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Der Weg zum Erfolg hat viele Gesichter. Neugier ist sichereines davon. «Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nurleidenschaftlich neugierig», soll Albert Einstein einmal gesagt haben. Wie vielWahrheitsgehalt der Physiker seiner Aussage tatsächlich beigemessen hat, istnicht überliefert. Sicher ist, dass Neugier die Evolution des Menschenentscheidend prägt. Um sich den jeweils wandelnden Realitäten anpassen zukönnen, hat der Mensch ein Bedürfnis nach Weiterentwicklung und ständigerErneuerung entwickelt. Neugier ist also sozusagen die Ouvertüre zu einemkreativen Akt. Die meisten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die meistenInnovationen entstehen durch Neugier. Wirklich gute und erfolgreicheUnternehmen leben und fördern die Neugier.


Die positive Bewertung von Neugier ist allerdings auch einnoch relativ junges Phänomen. In den meisten historischen Kulturen galt sie alsLaster, bis ins 18. Jahrhundert hinein bedeutete sie eine Todsünde. So dürftedas heutige Wertverständnis Kirchenvater Augustinus (354 – 430 n. Chr.)kulturgeschockt haben, entsprang die Neugier aus damaliger Perspektive docheinem Verstoss gegen das göttliche Privileg der Allwissenheit und meinte nichtsanderes als blosse Zerstreuung und Sinneslust. Der Dominikaner Thomas von Aquin(1225 – 1274) relativierte die scharfe Verurteilung. Etwas wissen zu wollen,sei kein Laster, sondern dem Menschen eigen. Allerdings dürfe derErkenntnistrieb nicht blindlings ausgelebt werden. Daher zog er in seiner«Summa theologae» auch eine klare Trennlinie zwischen Neugier, die sich mehrauf das Sinnliche bezieht, und Wissbegierde, die das Erforschen von Dingenbezeichnet. In der frühen Neuzeit schliesslich wird die Neugier, getrieben vonWissenschaft, Kunst und Reformation, zu einem regelrechten Leitbegriff für eineEmanzipation des Menschen von theologisch fundierten Denk- und Lebensordnungen.

 


Den Wandel moralischer Anschauung bringt ein Zitat desPolitikers und Philosophen Niccolo Machiavelli (1469 – 1527) auf den Punkt:«Wenn man alles genau betrachtet, wird man finden, dass manches, was als Tugendgilt, zum Untergang führt und dass manches, was als Laster gilt, Sicherheit undWohlstand bringt.» Kreatives, freies Unternehmertum wäre ohne diesen Wandelnicht entstanden. Und eine weitere Erkenntnis: Die Gier nach Wissen und Neuemals intrinsische Eigenschaft ist nicht nur ein Fundament für unternehmerischeSchaffenskraft, sondern auch ein Beweis für den hohen Stellenwert intuitiverHandlungsspielräume.

 



Michael Drosten

Chefredaktor