Im Metaverse können KMU beispielsweise virtuelle Schaufenster oder Markenbereiche einrichten und damit mit Kunden aus der ganzen Welt in Kontakt treten. Zudem können kleine und mittlere Unternehmen im Metaverse mit neuen Geschäftsmodellen und Einnahmequellen experimentieren, zum Beispiel mit virtuellen Waren und Dienstleistungen.
Metaverse gewinnt an Relevanz
Für KMU bedeutet dies jedoch nicht, dass sie direkt Unsummen in die Entwicklung einer eigenen Metaverse-Strategie investieren müssen. Vielmehr geht es darum, dass sie das Metaverse an sich verstehen müssen, um die Bedeutung für das eigene Geschäft einordnen zu können. Denn durch das Metaverse können für KMU nicht nur neue Einnahmequellen, sondern auch Effizienzgewinne entstehen, denn die reale Welt kann 1:1 abgebildet werden.
Zum Beispiel kann rein virtuell getestet werden, nach welcher Zeit ein neuer Fahrzeugtyp bei einer bestimmten Beanspruchung in die Werkstatt muss – ohne die Zeit für wirkliche Fahrten aufwenden zu müssen.
Zweifelsohne wird die ganze Welt immer digitaler. Es gibt digitale Konzerte, virtuelle Wohnungsbesichtigungen und Online-Dating – alles, was den sozialen Alltag des Menschen betrifft, gibt es mehr oder weniger differenziert auch schon in der digitalen Welt. Jede einzelne Neuerung, beginnend mit der Entwicklung des ersten Computers über die Erfindung des Internets hin zu der Schaffung von Social-Media-Plattformen braucht Zeit, um sich schliesslich durchzusetzen.
Doch an vielen Stellen tut sich bereits sehr viel. Die Online-Spieleplattform Roblox, auf der Spiele gespielt, aber auch Spiele und Inventar von Nutzern erstellt und auf der Plattform verkauft werden können, hat zum Beispiel monatlich über 164 Millionen aktive Spieler. Die Nutzung des Metaverses vor allem im sozialen Kontext gewinnt für viele Menschen zunehmend an Relevanz.
Auch deshalb kommt das «Social Metaverse» – einer der drei Metaverse-Typen neben dem «Workplace und Collaboration Metaverse» und dem «Industrial Metaverse» – der Vorstellung, die die meisten Menschen vom Metaverse haben, am nächsten: ein virtueller Raum, der die Realität nachbildet. Dazu gehören Aktivitäten wie der Kauf digitaler Kleidung, virtuelle Kurse und sogar digitales Dating. Es entsteht an der Schnittstelle von Videospielen, Social-Media-Plattformen und Mixed-Reality-Anwendungen.
Die gemischte Realität
Die gemischte Realität (MR) ergänzt unsere natürliche Wahrnehmung durch eine künstlich erzeugte und schafft so neue Möglichkeiten für Nutzer. Zum Beispiel können 3D-Hologramme im Sichtfeld der Nutzer eingeblendet werden. Vor allem die Spieleindustrie nutzt MR heute schon ausgiebig. Schweizer KMU sollten sich überlegen, wie Anwendungen im sozialen Metaverse ihr Geschäftsmodell in Zukunft beeinflussen könnten.
Ein gutes Beispiel für das «Social Metaverse» bietet Nike. Mit dem Nikeland in Roblox hat Nike seine eigene Web3-Plattform «swoosh» und sein eigenes Studio RTFKT. 21 Millionen Euro wurden in Nikeland investiert und 67 000 NFTs virtueller Sneaker und Clone-X-Avatare verkauft. NFTs stehen dabei für Non Fungible Tokens. Sie sind digitale Objekte, die einzigartig sind und in keiner Weise geändert oder ersetzt werden können. Dabei kann es sich um digitale Gemälde, Bilder, Sammelkarten, Videos oder eben auch um digitale Turnschuhe handeln.
Die digitale Zusammenarbeit
Mit dem «Workplace und Collaboration Metaverse» gewinnt auch die zweite Form des Metaverses zunehmend an Bedeutung, da die digitale Zusammenarbeit für Arbeitnehmer auf der ganzen Welt mehr und mehr zum Arbeitsalltag gehört. Das Workplace Metaverse baut auf diesen neuen Strukturen auf und bietet eine immersive 3D-Umgebung, in der sich die Mitarbeiter treffen und zusammenarbeiten können und die eine ansprechendere Erfahrung bietet als herkömmliche Videokonferenzen oder Meetings. Ausserdem bietet es eine Reihe von Tools, die den Austausch von Ideen erleichtern.
Auch heutzutage wird schon in Form von Augmented Reality (AR) über digitale Meetings etc. hinaus in einer Art kollaborativem Metaverse agiert. Bei dieser Form der Realität werden mithilfe von Datenbrillen virtuelle Darstellungen wie Texte oder Bilder, aber auch Videos in die reale Umgebung einer Person eingearbeitet. Dies kann bei Remote-Lösungen helfen: Ein Aussendienstmitarbeiter schaut durch die Brille auf das zu reparierende Objekt (zum Beispiel ein kaputtes Rohr).
Der Meister im Büro wiederum sieht diese Aufnahme im Büro viele Kilometer entfernt und kann Hinweise in das Sichtfeld des Handwerkers einzeichnen oder mit ihm direkt kommunizieren. Bei Fragen zu Produkten oder Bauanleitungen können sich Handwerker mithilfe von AR zudem auch direkt beim Hersteller melden und das Problem darüber direkt lösen – vielleicht mithilfe eines Erklärvideos.
Aber auch über diese besondere Form des Collaboration Metaverse hinaus bietet das Workplace Metaverse spannende Chancen für Unternehmen. So können traditionelle Formen digitaler Meetings überholt werden und ansprechendere Arbeitserlebnisse im Workplace entstehen. Teilnehmer können sich in der immersiven 3D-Umgebung des Metaverse austauschen und ihre Ideen leichter über eine Reihe von Tools miteinander teilen. Hierdurch werden auch viele Geschäftsreisen überflüssig, etwa dann, wenn Mitarbeitende aus der Schweiz eine Maschine in Asien montieren oder warten müssen. Statt eines Flugs, um vor Ort zu sein, können sie Prozesse aus der Schweiz heraus im Metaverse begleiten und die verantwortlichen Angestellten vor Ort unterstützen.
Industrial Metaverse
Hier schliesst sich mit dem «Industrial Metaverse» die dritte Form des neuen digitalen Raums an. Das «Industrielle Metaverse» ist ein Ort, an dem die physische und die virtuelle Welt zusammentreffen, wie zum Beispiel bei digitalen Zwillingen. Hier geht es darum, neue Möglichkeiten in der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technik zu entdecken und Produkte oder Prozesse zu optimieren, etwa in einer Fabrik. Durch digitale Technologien, KI und maschinelles Lernen lassen sich alle Prozesse genau simulieren, sodass Verbesserungspotenziale erkannt, umgesetzt und getestet werden können.
Auf diese Weise können Unternehmen auf effiziente Weise neue Erkenntnisse über ihre Produkte und Abläufe gewinnen, aber auch viel für die Nachhaltigkeit von Unternehmen bewirken. Bereits heute gelingt es, Simulationen zu entwickeln, die dabei helfen, den CO₂-Ausstoss zu verringern. Siemens hat dazu ein Konzept mit dem digitalen Zwilling entwickelt.
Dieser ermöglicht eine virtuelle Nachbildung eines existierenden Objekts und die Überprüfung aller für die Fertigung nötigen Schritte. Über die gesamte Lebensdauer des Produktes können Prozesse und Designs virtuell dargestellt und getestet werden. Das spart Zeit und schont gleichzeitig die Umwelt.
Fazit
KMU müssen derzeit nicht um jeden Preis grosse Summen in die mit dem Metaverse verbundenen Technologien investieren. Wichtiger ist es, die Gesamtentwicklung und die potenziellen Vorteile zu verstehen, die das Metaverse mit sich bringt. Wie bereits erwähnt, geht es um viel mehr als nur um Spiele und 3D-Brillen. Unternehmen können sich den Technologien schrittweise nähern, indem sie Anwendungen ausprobieren und sehen, wo das Metaverse in ihrem Unternehmen effektiv eingesetzt werden kann. Dafür empfiehlt sich ein dreistufiger Prozess: Exploration, Strategieentwicklung und Umsetzung durch Pilotprojekte.
Bei der Exploration geht es darum, die Chancen und Risiken anhand von Anwendungsfällen zu erfahren, während die Strategieentwicklung die Gelegenheit bietet, das eigene Geschäftsmodell anhand von Zukunftsszenarien zu überprüfen. Schliesslich wird die Strategie durch Pilotprojekte umgesetzt. Das Metaverse bietet eine grosse Chance, neue Technologien wie Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR), Künstliche Intelligenz (KI) und andere auszuprobieren und deren Nutzen für das eigene Unternehmen zu erkunden.