Beginnen wir mit einem kleinen Ausflug in die Psychologie, genauer zur Paarsymbiose. Entschliessen sich zwei Menschen, ihr Leben gemeinsam zu verbringen, beginnt ein Prozess der Annäherung. Und je länger zwei Menschen zusammen sind, desto ähnlicher werden sie einander. Die Zweisamkeit färbt also ab, äusserlich wie innerlich, im Denken, Fühlen und Handeln, möglich ist das sogar in Bezug auf die Gesundheit. Fakt oder Fake? Nun, der US-Sozialpsychologe Robert Zajonc hat zu diesem Thema geforscht und bestätigt in seiner Studie «Convergence in the physical appearance of spouses. Motivation and Emotion» (1987) den Wahrheitsgehalt.
Mit dem Beispiel Paarsymbiose nähern wir uns dem Phänomen der Konvergenz. Der Wortursprung geht auf das Lateinische zurück und bedeutet Annäherung, frei übersetzt auch Zusammenführung. Ob Mathematik, Evolutionstheorie, Biologie, Psychologie oder Medien – kaum ein Forschungsfeld bleibt von wissenschaftlichen Theorien dazu unberührt. Uns interessieren an dieser Stelle die Aspekte der technologischen und wirtschaftlichen Konvergenz, das heisst die Prozesse, bei denen unterschiedliche Technologien, Branchen oder Dienstleistungen zusammenwachsen und sich gegenseitig beeinflussen.
Ein elementarer Treiber dieses globalen Megatrends ist KI, die intelligente Vernetzung ermöglicht. In einer konvergierenden Welt, in der Daten aus unterschiedlichen Sektoren zusammenfliessen, kann sie diese Daten integrieren und damit die Basis für wertvolle Erkenntnisse legen, Muster erkennen, Trends vorhersagen und datengestützte Entscheidungen treffen. Mit fortschrittlicheren Algorithmen und maschinellem Lernen wird KI in der Lage sein, komplexe Szenarien zu simulieren und Unternehmen bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen. Allerdings: Um die Vorteile dieser neuen digitalen Welt zu nutzen, bedarf es grosser Anstrengungen und auch Investitionen. Wesentliche Grundvoraussetzung für Konvergenz ist eine durchgängige Digitalisierung sowie Standardisierung und Homogenisierung der zugrunde liegenden Technologien. Und mit der zunehmenden Digitalisierung steigt das Risiko von Cyberangriffen und Datenlecks. Unternehmen müssen also sicherstellen, dass sie über robuste Sicherheitsmassnahmen verfügen. Zudem ist absehbar, dass eine übermässige Abhängigkeit von digitalen Technologien entsteht. KMU sollten daher über Notfallpläne verfügen.
P.S.: Mehr zum Thema Digitalisierung und künstliche Intelligenz in der Ausgabe Nr. 04–05.