Digitalisierung & Transformation

Kommentar & Meinung

Einkaufsmanager benötigen mehr digitales Know-how

Die Handelsbeziehungen zwischen Schweizer Unternehmen verlaufen zunehmend über digitale Kanäle, Beschaffungsprozesse können zunehmend automatisiert werden. Die Rolle der Einkaufsmanager ändert sich damit dramatisch.
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Der Mensch bleibt bei den Handelsbeziehungen zwischen Unternehmen zwar ein wichtiger Faktor, jedoch ändert sich das Berufsbild des klas­sischen Einkäufers im Zuge der Digitalisierung enorm. Heute führen die Unternehmen für ihr Beschaffungsmanagement eigene Datenbanken mit Lieferanten und Produkten. Im Zuge der Digita­lisie­rung können die Informationen automatisch etwa mit den Datenbanken von Online-B2B-Plattformen wie wlw («Wer liefert was») oder Euro­pages abgeglichen werden. Die beiden Plattformen sind darauf ausgerichtet, nicht nur die Märkte mit ihren Teilnehmern abzubilden, sondern auch sämtliche verfügbaren Produkte. Die B2B-Plattformen gehören zum Unternehmen Visable, das ein breit gefächertes digitales Portfolio zur Reichweiten-Steigerung im Internet anbietet. Sobald der Datenbestand von Online-Marktplätzen gross genug ist, lässt sich damit der gesamte Beschaffungs­prozess digitalisieren. So bestimmt in einer Fir-ma irgendwann nicht mehr der Einkäufer, wann bei einem Produkt Bedarf entsteht, sondern die Produktionsmaschinen bestellen dieses autark nach.

Mehr digitale Kompetenzen gefordert

Die Digitalisierung führt dazu, dass sich das ­Anforderungsprofil der klassischen Einkaufsfunktion verändert. Datenabgleiche und digitale Kompetenz werden zunehmend gefordert sein und führen zu einer gestiegenen Bedeutung der Rolle des Einkäufers einerseits, aber auch zu ­einem gestiegenen Bedarf an ständiger Weiter­bildung. Die Änderung der Rolle der Einkäufer zeichnet sich schon seit einiger Zeit ab. 

Bereits ­in einer Umfrage von wlw und der Kloepfel Group von 2018 haben über die Hälfte (53 %) von 1413 befragten Einkaufsmanagern angegeben, dass die Automatisierung der Fertigungskette (Supply Chain) den grössten Einfluss auf die Veränderung des Berufsbildes des Einkäufers hat. 

Auf Platz zwei landete mit 14 Prozent der Einsatz von künstlicher Intelligenz. Augmented und Virtual Reality empfanden nur 2 Prozent als nennenswerte Technologien für den Einkauf. Auch Chatbots spielen im Einkauf künftig für fast niemanden (0,78 %) eine wichtige Rolle. Die Hälfte der befragten Einkäufer aus der Schweiz, Deutschland und Österreich sahen die fortschreitende Digitalisierung zudem nicht als Jobvernichter.

In Zeiten von digitaler Vernetzung, zunehmendem Innovationsdruck und einer extrem hohen Entwicklungsgeschwindigkeit müssen sich Einkaufsmanager neuen Technologien öffnen und anpassen, um Schritt zu halten. Mit der fortschreitenden Digitalisierung des Einkaufs nimmt dieser Bereich eine Schlüsselrolle ein.

Corona brachte Digitalisierungs-Schub

Bei der Digitalisierung der Arbeit von professionellen Einkäufern hat die Corona-Pandemie wie ein Katalysator gewirkt. Visable konnte auf den Plattformen wlw und Europages ab Ausbruch der Pandemie eine massive Steigerung der Zugriffe beobachten. Insbesondere in Anbetracht wegbrechender Lieferketten haben Einkäufer die Plattformen intensiver genutzt, um kurzfristig neue Lieferanten zu finden. Im Schnitt wuchs der Traffic 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent an – ein Trend, der sich auch 2021 fortsetzt.

Visable hat während der Pandemie mehrere Umfragen unter Schweizer KMU durchgeführt. Es hat sich gezeigt, dass digitale Tools ganz grundsätzlich eine wichtige Hilfe bei der Bewältigung der Pandemie waren. Zum Beispiel Cloud-Systeme, Webinare oder digitale Plattformen für das Finden von Lieferanten. Corona hat dazu bei­getragen, dass die Digitalisierung bei Schweizer KMU einen Schub erlebt hat. Das betrifft auch den Vertrieb und das Marketing: Immer mehr ­Unternehmen nutzen die Möglichkeit, ihr Angebot auf Online-Plattformen zu präsentieren.

Stationäre Messen ein Auslaufmodell

Die zunehmende Digitalisierung der Handels­beziehungen führt auch zu einem Rückgang der Bedeutung von stationären Messen. In der Zeit vor der Pandemie stagnierten die Besucherzahlen vielfach bereits oder waren gar rückläufig. Die Krise führte zur Absage zahlreicher internationaler Leitmessen. Es ist fraglich, ob diese wieder im früheren Umfang stattfinden werden. 

Es ist anzunehmen, dass jede vierte Messe die nächsten zwei Jahre nicht überleben wird. Der personelle und finanzielle Aufwand steht in keinem gesunden Verhältnis zum Nutzen. Auch aus ökologischer Sicht ist es nicht mehr zeitgemäss, schwere Maschinen um die Welt zu transportieren, um sie für wenige Tage auf einer Leitmesse auszustellen. Die Corona-Pandemie hat gezeigt: Es geht auch digital.