Branchen & Märkte

KMU-Studie

Unsicherheit dämpft die Exportstimmung

Die Exportstimmung der Schweizer KMU für das zweite Halbjahr 2025 liegt nur noch knapp in der Wachstumszone. Die Gründe dafür sind in der aktuell grossen Unsicherheit zu suchen, die vor allem durch die US-Zollpolitik und den starken Franken, aber auch durch zahlreiche weitere wirtschaftliche und politische Spannungsfelder genährt wird.
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Die Exportstimmung, die von Switzerland Global Enterprise in einer halbjährlichen Umfrage unter den international tätigen Schweizer KMU ermittelt wird, ist im letzten Halbjahr zum zweiten Mal in Folge gesunken und liegt mit 52,3 Punkten nur noch knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. 

Während die Zahlen vor einem halben Jahr darauf hindeuteten, dass sich die Exportstimmung rund um 60 Punkte einpendeln könnte, legt der neuerliche Rückgang eher eine Abwärtstendenz nahe, die seit dem Hoch von Anfang 2022 (76,5 Punkte) andauert. 

Im zurückliegenden Halbjahr wurden die vorsichtig optimistischen Prognosen von Anfang 2025 klar enttäuscht: Fast die Hälfte der KMU hatte ein Exportwachstum vorausgesagt, nur 19 Prozent rechneten mit einem Rückgang. 

Tatsächlich konnten aber lediglich 28 Prozent eine Steigerung verzeichnen, 39 Prozent erlebten einen Rückgang. Jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) musste gar Exporteinbussen von über zehn Prozent hinnehmen. 

Hoffen auf zweites Halbjahr 

Unter diesen Vorzeichen ist es als Lichtschimmer zu werten, dass die Unternehmen für das zweite Halbjahr trotzdem eine leicht positive Entwicklung erwarten: 37 Prozent rechnen mit einem Exportwachstum, 39 Prozent mit stagnierenden Zahlen und 24 Prozent mit einem Rückgang. Dass es kaum zu grossen Veränderungen kommen wird, bestätigt der Umstand, dass 84 Prozent der KMU davon ausgehen, dass sich ihr Exportvo­lumen um maximal +/–10 Prozent verändern wird. 

Vorsichtiger wird das Gesamtjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr bewertet, worin sich der enttäuschende Abschluss der ersten sechs Monate spiegelt: Die Firmen, die mit einer Exportsteigerung (37 Prozent) beziehungsweise einem Rückgang (34 Prozent) rechnen, halten sich nahezu die Waage. 29 Prozent erwarten keine Veränderung. «Die Schweizer KMU haben ein herausforderndes Halbjahr hinter sich, das deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb», erklärt Anja Fiedler, Leiterin Exportförderung von Switzerland Global Enterprise. «Es spricht für ihre Widerstandsfähigkeit, dass sie in der zweiten Jahreshälfte trotz des schwie­rigen Umfelds mit einem leichten Wachstum rechnen.»

Herausforderung US-Zollpolitik

Die Herausforderungen, die die Schweizer KMU in den nächsten Monaten erwarten, werden von der US-amerikanischen Politik dominiert. Anfang des Jahres war die Ungewissheit über die Folgen des Regierungswechsels in den USA gross. 41 Prozent der Unternehmen wagten keine Vorhersage darüber, wie sich der Wechsel auf ihr internationales Geschäft auswirken wird; 12 Prozent prognostizierten positive Folgen, 17 Prozent ne­gative und 30 Prozent gar keine. Sechs Monate später herrscht mehr Klarheit, und das Bild, das sich abzeichnet, ist – wenig überraschend – kein positives: 58 Prozent sagen nun negative Konsequenzen für ihr internationales Geschäft voraus. Entsprechend ist es gemäss Umfrage die Zollpolitik der USA, die die Aussichten am meisten eintrübt und die Schweizer Exportwirtschaft in den nächsten Mo­naten am stärksten belasten wird. 

Reaktionen auf die neuen Zölle

Trotz dieser enormen Herausforderungen sind die Schweizer KMU aktiv und passen ihre Strategien an die neuen Gegebenheiten an: Als häufigste Massnahme wird von den befragten Unternehmen eine Erhöhung der Preise genannt (26 Prozent der KMU). 23 Prozent wollen ihre Waren verstärkt in alternativen Märkten absetzen, 21 Prozent reduzieren ihre Margen, 17 Prozent passen ihre Lieferketten an und je 13 Prozent ziehen einen Standortwechsel ihrer Produktion beziehungsweise Neuverhandlungen ihrer Kundenverträge in Betracht. 

30 Prozent der Firmen planen derzeit keine spezifischen Massnahmen. «Die Zölle bewirken auch, dass die USA gegenüber anderen Ländern an Attraktivität einbüssen, wenn es für Firmen darum geht, neue Märkte zu erschliessen», sagt Anja Fiedler. So kommt es für 66 Prozent der KMU innerhalb der nächsten drei Jahre nicht infrage, die lokale Präsenz in den USA zu erhöhen – zum Beispiel durch den Aufbau eines Produktionsstandorts. Demgegenüber haben sieben Prozent eine stärkere Präsenz bereits in die Wege geleitet, sechs Prozent denken darüber nach und fünf Prozent können sich eine derartige Massnahme vorstellen, falls die neuen Zölle langfristig und in belastender Höhe in Kraft bleiben werden.  

Problemfelder bleiben aktuell

Abgesehen von der US-Zollpolitik, die aus dem Stand heraus zum grössten Sorgenkind geworden ist (61 Prozent der befragten KMU), haben sich die Herausforderungen für die Schweizer Exportunternehmen in den letzten sechs Monaten kaum verändert. Es sind nach wie vor die Währungsrisiken, die am stärksten beschäftigen (54 Prozent). Danach folgen das Verhältnis zwischen der Schweiz und Europa (31 Prozent), die Spannungen zwischen den USA und China (31 Prozent), Handelshürden und Protektionismus (30 Prozent), Energie- und Rohstoffpreise (23 Prozent), der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine (20 Prozent) sowie der Fachkräftemangel (16 Prozent).

Zwar verlieren all diese weiteren Themen jeweils einige Prozentpunkte; doch dürfte dieser «Bedeutungsverlust» nicht als absolut zu interpretieren, sondern in Re­lation zur US-Zollpolitik zu sehen sein: Durch die grosse Wucht, mit der diese in Erscheinung getreten ist, dominiert sie die Schlagzeilen und drängt alles andere in den Hintergrund. 

Bewährte Absatzmärkte 

Stabilität zeigt sich bei der Bedeutung der einzelnen Absatzmärkte, wo es in den letzten zwölf Monaten kaum zu Verschiebungen gekommen ist. Spitzenreiter ist seit vielen Jahren und mit grossem Abstand Deutschland, wohin 82 Prozent der Schweizer KMU in den nächsten sechs Monaten exportieren wollen. Es folgen wie gewohnt die Nachbarländer Frankreich (56 Prozent), Italien (55 Prozent) und Österreich (53 Prozent) sowie die Vereinigten Staaten, in die trotz der turbulenten Zollpolitik 56 Prozent der KMU liefern wollen. Auf den weiteren Rängen folgen die Niederlande (44 Prozent), das Vereinigte Königreich (43 Prozent), Skandinavien (41 Prozent), China (41 Prozent), Spanien (38 Prozent) und Belgien (37 Prozent). Indien (36 Prozent) liegt nicht zuletzt aufgrund des ausgehandelten Freihandelsabkommens im Trend und weist mit sechs Prozentpunkten von allen Ländern den grössten Zuwachs auf. 

Gefragt nach ihren drei wichtigsten Exportdestinationen, nennen 72 Prozent der KMU Deutschland, 40 Prozent die USA, 21 Prozent China, 20 Prozent Frankreich, 16 Prozent Österreich, 15 Prozent Italien und 13 Prozent das Vereinigte Königreich. Auch hier kam es in den letzten sechs Monaten zu keinen wesentlichen Veränderungen. Einzige Ausnahme ist China, das um vier Prozentpunkte zulegen konnte und damit möglicherweise von der US-Handelspolitik profitiert.

Golfstaaten im Blick 

Bei den neuen Märkten haben die Golfstaaten den Spitzenplatz zurückerobert, den sie zwischenzeitlich an Indien abtreten mussten. Zehn Prozent der befragten Unternehmen planen, die Golfregion neu zu erschliessen. Das ist ein Plus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zum Jahres­beginn. Auf Rang zwei und drei folgen Indien (7 Prozent) und die USA (6 Prozent), wobei beide Länder an Boden verlieren. Indien verzeichnet ein Minus von vier Prozentpunkten und damit genauso viel, wie es im zweiten Halbjahr 2024 hinzugewonnen hatte, nachdem der Bundesrat den Abschluss der Verhandlungen des Freihandelsabkommens verkündet hatte. 

Es ist davon auszugehen, dass Indien wieder deutlich zulegen wird, wenn das Abkommen ratifiziert wird. Im Falle der USA ist der Rückgang von drei Prozentpunkten auch mit der Zollpolitik zu erklären, die dazu führt, dass viele KMU die weiteren Entwicklungen abwarten, bevor sie sich in ein Abenteuer stürzen.

Wenig Expansionsfreude

Nachdenklich stimmt, dass fast die Hälfte aller befragten Unternehmen aktuell gar keine neuen Zielmärkte ins Auge fassen. Während 2023 noch über 70 Prozent der Firmen in neuen Märkten aktiv werden wollten, sank der Wert im Laufe des letzten Jahres auf unter 60 Prozent und erreicht nun mit 52 Prozent einen neuen Tiefstwert, der den zahlreichen globalen Unsicherheiten und Spannungsfeldern geschuldet ist. 

Rückgang der Beschäftigung

Ein ähnliches Bild zeichnen die vermuteten Entwicklungen des Personalbestands. Auch hier trübt sich das Bild ein, allerdings relativ plötzlich. So springt der Anteil der KMU, die für das aktuelle Jahr einen Rückgang des Personalbestands erwarten, im Vergleich zum Januar unvermittelt von 15 Prozent auf 28 Prozent – dies, nachdem diese Werte seit 2022 jeweils konstant zwischen 10 Prozent und 20 Prozent gelegen hatten. Auf der anderen Seite rechnen aktuell nur 16 Prozent der Firmen mit einem Personalwachstum. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein deutliches Minus und gegenüber 2023 sogar einen Rückgang um 19 Prozentpunkte.

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