An der IFAT München zeigten auf insgesamt 260 000 Quadratmetern 2984 Aussteller aus 59 Ländern und Regionen ihre Produkte (2018: 3305). Es kamen rund 119 000 Besucher (2018: 14 472). Die Hälfte der Aussteller und Besucher kamen aus dem Ausland. Im Vergleich zur Vorveranstaltung fehlte vor allem die starke Beteiligung aus China und Russland.
Die Abwasserreinigung
Bei der vierten Reinigungsstufe in Kläranlagen geht es meist um das Herausfiltern von Spurenstoffen, das heisst Mikroschadstoffen wie etwa Medikamentenresten. Das war jahrzehntelang nicht möglich und die Techniken dazu wurden in den letzten Jahren entwickelt, unter anderem jene des Unternehmens Huber SE. An der IFAT präsentierte Huber den neuen Tuchfilter Rotafilt. Dieser ist in der Weitergehenden Abwasserreinigung vielseitig einsetzbar. Typische Anwendungsfelder sind:
- Rückhalt von feinen suspendierten Stoffen (Schlammflocken, Mikroplastik)
- Flockungsfiltration zur Phosphorelimination
- Vorfiltration bei der «Vierten Reinigungsstufe»
- Nachfiltration bei der «Vierten Reinigungsstufe»
In naher Zukunft werden Huber-Tuchfilter in zwei Anlagen eingesetzt: In der Kläranlage Kressberg (Baden-Württemberg) zur Phosphorelimination mittels Flockungsfiltration sowie auf der Kläranlage Bickenbach (Hessen) als Vorfiltration für die Weitergehende Abwasserreinigung zur Spurenstoffentfernung (Ozonierung mit anschliessender Aktivkohlefiltration).
Im Rahmen der praxisorientierten Vortragsblöcke am Vormittag erläuterten Christian Frommann (Head of Technology Center Huber SE) und Thomas Netter (Produktmanager Filtration Huber SE) verschiedene Aspekte des Zukunftsthemas Weitergehende Abwasserreinigung. Dazu konnten die Besucher die Demonstrationsanlage besichtigen. Die Anlage besteht aus einem Huber-Tuchfilter Rotafilt, einer Ozonierung und Aktivkohleadsorption. Mit der Anlage wollen Huber, Prominent und Sidest bis Ende 2022 erstmalig untersuchen, welche Leistungen hinsichtlich der Elimination von Spurenstoffen vor Einleitung in die Mosel erzielt werden können.
Der Phosphorkreislauf
Die Picatech Huber AG, Horw, wurde 1974 als Picatech AG gegründet und war von Beginn an in der Abwasserreinigung tätig. Seit der Integration in die Huber-Gruppe 1999 steht eine einmalig grosse Produktepalette für den Schweizer Markt im Bereich Abwasseraufbereitung und Schlammbehandlung in Kommunen und Industrie zur Verfügung.
Der Phosphorkreislauf ist seit Jahren ein wichtiges Thema an der IFAT. Ohne Phosphor können wir nicht die Lebensmittel anbauen, die wir brauchen, aber heute sind wir auf Importe aus problematischen Quellen angewiesen. Diese Informationen findet man auf der Webseite der Firma Easy Mining, die in Schweden und Deutschland vertreten ist. Heute wird Phosphor hauptsächlich in Russland und Marokko abgebaut. 95 Prozent des weltweiten Phosphorvorkommens befinden sich unter der Kontrolle von zehn Staaten. Sie können die Preise bestimmen, und einige von ihnen sind politisch instabil.
Leider handelt es sich bei abbaubarem Phosphatgestein um eine begrenzte, nicht erneuerbare Ressource, die vielleicht nur noch 100 Jahre reicht. Zudem enthält der Phosphor aus einigen Quellen, insbesondere in Afrika, andere Stoffe wie Uran und Cadmium. Der abgebaute, unbehandelte Phosphor wird dann zu verschiedenen Phosphorprodukten verarbeitet.
Die Phosphorrückgewinnung
Gleichzeitig enthalten Abwassersysteme in der Schweiz und in Deutschland beträchtliche Mengen an Phosphor, die behandelt und wieder in das Nahrungssystem und an die Industrie zurückgeführt werden sollten. Heute wird jedoch der grösste Teil des in den Abwassersystemen enthaltenen Phosphors zum Beispiel auf Deponien verschwendet. Mit dem Recycling des Phosphors in unserem Abwasser liessen sich etwa 50 Prozent des benötigten Phosphors ersetzen. So kann man auch die bereits geförderten Ressourcen immer wieder nutzen.
Die Deutsche Phosphor-Plattform DPP e.V. bildet das Netzwerk zur Förderung der Rückgewinnung von Phosphor und zum nachhaltigen Einsatz der rückgewonnenen Produkte und war natürlich auch an der IFAT vertreten. Die ausgestellten Phosphor-Rezyklate der Mitglieder waren ein Besuchermagnet. Auch der Vortrag «Phosphorrecycling: Sachstand zur Markteinführung» zur Eröffnung des Forums Abfall/Sekundärstoffe war gut besucht und ist auf Interesse gestossen.
Auch in der Schweiz gibt es ein branchenübergreifendes Netzwerk, das der Umsetzung von Phosphorrecycling in der Schweiz dient. Das Netzwerk wird von der Hochschule für Life Sciences FHNW betrieben mit der Unterstützung von Verbänden und in Zusammenarbeit mit kantonalen und eidgenössischen Behörden.
Mit der Verordnung über die Verwertung und Entsorgung von Abfällen (VVEA) führt die Schweiz mit einer Übergangsfrist von zehn Jahren eine verbindliche Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm (Potenzial 5800 t/Jahr) sowie Tier- und Knochenmehl (3000 t/Jahr) ein, um Phosphor als endliche Ressource nachhaltiger zu nutzen. Phosphor wird vor allem als Dünger eingesetzt und ist für gute Ernteerträge zwingend notwendig. Die Menge an Phosphor in Abfällen übersteigt die Menge an Mineraldüngerimporten der Schweiz (5900 t/Jahr).
Verfahren zur Phosphorrückgewinnung gibt es verschiedene, darunter die Gewinnung von Phosphor aus der Klärschlamm-Asche. Durch die Verbrennung des Klärschlamms werden die organischen Schadstoffe entfernt und gleichzeitig der Phosphor konzentriert. Der Phosphor in der Asche liegt jedoch nicht in pflanzenverfügbarer Form vor. Mit der Ash2Phos-Technologie der Firma Easy Mining gewinnt man den Phosphor als Kalziumphosphat zurück und stellt gleichzeitig ein hochwertiges und sauberes Phosphorprodukt sicher. Das Verfahren enthält eine Entgiftungsmethode, die mehr als 96 Prozent der Schadstoffe entfernt. Die Ash2Phos-Technologie umfasst auch Stufen zur Rückgewinnung von Eisen und Aluminium aus der Klärschlamm-Asche – als Eisenchlorid (FeCl3) und Natriumaluminat (NaAlO2). Diese Nebenprodukte werden in gereinigter, marktreifer Qualität zurückgewonnen und können entweder direkt als Koagulationsmittel in der Abwasserreinigung oder in der chemischen Industrie als Basis für eine Vielzahl von Produktionsprozessen eingesetzt werden. Durch die dezentrale Klärschlammverwertung bleiben Nährstoffe in der Region, wodurch Transportwege erspart bleiben.
Kreislaufwirtschaft/Recycling
Ein wichtiges Thema waren auch diesmal die Grundlagen von Umweltmanagement, Kreislaufwirtschaft und Recycling. Solche Möglichkeiten wurden auf vier Sonderflächen präsentiert. Interessanterweise waren die hohen Mengen Corona-Abfälle wie Masken oder Testmaterial kaum ein Thema. Man bekam die Auskunft, dass man diese Materialien wie anderen Spital- oder Sonderabfall behandeln würde.
Aus der Schweiz war die Firma SwissRTec vertreten. Diese ist Anbieter von Recycling-Anlagen für die Verarbeitung von Elektronikschrott, Shredderleichtfraktion (ASR), Müllverbrennungsschlacke, Kabeln und anderen Verbundstoffabfällen. SwissRTec entwickelt, produziert und kommissioniert Prozesslösungen, die den kundenspezifischen Anforderungen und Standards gerecht werden. Die robusten Zerkleinerungs-, Aufschluss- und Separationsanlagen zeichnen sich durch ihre Fähigkeit aus, maximale Rückgewinnungs- und Reinheitsgrade für Materialien wie Kupfer, Aluminium, Kunststoff und Stahl zu erreichen. SwissRTec-Anlagen und -Maschinen bieten Lösungen für eine Vielzahl von Branchen an.
SAR Automation und Prozesstechnik GmbH, die auch in der Schweiz vertreten ist, erhält eine Förderung der Bayerischen Forschungsstiftung für das innovative Forschungsvorhaben «Ad On Fuel Control». Es ist geplant, eine vorausschauende Steuerung von Verbrennungsanlagen, im konkreten Beispiel für die Abfallbehandlung, zu entwickeln. Dadurch wird ein effizienterer Anlagenbetrieb mit niedrigeren Kosten und geringeren Emissionen möglich und mit CO2-Einsparpotenzial. Niedrigere Betriebskosten von Müllverbrennungsanlagen könnten sich zudem stabilisierend auf die Entsorgungskosten auswirken.
Das Entsorgungsamt von St. Gallen betreibt ein Kehrichtheizkraftwerk (KHK), in dem jedes Jahr rund 75 000 Tonnen Abfall aus über 40 Gemeinden und vier Kantonen thermisch behandelt werden. Bei diesem wurde von 2014 bis 2018 die Logistik-Infrastruktur erneuert. SAR Prozess- und Umwelttechnik zeichnete im Rahmen dieses Projekts verantwortlich für die Planung und Ausführung der kompletten elektro- und prozessleittechnischen Umfänge. Realisiert wurden unter anderem der Neubau eines Ammoniak-Tanklagers, die Steuerung der Bunkertore, die Einbindung der Kransteuerungen sowie der Ballenpresse, des Reissers, der Brandschutzanlage samt Feuerlöschpumpen.