im Durchschnitt eine wesentlich schlechtere Performance am Aktienmarkt aufweisen als die Monate November bis April. 

3. Die Anzahl der Schweizer Aktien mit 9-Monats-Hochs und -Tiefs: Neutral

Unsere Liste der 64 meistgehandelten schwei­zerischen Aktien zeigte zum letzten Stichtag am 5. September erneut ein neutrales Bild: Vier Aktien meldeten trotz Saison und US-Zöllen ein 9-Monats-Hoch (Huber & Suhner, Flughafen Zürich, ABB und Novartis); doch ebenso verzeichneten vier Aktien ein 9-Monats-Tief (DKSH Holding, Sika, Oerlikon und Rieter). Da unser Indikator bereits zur letzten Ausgabe ein nur unentschiedenes Ergebnis präsentieren konnte, können wir den kurzfristigen, breiteren Trend an der Schweizer Börse nunmehr einzig als neutral kennzeichnen.

4. Der SMI-Index: Positiv

Der SMI-Index hat seit August zulegen können. Zum Stichtag 5.9. lag er mit 12 371 Punkten um 10 % über seinem tiefsten April-Wert von 11 240 Zählern. Der Trend des SMI ist also noch ungebrochen!

5. Der Banken-Index: Positiv

Der Banken-Index setzt sich aus 10 wichtigen Grossbanken aus aller Welt zusammen; auch die UBS ist im Banken-Index enthalten. Der Aufwärtstrend ist intakt, auch wenn unser Index zuletzt ein wenig nachgegeben hat. Die Banken-Branche bleibt weltweit zuversichtlich.

6. Summe der fünf Signale: 4:1 positiv

Unsere 9-Monats-Hoch-Tief-Methode ist zwar genau genommen weder positiv noch negativ und zeigt damit im Vergleich zu den positiven Vormonaten eine leichte Schwäche. Dennoch überwiegen die 9-Monats-Tiefs ja noch nicht, und wir belassen den Stand unserer Systeme daher bei 4:1; unser Börsenradar gäbe ohnehin noch grünes Licht. 

Es zeigt sich jedenfalls, dass die Schweizer Börse erstaunlich widerstandsfähig ist und in Zeiten von Unsicherheit die grossen Standardwerte stets bevorzugt werden. Kleine und besonders marktenge Werte empfehlen sich während der kritischen Sommerperiode ohnehin nicht. Unser Börsenradar gibt noch immer kein Warnsignal, sodass man auch nahende Kursschwankungen oder Korrekturen wohl gut aussitzen kann.

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