Für die von Expertsuisse, dem Schweizer Expertenverband für Wirtschaftsprüfung, Steuern und Treuhand, durchgeführte Digitalisierungsstudie 2021/2022 wurden im Zeitraum vom 8. Mai 2021 bis 24. März 2022 total 878 Unternehmen befragt. Dazu zählten nicht nur 488 Unternehmen der Treuhandbranche, sondern erstmals auch 390 Unternehmen aus 15 Kantonen der Nachfrageseite, bestehend aus potenziellen und aktuellen Kunden.
Der Status der digitalen Transformation der Branche wurde erstmals 2017 in einer Digitalisierungsstudie von Expertsuisse dokumentiert. Festgestellt werden konnte damals, dass insbesondere grössere Unternehmen begonnen hatten, die Finanzprozesse zu digitalisieren, und dass der grösste Digitalisierungsdruck vom Thema Buchführung ausging. 2019 erschien die zweite Auflage der Studie. Sie führte zur Kernerkenntnis, dass vor allem grössere Branchenunternehmen die Chancen der Digitalisierung dazu nutzen, ihr Dienstleistungsportfolio zu verbreitern und zu differenzieren. Eine weitere Erkenntnis der Studie war, dass die digitale Transformation nicht disruptiv verläuft, sondern evolutionär und schrittweise. Die neuste Studie wird im Oktober vollständig in der Fachzeitschrift «Expert Focus» von Expertsuisse publiziert.
Starke analoge Kundschaft
Gemäss den Ergebnissen der dritten und neusten Durchführung der Studie werden von der Treuhandbranche mehr als die Hälfte (54 %) aller Finanzprozesse der Kundschaft bereits in irgendeiner Form digital abgewickelt (siehe Abb. 1). Als Finanzprozess wird definiert: Budgetierung, Fakturierung, Inkasso / Mahnwesen, Rechnungseingang/-visierung/-zahlungen, Lohnwesen, Buchführung, Controlling, Jahresabschluss, Steuerabrechnung (inklusive Mehrwertsteuer). Die Nachfrageseite, das heisst sowohl potenzielle als auch bestehende Kundschaft, sieht sich mit 84 Prozent deutlich digitaler aufgestellt. Das heisst, die Treuhandbranche bedient heute eine breite Kundschaft (46 %) mit hauptsächlich analog abgewickelten Prozessen im Bereich Finanzen und Buchhaltung.
Mit Blick auf die Weiterentwicklung der digitalen Finanzprozesse in den nächsten fünf Jahren zeigt sich eine unterschiedliche Einschätzung der Situation. Während die Branchenunternehmen wie auch die Nachfrageseite von einem wachsenden Digitalisierungstrend ausgehen, besteht über die Geschwindigkeit ein sehr abweichendes Bild. Die Unternehmen der Nachfrageseite gehen davon aus, dass bis in fünf Jahren knapp die Hälfte (45%) die Finanzprozesse digitalisieren wird, die Treuhandbranche sieht lediglich 28 Prozent ihrer Mandate als komplett digital abzuwickeln an.
Das besagt, dass auch in fünf Jahren noch immer eine nicht zu vernachlässigende Anzahl von Mandaten in traditioneller und analoger Weise abgewickelt werden. Es stellt sich die Frage, ob dieser Nischenmarkt für Treuhandunternehmen, welche ihren Fokus auf traditionell abgewickelte Mandate legen, auch langfristig gross genug sein wird.



