Digitalisierung & Transformation

Nachhaltigkeit

Wie Smart Home Energie sparen kann

Wegen steigender Energiepreise und einer potenziell eintretenden Stromknappheit kursieren eine ganz Reihe «schlauer» Tipps, wie diesen zu begegnen sei. Wie Smart Home auch in Unternehmen dazu beitragen kann, zeigt dieser Beitrag.
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Wer kennt die Situation nicht? Ganze Strassenzüge, Schaufenster und Büroräumlichkeiten sind hell erleuchtet, obwohl weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist. Unzählige Stockwerke sind noch hell erleuchtet, obwohl längst niemand mehr arbeitet. Nebst dem Licht, das unnötigerweise noch brennt, ist auch eine Vielzahl an Monitoren, PCs, Medienanlagen und Druckern oft noch eingeschaltet. Diese unnötige Energieverschwendung verursacht hohe Kosten, da die Energiepreise, je nach Region, aufgrund der Energiekrise teils stark gestiegen sind. Diese Problematik könnte man aber mittels Smart Home intelligenter, also smarter ­lösen. 

Im August dieses Jahres lancierte der Bundesrat die Kampagne «Energie ist knapp. Verschwenden wir sie nicht». Die Kam­pagne definiert allgemeine Massnahmen, wie die Wirtschaft und die Bevölkerung Strom und Energie einsparen können.

Die Sparempfehlungen zeigen auf, wie man zuhause und am Arbeitsplatz ganz einfach Energie, Gas, Heizöl, Strom und andere Energieträger, sparen kann: durch Absenken der Heiztemperatur, durch ­weniger Warmwasserverbrauch, durch das Abschalten von nicht verwendeten elektrischen Geräten oder Beleuchtung und durch energiesparendes Kochen und Backen.

Leider wird mit keinem Wort erwähnt, dass mit einem smarten Einsatz durchaus noch mehr Sparpotenzial vorhanden ist. Smart Home macht das Unternehmen oder das persönliche Zuhause nicht wirklich intelligent, so wie wir im allgemeinen menschliche Intelligenz definieren, aber dieser Ansatz kann dennoch viele Vorteile bieten.

Nutzen von Smart Home

Smart Home ist ein Teilbereich der Digi­talisierung und entstand aus der Mög­lich­keit heraus, einzelne Geräte mit dem Com­puter oder dem Smartphone steuern zu ­können. Jedoch erst das Verbinden ­dieser ­Geräte untereinander und mit dem In­ternet macht das Home smart. Geräte und Sensoren zu verbinden, kennt man auch unter dem Begriff «Internet of Things», kurz IoT. Wie eingangs erwähnt, kann die intelligente Vernetzung das Wohnen und auch die Unternehmung sicherer wie auch komfortabler machen und zusätzlich helfen, Energie einzusparen. Die folgenden Beispiele illustrieren, welche Vorteile Smart Home bieten kann:
 
Komfort: Lichter werden automatisch auf ein angenehmes Level gedimmt oder ganz ausgeschaltet. Die Rollläden fahren zu einem definierten Zeitpunkt morgens von allein hoch, um das Sonnenlicht hereinzulassen. An heissen Tagen wird die Markise automatisch heruntergefahren, damit die Terrasse beschattet wird, und fährt bei zu viel Wind oder bei Regen ­automatisch wieder hoch.

Sicherheit: Ein smarter CO2- und Rauch­melder führt bestimmte Aktionen aus, sobald ein Schwellwert überschritten wird. Diese Aktion kann eine Push-Nachricht mit Aufforderung zum Lüften oder direkt eine Alarmauslösung an die Feuerwehr sein. Eine mit Bewegungssensor kombinierte Kamera überwacht die Laderam­pe und zeichnet nur Bildmaterial auf, ­sobald Bewegung erkannt wird, und meldet dies direkt auf das Smartphone.

Hausarbeit: Saugroboter putzen die Fussböden nach definiertem Zeitplan, ­Bewässerungsanlagen versorgen den Garten mit dem notwendigen Wasser, dank der Messung des Wassergehalts im Boden.

Unterhaltung: Das Smart Home lässt sich auch so programmieren, dass auf Knopfdruck ein Zusammenspiel vernetzter Geräte abgerufen werden kann. So kann zum Beispiel mit einem bestimmten Befehl gleichzeitig die Jalousie geschlossen sowie der Raum abgedunkelt werden und der Beamer spielt die vorbereitete Firmenpräsentation ab.
 
Energie sparen: Wenn die letzte Person das Gebäude verlässt, löscht das Licht automatisch. Dies kann abends nach Feierabend sein, aber auch tagsüber, weil alle Mitarbeitenden im Aussendienst unterwegs sind. Die Rollläden fahren abends herunter und lassen die Wärme nicht über das Fenster entweichen. Die Com­puter und Monitore werden zu einem bestimmten Zeitpunkt komplett ausgeschaltet. Geräte, wie Drucker oder die Wlan-Bridge, welche zur Erweiterung des Netz­werkes dienen, werden über den smarten Stromstecker, dem sogenannten «Smart Plug», ganz ausgeschaltet. 

Die Raumtemperatur wird über einen digitalen Thermostaten so programmiert, dass er den Raum gemäss dem hinterlegten Kalender nur heizt, wenn der Raum auch genutzt werden soll.

Energie-Einsparungen 

Ein Smart Home für die Unternehmung oder das Zuhause einzurichten, ist verhältnismässig kostengünstig. Ein Smartphone und ein Netzwerk sind Voraus­setzung für das Smart Home. Apple und Android von Google bieten integrierte Software an. Es muss somit keine zu­sätzliche Software gekauft werden. Zur ­Steuerung von Licht, Verbrauchergeräten und Wärme benötigt es smarthomefähige Steuerungseinheiten, die sogenannten Bridges, smarte Lampen, smarte Stecker und smarte Thermostaten. Natürlich kann man auch kostengünstiger Strom sparen, indem man eine Zeitschaltuhr oder einen Stecker mit Schalter kauft. Dieser Ansatz wird aber nicht als Smart-Home-Lösung definiert, da dieser den Aspekt der Ver­netzung, situativen Adaption und somit des Komfortgewinns nicht beinhaltet.

Licht: Mit herkömmlichen LED-Lampen sind Stromeinsparungen von bis zu 80 % möglich. Mit smarten LED-Lampen sind zusätzliche Einsparungen möglich, da smarte LEDs durch Bewegungsmelder oder Zeitpläne nur dann leuchten, wenn sie auch gebraucht werden.

Verbrauchergeräte: Ein durchschnittlicher Computer mit Monitor ­benötigt zirka 60 Watt und hat einen Strom­verbrauch von etwa 1/2 kWh pro ­Arbeitstag. Ein Laptop benötigt ca. die Hälfte an Strom. Ein Laserdrucker verbraucht mehr kWh, da er beim Drucken ein ho­he Betriebstemperatur benötigt. Durch Smart Plugs wird nach Zeitplan oder auch Bewegungsmelder sichergestellt, dass die Geräte nur laufen, wenn sie benötigt werden. Weiter können auch die Beamer, Kaffeemaschinen, Getränkekühler und alle weiteren elektronischen Geräte in das Smart-Home-System ein­gebunden werden.

Wärme: Wärme zu erzeugen, verbraucht viel Energie. Ein Anbieter von smarten Thermostaten für die Heizung errechnet eine Energieeinsparung von bis zu 37 Prozent durch den Einsatz ihrer Produkte. Angesichts der steigenden Energiepreise gibt es einfache und intelligente Lösungen, mit denen der Heizverbrauch gesenkt und der Komfort erhöht werden kann.

Bei Stromknappheit

Wenn mit den Empfehlungen des Bundes und den erweiterten Möglichkeiten aus dem Smart Home die notwendigen Einsparungen an Strom nicht erreicht werden können, braucht es weitergehende Massnahmen. Alle nicht benötigten Geräte auszustecken, wäre dann sicher der nächste notwendige Schritt. Noch besser wäre es, auf Homeoffice umzustellen. Dies würde bedeuten, dass die Mitarbeitenden, wie in Zeiten der Pandemie, wieder von zuhause aus arbei­teten. Diese Massnahme ist nicht für alle Berufe oder Branchen gleich gut geeignet, aber diese Möglichkeit wurde in der Schweiz flächendeckend in den vergangenen Jahren in vielen Unternehmungen eingeführt und wäre sofort umsetzbar. Gebäude und Büroräumlichkeiten müss­ten kaum geheizt werden, es würde kein Licht brennen und vor Ort würden keine elektronischen Geräte Strom be­nötigen. Diese Massnahme spart am meisten Energie. 

Zukünftige Lösungen

Dass die Schweiz für die eigene Strom­versorgung vom Ausland abhängig ist, zeigt die aktuelle Situation schonungslos auf. Kann Smart Home die Lösung sein? Die Stromeinsparungen werden nicht ­reichen. Smart Home kann aber Teil der Lösung sein. In der Schweiz gibt es rund 2,75 Millionen Gebäude. Würde jede Wohnung, jedes Haus, jeder Bürokomplex sich die Vorteile von Strom sparen durch Smart Home zu Nutze machen, gäbe es durchaus einen relevanten Anteil auf den gesamtschweizerischen Stromverbrauch. 

Im Gegensatz zu den Empfehlungen des Stromsparmassnahmenpakets des Bundes ist das Energiesparen durch Smart Home nachhaltig. Zum Beispiel wird sich das von der Kampagne empfohlene «kürzere Duschen» kaum nachhaltig in der Bevölkerung etablieren. Es braucht somit mehr Massnahmen, wie den Zu- oder Ausbau von Kraftwerken wie die Solarenergie, Windenergie. Auch ein Smart Grid, welches den Fokus auf regelungstechnische Steuerung im Stromnetz legt, um die Auslastung der vorhandenen Infrastruktur zu verbessern. Künftige Elektroautos werden als riesige virtuelle Batterie bei Überproduktion den Strom speichern und bei Bedarf wieder an das Netz abgeben. Diese nicht abschliessende Liste an Massnahmen lässt den Schluss zu, dass die Lösung so oder so smart sein muss.

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