Digitalisierung & Transformation

Digitalisierung / IT-Sicherheit VI

Der Schweizer Zoll und seine digitale Transformation

Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) möchte seine Verwaltung fit für die ­digitale Zukunft machen. Mit dem Programm «DaziT» sollen bis 2026 sämtliche Zoll-, ­Abgaben- und Kontrollprozesse vereinfacht, optimiert und digitalisiert werden.
PDF Kaufen

Kaum ein Digitalisierungsprogramm beziehungsweise ein Prozess der Moder­nisierung im Bereich des Zolls ist so ­allumfassend und tiefgreifend wie die Trans­formation des Schweizer Zolls. Das Programm, das DaziT genannt wird, umfasst Massnahmen, die auf drei Ziele ­ausgerichtet sind: Digitalisierung, Kundennähe und Mobilität sowie Agilität und Reaktion. «DaziT» steht für «Dazi», das rätoromanische Wort für Zoll, und für «Transformation». Im Folgenden werden die wichtigsten Aspekte des Programms näher beleuchtet.

Die Grundlagen

Anfang 2022 bekam die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) im Zuge des Transformationsprojekts einen neuen Namen. Das heutige Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) startete bereits am 1. Januar 2018 offiziell das Programm DaziT, das bis 2026 dauern und den Prozess der Zollverwaltung ganzheitlich digita­lisieren soll. 

Hintergrund ist die Absicht, die Sicherheit an den Grenzen zur Schweiz zu ­verstärken – davon sollen die Sicherheit der Bevölkerung und die Wirtschaft der Schweiz gleichermassen profitieren. Das Projekt wurde mit einem Gesamtkredit von 393 Millionen Franken bewilligt.

Erreicht werden soll diese Stärkung durch ein Modernisieren und Umstrukturieren, das die zolltechnischen rechtlichen Grundlagen, die Infrastruktur, Abläufe und Kultur neu ausrichtet und vereinfacht. Es gilt, Ressourcen freizumachen und sie in Richtung derjenigen Prozesse umzuschichten, die nicht automatisiert oder gänzlich ­di­gital abgewickelt werden können – so wie etwa Kontrollen an der Grenze. 

Das Projekt DaziT, das am Ende nach neun Jahren das Schweizer Zollwesen ­revolutionieren soll, besteht aus sieben Teilen. Häufig bildet ein Teil die Basis für einen anderen oder Prozesse gehen Hand in Hand.

  • Steuerung und Transformation – betrifft das gesamte Programm, bildet die Grundlage
  • IKT-Grundlagen – bildet die technische Basis
  • Portal und Kunden – Schaffung einer digitalen Plattform für alle Dienste des BAZG
  • Redesign Fracht («Passar» – Ablösung von E-dec-Export und -Import sowie NCTS) – digitalisiert alle Vorgänge rund um Ein-/Aus- und Durchfuhr
  • Redesign Abgaben – Neuausrichtung der Abgaben auf Tabak, Alkohol, Mi­neralöl, CO₂
  • Shared Services – ressortübergreifende Prozesse werden digitalisiert und vereinheitlicht
  • Kontrolle und Befund – Dokumentation und Prozessoptimierung rund um Grenzpersonal und Zollfahndung

Die Hintergründe

Als Motivation hinter DaziT steht – wie in vielen anderen Branchen und Prozessen auch – der Wunsch nach Vereinfachung und gesteigerter Effizienz auf strate­gischer und operativer Ebene – so die Schweizerische Eidgenossenschaft in ­ihrer Botschaft zur Finanzierung der ­Modernisierung und Digitalisierung der Eidgenössischen Zollverwaltung. Der Geschäftsverkehr soll intern sowie extern durch unbürokratische Abwicklung verschlankt und beschleunigt werden, Kunden sollen möglichst unkompliziert und unabhängig von Zeit und Ort mit dem Bundesamt in Kontakt treten ­können und der Grenzübertritt samt Warenverkehr soll flexibler werden. Für dieses Vorhaben muss eine Generalüberholung der gesamten IT-Infrastruktur stattfinden. Auch ist es notwendig, bestehende Informationen in Papierform zu ­digi­talisieren. Weiter argumentiert die Zollbehörde, dass die Instandhaltung von über 400 Anwendungen, die im ­Bereich des Zollwesens Anwendung finden, einerseits äusserst kostspielig ist und sich andererseits kaum mehr Fachkräfte für die Arbeit mit diesen Programmen ­finden lassen.

Die Modernisierung aller im Zollwesen stattfindenden Prozesse und der flächendeckende Einsatz zeitgemässer Technik sollen der Schweizer Warenwirtschaft jährlich Ausgaben von etwa 125 Millionen Franken ersparen. Weil alle Kunden ihre Geschäfte und Dokumente dank einer einmaligen Anmeldung im Kundenportal jederzeit von überall aus abwickeln und abrufen können, wird der gesamte Zollapparat entlastet.

Die wichtigsten Eckpfeiler

Um die ressortübergreifende Modernisierung und Neustrukturierung auf allen Ebenen umzusetzen, bedarf es konkreter Massnahmen. Sieben Projekte sollen die Reformation vorantreiben:

  • Neues Berufsbild
  • Vereinheitlichtes Erscheinungsbild
  • Neue Organisation
  • Erneuern der Immobilienstrategie
  • Kultureller Wandel
  • Modernisierung
  • Generalüberholung des Zollgesetzes

Die Tätigkeit als «Fachspezialist/-in Zoll und Grenzsicherheit» löst die Berufe «Zollfachmann/-frau» und «Grenzwäch­ter/-in» ab. Im Zuge der Grundausbildung, die im August 2021 erstmals in neuer Form gestartet ist, werden die Fachkräfte im Bereich Personen, Waren und Transport geschult. Anschliessend spe­zialisieren sie sich in einem der genannten Bereiche. Im Zuge dessen wurde der gesamte Rekrutierungsprozess überholt und es wurden Ausbildungsmassnahmen für bestehendes Personal prio­risiert.

Einheitliches Erscheinungsbild

Die Umbenennung der EZV in BAZG veranlasste auch weitere Instanzen beziehungsweise Infrastruktur, Webseiten, Anwendungen und Betriebsmittel zu einer Namensänderung. Die Fahrzeuge und Uniformen wurden mit der Anschrift «Zoll» in vier Sprachen versehen – Zoll, Douane, Dogana und Duana. Die Bekleidung ist dem Konzept der Armee nachempfunden und soll ab 2025 eine einheitliche und moderne Uniformierung gewährleisten.

Neue Organisation

Die Anforderungen einer digitalisierten Welt beziehungsweise eines modernisierten Warenverkehrs benötigen eine agile, flexible und effizient strukturierte operative Instanz. Seit dem Jahr 2019 besteht die Zollbehörde aus sechs Be­reichen, die Organisation und Ressourcenverteilung sowie den Informationsaustausch zwischen allen Bereichen verbessern sollen:

  • Operationen
  • Grundlagen
  • Strafverfolgung
  • Risikoanalyse und Analytik
  • Unterstützung
  • Planung und Steuerung

Immobilienstrategie

Neun Immobilientypen für die verschiedenen Instanzen des BAZG sollen Struktur, Mobilität und Wirtschaftlichkeit verbessern und die Bereiche unter einem Dach vereinen, die häufig zusammenarbeiten. Sechs Typen gelten dem operativen Bereich – dazu gehören der Stützpunkt, Führungsstandort national und regional sowie Interventionsplatz, -standort und -zentrum. Zwei Typen sind der Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal gewidmet und einer der Beherbergung von Personal.

Kultureller Wandel

Die Neuausrichtung der Kultur basiert auf fünf Grundpfeilern, die von Führungspersonal und Mitarbeitern erarbeitet wurden. Ein kultureller Wandel passiert nicht innerhalb kürzester Zeit, neue Teams werden dahingehend geschult und sensibilisiert. Sie erhalten Beratung sowie zielgerichtete Schulungen und Werkzeuge für den Arbeitsalltag.

Modernisierung

Alle Mittel, die dem Personal zur Verfügung stehen, müssen ebenfalls an eine flexible und agile Arbeitsweise angepasst werden. Alle Geräte und Fahrzeuge sollen in Funktionsumfang und Einsetzbarkeit die moderne Vorgehensweise unterstützen. Beispielsweise benötigt die Umstellung von E-dec (das Verzollungssystem für Einfuhr und Ausfuhr) und NCTS (Transit und Ausfuhr) auf das neue und umfangreichere Passar-System leistungsfähigere Geräte.

Generalüberholung des Zollgesetzes

DaziT sieht vor, dass auch die Rechtsgrundlage vereinfacht beziehungsweise verschlankt und modernisiert wird. Damit der Alltag im Schweizer Zollwesen und die Arbeit an der Grenze tatsächlich die gewünschte Modernisierung erhalten, muss auch der rechtliche Rahmen an eine digitalisierte Arbeitsweise an­gepasst werden.

Fazit

Die Generalüberholung beziehungsweise die Transformation des Schweizer Zollwesens in Form des DaziT-Programms umfasst Massnahmen, die die Digitalisierung, Kundennähe und Mobilität sowie Agilität vorantreiben sollen. Eine einheitliche Strategie und Herangehensweise sollen innert neun Jahren zum Erfolg führen und die Schweizer Wirtschaft stärken, den Zollapparat verschlanken und die ­Sicherheit der Bevölkerung erhöhen.

Porträt