Marketing & Vertrieb

Online-Marketing, Teil 4/4

Wie Websites in KI-basierten Suchsystemen sichtbar werden

Digitale Sichtbarkeit zählt zu den zentralen Erfolgsfaktoren moderner Unternehmen. Der vorliegende Beitrag zeigt, wie KMU die Präsenz ihrer Website in einer zunehmend KI-basierten Such- und Antwortlogik stärken können.
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Die anhaltende Weiterentwicklung generativer KI hat in den vergangenen beiden Jahren zu einem tiefgreifenden Wandel der digitalen Suche geführt. Mit der zunehmenden Nutzung von KI-Systemen wie ChatGPT, Gemini oder Microsoft Copilot sowie der Integration generativer Funktionen in Suchmaschinen – etwa Google AI Overviews – verschiebt sich die Suche von klassischen Trefferlisten hin zu ausformulierten Antwortsystemen. Informationen werden nicht mehr primär verlinkt, sondern direkt in verdichteter, auf die jeweilige Nutzeranfrage abgestimmter Form bereitgestellt.

Aktuelle Studien zeigen, dass ein beträchtlicher Anteil von Suchanfragen ohne weiteren Klick auf die angegebene Internetquelle endet (Zero-Click Searches), da Antworten unmittelbar im KI-Interface der Suchmaschine ausgegeben werden oder die Informationssuche direkt in KI-Systemen erfolgt (vgl. z. B. Adobe Express, 2025; Semrush, 2025; usability.de, 2025). Für KMU bedeutet dies einen Perspektivenwechsel: Sichtbarkeit entsteht zunehmend dort, wo unternehmens­eigene Inhalte als Quelle in KI-basierten Antworten herangezogen werden. Entscheidend ist daher, Content so aufzubereiten, dass dieser nicht nur auffindbar, sondern für KI-Systeme verständlich und nutzbar ist.

Von SEO zu GEO

Dieser Wandel macht klassisches SEO nicht obsolet, verändert jedoch dessen Rolle. Eine technisch sauber aufbereitete Website – verstanden als fehlerfreie technische Umsetzung, mit klarer interner Verlinkung, korrekter Indexierungssteuerung und schnellen Ladezeiten – sowie eine gute Seitenarchitektur, strukturierte Inhalte und konsequente Nutzerorientierung bleiben zentrale Voraussetzungen digitaler Sichtbarkeit. Ohne diese Grundlagen können Inhalte weder von Suchmaschinen noch von KI-Systemen zuverlässig erfasst und verarbeitet werden. 

Gleichzeitig reichen diese Voraussetzungen allein nicht mehr aus, um in KI-basierten Such- und Antwortsystemen dauerhaft präsent zu sein. Während klassisches SEO primär auf Rankings und Klicks abzielt, verfolgen KI-Systeme das Ziel, präzise, kontextuell passende und vertrauenswürdige Antworten zu liefern. Inhalte werden daher nicht mehr vorrangig anhand einzelner Keywords oder formaler Signale wie Keyword-Platzierung, Meta-Daten oder Backlink-Strukturen bewertet, sondern zunehmend nach inhaltlicher Tiefe, Verständlichkeit und thematischer Einbettung. Sichtbarkeit entsteht damit nicht mehr primär durch das Auffinden einer Website, sondern durch die Nutzung von Inhalten als Wissensquelle in KI-generierten Antworten. Genau hier setzt die Generative Engine Optimization (GEO) an.

GEO beschreibt die strategische Weiterentwicklung der Suchmaschinenoptimierung mit dem Ziel, Inhalte so aufzubereiten, dass sie von generativen KI-Systemen nicht nur indexiert, sondern verstanden, eingeordnet und als Quelle genutzt werden können. Im Fokus steht weniger die Optimierung einzelner Seiten als vielmehr die Frage, ob eine Website als konsistente, strukturierte und vertrauenswürdige Wissensbasis wahrgenommen wird.

Die Fachliteratur verwendet den Begriff GEO bislang nicht einheitlich. Während einige Ansätze primär die Optimierung der eigenen Website betonen (vgl. Aggarwal et al., 2024), beziehen andere auch externe Referenzen und Erwähnungen ein (vgl. Chen, et al., 2025). Für KMU ist diese Unterscheidung praxisnah: Wie bei SEO lassen sich auch bei GEO On-Page- und Off-Page-Ansätze unterscheiden, die gemeinsam zur Sichtbarkeit in KI-Systemen beitragen.

GEO systematisch umsetzen

Die konzeptionelle Einordnung von GEO verdeutlicht, dass es sich dabei nicht um eine einzelne Optimierungsmassnahme, sondern um einen strukturierten Entwicklungsprozess handelt. Für KMU stellt sich die Frage, wie der Einstieg sinnvoll gestaltet werden kann. Ein systematisches Vorgehen hilft, Prioritäten zu definieren, bestehende Stärken zu nutzen und dort anzuknüpfen, wo Sichtbarkeit in KI-Systemen tatsächlich entsteht. 

Für die Praxis empfiehlt sich daher die Orientierung an einem klaren Vorgehensrahmen: Ausgangspunkt bildet ein GEO-Audit zur Standortbestimmung. Darauf aufbauend werden konkrete GEO-Ziele definiert, gezielte GEO-Massnahmen abgeleitet und durch ein geeignetes Controlling begleitet.

GEO-Audit empfohlen

Bevor KMU in neue Inhalte oder technische Anpassungen investieren, empfiehlt sich eine strukturierte Evaluierung der Ausgangslage. Ein GEO-Audit zeigt auf, wie gut die eigene Website sowie unternehmensbezogene Off-Page-Aktivitäten bereits auf die Logik KI-basierter Such- und Antwortsysteme ausgerichtet sind und wo gezielter Handlungsbedarf besteht. Im Rahmen eines GEO-Audits sollten KMU insbesondere folgende Bereiche systematisch betrachten:

1. Sichtbarkeit in KI-Such­maschinen und AI Overviews

Einen ersten Überblick über die Präsenz des Unternehmens in KI-basierten Suchumgebungen bieten AI Search Grader, wie sie beispielsweise von Semrush oder Hubspot angeboten werden. Diese Tools geben Hinweise darauf, ob und in welcher Form ein Unternehmen in KI-Suchergebnissen erscheint, wie es von KI-Systemen wahrgenommen wird und wie die eigene Sichtbarkeit im Vergleich zu relevanten Mitbewerbern einzuordnen ist. Diese erste Standortbestimmung schafft ein realistisches Bild der aktuellen KI-Sichtbarkeit und bildet die Grundlage für weitere Schritte.

2. On-Page-Analyse

Ein zentraler Bestandteil des GEO-Audits ist die On-Page-Analyse. Sie bewertet den technischen und inhaltlichen Zustand der Website und prüft, ob Inhalte und Seitenstrukturen grundsätzlich geeignet sind, um von Suchmaschinen und KI-Systemen erfasst und verarbeitet zu werden. Ziel ist keine unmittelbare Optimierung, sondern eine strukturierte Bestandsaufnahme der bestehenden On-Page-Voraussetzungen.

Zunächst wird geprüft, ob Inhalte crawl- und indexierbar sind. Dazu zählen unter anderem eine konsistente interne Verlinkung, eine klare Seitenarchitektur sowie eine übersichtliche Sitemap, korrekt eingesetzte Canonical-Tags und sauber konfigurierte Robots-Anweisungen. Google be­tont, dass diese technischen Grundlagen auch für KI-gestützte Such- und Antwortfunktionen weiterhin zentral sind (vgl. Google Search Central).

Da KI-basierte Suche von mehreren Systemen mit unterschiedlicher Logik geprägt ist, sollte die On-Page-Analyse plattformübergreifend erfolgen. Im Fokus steht dabei, ob Inhalte unabhängig vom jeweiligen KI-System als verständliche und zitierfähige Wissensquelle genutzt werden können. Abbildung 1 gibt einen Überblick über zentrale On-Page-Anforderungen gängiger KI-Systeme und die daraus abgeleiteten Prüffragen für das GEO-Audit.

3. Off-Page-Analyse

Ergänzend zur On-Page-Analyse spielt im GEO-Audit auch die Off-Page-Analyse eine zentrale Rolle. Während klassische SEO-Off-Page-Optimierung stark auf Backlinks fokussiert war, erweitert sich der Blick im GEO-Kontext deutlich. Für KI-basierte Such- und Antwortsysteme sind neben Verlinkungen vor allem externe Erwähnungen, Quellenbezüge und Kontextsignale relevant, die zur Einordnung der Glaubwürdigkeit und thematischen Autorität eines Unternehmens beitragen.

Die Off-Page-Analyse untersucht daher, wie und in welchem externen Umfeld ein Unternehmen wahrgenommen wird und in welchen digitalen Wissens- und Fachkontexten es erscheint. Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass eigene Inhalte als vertrauenswürdige Referenz in KI-basierten Antworten herangezogen werden. Abbildung 2 gibt einen Überblick über zentrale Off-Page-Anforderungen im GEO-Kontext und zeigt, wie diese im Rahmen des Audits geprüft werden können.

GEO-Ziele

Das GEO-Audit bildet die Grundlage, um festzulegen, welche Form von Sichtbarkeit ein Unternehmen in KI-Systemen anstrebt. Während klassisches SEO primär auf Rankings, Klicks und Traffic ausgerichtet ist, verfolgt GEO eine erweiterte Zielsetzung: Eigene Inhalte sollen möglichst stark in die Antworten generativer KI-Systeme integriert werden.

Ziel von GEO ist es, Inhalte nicht nur auffindbar zu machen, sondern sie als relevante Quellen in KI-generierten Antworten zu verankern – sei es durch direkte Übernahmen (Zitate) oder durch ihre hervorgehobene Platzierung im Antworttext (Aggarwal et al., 2024). Sichtbarkeit entsteht damit zunehmend innerhalb der Antwort selbst und nicht erst durch einen anschliessenden Klick auf eine Website.

Vor diesem Hintergrund lässt sich die positionsgewichtete Anzahl von Zitaten im Verhältnis zum Gesamttext als zentrale Kennzahl für GEO bestimmen (Aggarwal et al., 2024). Diese Metrik trägt dem Umstand Rechnung, dass für Wahrnehmung und Wirkung nicht nur entscheidend ist, ob Inhalte zitiert werden, sondern auch, wo und in welchem Umfang dies geschieht.

Daraus ergibt sich als übergeordnetes GEO-Ziel, dass eigene Inhalte von generativen KI-Systemen regelmässig, gut sichtbar und möglichst früh innerhalb der Antworttexte berücksichtigt werden. Die Messung dieses Ziels kann entlang folgender Dimensionen erfolgen:

  • Häufigkeit der Zitierung (Anteil eigener Inhalte in KI-Antworten)
  • Position der Zitierung (frühe vs. nachrangige Platzierung im Antworttext)
  • Kontext der Zitierung (zentrale Aussage vs. ergänzender Hinweis)

GEO-Massnahmen

Die definierten GEO-Ziele verdeutlichen, dass Sichtbarkeit im KI-Zeitalter nicht mehr allein durch Auffindbarkeit entsteht, sondern durch die Integration eigener Inhalte in generative Antworten. Um dieses Ziel systematisch zu erreichen, bedarf es gezielter GEO-Massnahmen, die konsequent auf Zitierfähigkeit, Kontextualisierung und prominente Platzierung innerhalb von KI-Antworten ausgerichtet sind.

Während klassisches SEO Massnahmen vor allem entlang technischer Optimierung und keywordzentrierter Anpassungen strukturiert, richten sich GEO-Massnahmen gezielt auf jene On- und Off-Page-Faktoren, die Inhalte als relevante und vertrauenswürdige Wissensquelle qualifizieren. 

Dabei lassen sich drei zentrale Hebel unterscheiden:

  • inhaltliche Gestaltung zitierfähiger Inhalte,
  • strukturelle und semantische Aufbereitung der Website für KI-Systeme,
  • externe Einbettung in glaubwürdige Wissens- und Referenzkontexte.

Diese Massnahmen bilden die operative Verbindung zwischen den definierten GEO-Zielen und einer nachhaltigen Sichtbarkeit in KI-basierten Such- und Antwortsystemen. Abb. 3 veranschaulicht beispielhaft, wie die einzelnen Massnahmen zur Zielerreichung beitragen.

GEO-Controlling

Mit der Umsetzung von GEO-Massnahmen ist der Prozess nicht abgeschlossen. Entscheidend ist vielmehr, ihre Wirkung systematisch zu beobachten und einzuordnen. Da Sichtbarkeit im GEO-Kontext nicht primär über Klicks oder Traffic entsteht, stösst klassisches SEO-Controlling an seine Grenzen. 

GEO-Controlling erweitert bestehende Messansätze um qualitative und kontextbezogene Indikatoren, die abbilden, ob, wie häufig und an welcher Stelle eigene Inhalte in KI-basierten Antworten berücksichtigt werden. Ziel ist es, die Entwicklung der Zitierhäufigkeit, der Platzierung innerhalb von Antworttexten sowie die thematische Abdeckung kon­tinuierlich zu verfolgen und darauf aufbauend Inhalte und Massnahmen gezielt weiter­zuent­wickeln. Abb. 4 fasst die zentralen Faktoren und Tracking-Ansätze für ein mögliches GEO-Controlling kompakt zusammen. 

Fazit 

KI-Systeme verändern die Logik digitaler Sichtbarkeit. Für KMU reicht es künftig nicht mehr aus, lediglich gefunden zu werden; entscheidend ist, als verlässliche Wissensquelle in generativen Antworten präsent zu sein. GEO ergänzt klassisches SEO um diese Perspektive. Wer GEO systematisch – wie in Abb. 5 dargestellt – angeht – vom Audit über Ziele bis zu Massnahmen und Controlling –, positioniert die eigenen Inhalte nachhaltig in einer zunehmend KI-geprägten Suchlandschaft.

Porträt