Digitalisierung & Transformation

Digitalisierung / IT-Sicherheit VII

Warum Datenkompetenz zu einer Schlüsselqualifikation wird

Daten haben einen massgeblichen Einfluss auf den Erfolg von Unternehmen. Zusammen mit datenbasierten Entscheidungen rückt damit für Unternehmen die Datenkompetenz ihrer Mitarbeitenden immer mehr in den Fokus.
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In unserer datengetriebenen Welt er­stellen, nutzen und teilen wir jeden Tag Da­t­en – von Geräten und Sensoren bis hin zu Arbeitsabläufen und Systemen. Durchschnittlich generiert jede Person 1,7 MB an Daten pro Sekunde. Stetig gibt es mehr Daten als je zuvor. Aus diesen können wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden. Auf der anderen Seite richten Fehlinformationen, sogenannte Fake News, einen beträchtlichen Schaden an. Schätzungen für das Jahr 2019 haben ergeben, dass weltweit ein Schaden von 78 Milliarden US-Dollar durch Fehlinformationen entstand. Abseits von absichtlich verbreiteten Fehlinformationen liegt der Schlüssel zwischen wirtschaftlichem Nutzen oder Schaden darin, Daten kompetent und kritisch zu bewerten. Für Unternehmen wird es zunehmend wichtiger, eine datenkompetente Belegschaft aufzubauen.

Elemente der Datenkompetenz  

Datenkompetenz ist zum einen die Fä­higkeit, Daten zu lesen, mit ihnen arbeiten, kommunizieren und sie analysieren zu können. Ein datenkompetenter Mit­arbeiter kann aus Daten und Datenanalysen neue Erkenntnisse gewinnen und aus diesen weiteren Entscheidungen ableiten. Fehlinformationen und fehlgeleitete Entscheidungen werden an dieser Stelle verhindert, denn die Datengrundlage sowie die darauf basierende Analyse werden kompetent verstanden. 

Zum anderen umfasst Datenkompetenz die Denkweise einer Person. Hier geht es um die Ansichten und Überzeugungen der Mitarbeitenden. Diese sollten Daten nicht nur analysieren können. Sie sollten ebenso offen sein für neue Perspektiven.

Es ist jedoch ein Irrtum, dass Datenkompetenz ein fester Bausatz an Fähigkeiten ist. Das Gegenteil ist der Fall: Die Bandbreite und das Niveau der für den Einzelnen erforderlichen Fähigkeiten variiert je nach Rolle, dem Bereich, der Branche, der Grösse des Unternehmens und sogar der Phase einer Karriere.

Ebenso gibt es organisatorische Komponenten, die erforderlich sind, um datengestützte Entscheidungen zu treffen. Unternehmen benötigen die richtige ­Kultur, organisatorische Prozesse sowie Tools und Technologien, um einen datengestützten Betrieb zu schaffen. Denn letztendlich ist eine datenkompetente Belegschaft die Grundlage für ein datengestütztes Unternehmen.

Mitarbeiter qualifizieren

Viele Unternehmen arbeiten nach wie vor aus dem Homeoffice oder hybrid oder stellen ihr Arbeitsmodell sogar dauerhaft auf hybrides Arbeiten um. Die Learning-by-Doing-Herangehensweise, bei der Kollegen einander über die Schulter schauen und so zentrale Kompetenzen erlangen, ist kaum mehr möglich. Um dies zu kompensieren, sollte mehr Zeit für strukturierte Schulungen eingeplant werden, im Büro oder online.

Wir haben herausgefunden, dass ein bis zwei Stunden Schulungen online oder in persona pro Woche über einen Zeitraum von zwei Monaten ausreichen, um Mit­arbeitende wirksam weiter zu qualifi­zieren. So kann die Belegschaft effektiv Datenkompetenz erlernen, ohne dass der Betrieb unterbrochen werden muss.

Die Mitarbeitenden können anschlies­send bereits Daten und Analysen in ­ihre Arbeitsabläufe integrieren, sodass sie die neuen Fähigkeiten festigen und deren Vorteile nutzen können. Teams, die zuvor Daten von anderen Einheiten oder Datenbanken angefragt haben, können sich Informationen nun selbst beschaffen und Analysen auf das jeweilige Problem anwenden.

Ein grosser Vorteil ist es, wenn den neu geschulten Mitarbeitenden erfahrene Datenexperten zur Seite stehen, um komplexe Abfragen und Analysen zu unterstützen. Durch dieses Feedback wird nicht nur Wissen gefestigt, sondern auch sichergestellt, dass Analysen auf einer guten Datengrundlage basieren. Fehl­informationen kann so frühzeitig entge­gengewirkt werden.

Ein HR-Faktor

Der Fachkräftemangel stellt Unternehmen schon seit einigen Jahren vor g­r­o­s­­se Herausforderungen. In der Coronakrise trat ein weiteres Phänomen auf – die ­sogenannte Great Resignation. Sie beschreibt den Trend, dass Angestellte ihre aktuelle Position hinterfragen und nicht nur die Stelle, sondern mitunter die Branche wechseln.

Die Belegschaften wandeln sich und es zeigt sich, dass Datenkompetenz eine zentrale Fähigkeit für aktuelle und künftige Mitarbeitende ist. Auch bei der Personalrekrutierung spielt Datenkompetenz eine wichtige Rolle: Personaler sollten sich nicht nur auf die Analyse der Zeugnisse verlassen, sondern auch auf Soft Skills wie Neugier, Kreativität, Kommunikation, Lernbereitschaft und Zusammenarbeit achten. Diese Fähigkeiten sind oft zentrale Indikatoren für den Erfolg in einem datengetriebenen Unternehmen. Datenkompetente HR-Teams können diese Kompetenzen etwa über eine Schlüsselwortsuche filtern.

Die Kosteneffizienz verbessern

Daten müssen bei der Verarbeitung maximal aktuell sein. Wenn dies nicht der Fall ist, wirkt sich das negativ auf die ­Kosteneffizienz eines Unternehmens aus. Nur wenn Mitarbeitende schnell und transparent Zugriff auf Daten aus der Wertschöpfungskette haben, können sie die besten Entscheidungen für das Unternehmen treffen.

Dieses Ziel hatte sich auch das Unter­nehmen H. & J. Brüggen KG aus Lübeck gesetzt. Die Brüggen KG stellt Cerealien-Produkte für Märkte in mehr als 90 Ländern her. Bestände, Produktion und Lager sollten standortübergreifend koordiniert werden. Um dies umzusetzen, implementierte das Unternehmen eine Datenanalyse-Software von Qlik. Das neue Tool sollte Verbesserungspotenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette sichtbar machen.

Daten verschiedener Quellen können nun auf einer Plattform dargestellt und analysiert werden. Für das Unternehmen bedeutete dies einen grossen Schritt zur Optimierung der Wertschöpfungskette. Seit der Implementierung im Jahr 2018 konnte Brüggen bereits über 300 000 Euro einsparen. Auch in der Coronakrise war die Datenanalyse eine grosse Hilfe. So konnte das Team schnell und angemessen auf Lieferschwierig­keiten reagieren.

Datenanalyse in Echtzeit wird zu einem wichtigen Faktor, um sich auf dem Markt behaupten zu können. Für Brüggen spiel­te noch ein zweiter Faktor eine wichtige Rolle: die Datenkompetenz. Damit Mitarbeitende kompetente Entscheidungen auf Basis der Datenanalyse treffen können, müssen sie den Hintergrund dieser Analysen verstehen, um Fehlinformationen vorzubeugen.

Das Zeitalter der Daten bietet für Unternehmen viele Vorteile. Dank der umfassenden Analysemöglichkeiten gewinnen sie neue Einsichten und können somit schnell und kompetent auf neue Anfor­derungen des Marktes reagieren. Dabei ist es allerdings auch wichtig, Falsch­informationen vorzubeugen, denn diese können mitunter schwere wirtschaftliche Auswirkungen haben. Unternehmen, die ihren Angestellten Datenkompetenz vermitteln, können dem entgegenwirken und alle Vorteile der Business Intelligence nutzen.