Die Pandemie hatte auf Investitionen in die Bereitstellung von digitalen Lösungen durch Unternehmen eine beschleunigende Wirkung. Welche genau und in welchem Umfang, das wollte die IDC-Infobrief-Studie «From Digital Culture to Value Realisation» herausfinden. Im Rahmen des von Nutanix gesponserten Infobriefs wurden Führungskräfte in ganz EMEA befragt, aus branchengemischten Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden. Der Gesamtumfang der Stichprobe lag bei 500, davon waren 30 aus der Schweiz.
Laut Studie mussten 84 Prozent der IT-Entscheider und Führungskräfte in ganz EMEA unter Hochdruck digitale Transformationsstrategien (DX) umsetzen. Auch geben 90 Prozent der Unternehmen in EMEA an, dass für sie ein Digital-first-Ansatz zu einem Muss geworden ist. Die Pandemie stellte also gewissermassen einen «Point of no Return» für digitale Investitionen dar und beschleunigte die digitale Entwicklung vieler Unternehmen. Aber hat sich gleichzeitig auch die strategische Bedeutung von IT und digitalen Technologien in Unternehmen erhöht?
Katalysator für Wachstum
IDC geht davon aus, dass 2022 mehr als die Hälfte der weltweiten Wirtschaftskraft auf digitalen Lösungen basieren oder unter deren Einfluss stehen wird. Daraus folgern die Studienverfasser: Nicht nur Systeme müssen bei «digital first» überdacht werden, es braucht zudem auch eine andere Haltung in den Unternehmen. Insbesondere die Topmanager müssten ihre digitalen Technologien als Katalysator für künftiges Unternehmenswachstum begreifen.
Laut der Studie rangiert die Fähigkeit, digitale Investitionen in neue Einkommensquellen zu verwandeln, zusammen mit Daten und Innovationen für die Unternehmen in EMEA an oberster Stelle. Allerdings sind die Befragten der Überzeugung, dass die Verantwortung dafür nicht länger ausschliesslich auf den Schultern der IT-Abteilung lasten kann und vom Topmanagement insgesamt wahrgenommen werden muss. Weil sich weltweit immer mehr herauskristallisiert, was eine digitale Kultur, digitale Infrastruktur und Digital-first-Strategie für ein Unternehmen bedeuten, gilt dies umso mehr.
Umsatz (k)ein Ziel
Im Hinblick auf die zentralen Ergebnisse der Studie zeigt sich, dass mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen von sich aus sagen, über eine digitale Strategie zu verfügen. Trotzdem geben nur drei Prozent von ihnen an, dass ihre unternehmensweite digitale Strategie zu neuen Einnahmequellen geführt hat.
Dabei besteht allerdings eine deutliche Diskrepanz zwischen den Antworten der Fachabteilungen und der IT-Teams. So gibt fast jeder dritte Befragte mit Umsatzverantwortung an, dass sich seine digitalen Projekte in einem Pilotstadium mit Proofs-of-Concept (PoC) befinden. Demgegenüber sagen lediglich fünf Prozent der IT-Entscheider, dass ihre Unternehmen digitale Strategien mit dem Ziel entwickeln, neue Einnahmequellen zu unterstützen.
Strategien orchestrieren
Für die Studienteilnehmer liegt es auf der Hand, sich von hierarchischen Strukturen verabschieden und zu durchlässigeren und besser orchestrierten Ansätzen zwischen IT- und Führungsteams übergehen zu müssen. Nur so könne eine digitale Strategie Wirkung zeigen. Fast die Hälfte der Befragten gibt an, dass die Verantwortung für ihre DX-Initiativen in den Händen eines C-Level-Managers liegt, der nicht dem IT-Management angehört.
Auf die Frage, welche Massnahmen DX-Verantwortliche in Betracht ziehen, um die Unternehmenskultur effektiv zu transformieren, wurden die folgenden drei Antworten am höchsten bewertet: Förderung eines Bewusstseinswandels im Management, Neudefinition der Ziele und Bewertungen existierender und neuer Geschäftsfelder sowie Förderung von Verhaltensänderungen der gesamten Belegschaft durch die Neuformulierung des Unternehmenszwecks und der Handlungsleitlinien.
Säulen der digitalen Kultur
Laut der Studie kristallisieren sich drei zentrale Bereiche als tragende Säulen einer digitalen Kultur heraus. Um sie auszugestalten, muss das Topmanagement gemeinsam an einem Strang ziehen und die Cloud als Vorbild und Basistechnologie nutzen. Diese drei Kernbereiche lauten: ein betriebswirtschaftlich sinnvolles Modell für höhere Wertschöpfung, Daten als Innovationsmotor und der Arbeitsplatz der Zukunft.
Die Studienergebnisse stützen diesen Befund: So sind die Hälfte der Unternehmen in EMEA der Auffassung, dass zusätzliche Investitionen in gemanagte Infrastrukturen zu einer höheren digitalen Wertschöpfung beitragen können. 30 Prozent geben an, dass sie gemeinsam mit Kunden und Partnern neue Produkte entwickeln. Und 35 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass der ortsunabhängige Zugriff aller Beschäftigten auf Informationen und digitale Tools eine Herausforderung für den Arbeitsplatz der Zukunft darstellt.
Cloud-Wildwuchs
Die Studie zeigt jedoch auch deutlich, dass Unternehmen potenzielle Herausforderungen und Kosten einkalkulieren müssen, wenn sie mehrere Cloud-Instanzen betreiben. Eine zentrale Herausforderung für Unternehmen, die ihre Digitalisierungsreise angetreten haben, ist laut Studie, den Cloud-Wildwuchs zu beherrschen. Als Folge davon ergreifen Finanzabteilungen verstärkt Massnahmen, um die Ausgaben einzudämmen und die Cloud-Nutzung zu managen.
Dementsprechend haben 77 Prozent der befragten Unternehmen ihre Einkaufsprozesse umgestaltet und die Nutzung verbrauchsabhängiger Bezahlmodelle ermöglicht. 58 Prozent haben die Ausgaben von Fach- und Entwicklungsabteilungen für externe Cloud-Ressourcen optimiert, während 55 Prozent den Kostenaufwand für ihre Legacy-Systeme in der eigenen IT-Umgebung (also On-Premises) gesenkt haben.
Fazit
Kunden wollen nicht länger nur Infrastrukturlösungen, die sie dabei unterstützen, kurzfristig Kosten zu sparen. Vielmehr wollen sie Lösungen, die ihnen die Flexibilität bieten, verschiedene hybride Cloud-Umgebungen zu nutzen und dabei gleichzeitig die Betriebskosten auf lange Sicht zu senken. Genau wie Digital-first-Systeme eines kulturellen Wandels bedürfen, muss auch die Technologie runderneuert werden. In der Folge kann ein Unternehmen Innovationen entwickeln, mit Partnern zusammenarbeiten und neue Einnahmequellen ausloten.
Mit Blick auf die Zukunft werden diejenigen, die in Menschen investieren, Innovationen auf der Basis von Daten entwickeln und Prozesse automatisieren, über ein resilientes Geschäft verfügen, auf die das moderne Unternehmen angewiesen ist.