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Der Schock sitzt auch nach Wochen noch tief. Thomas Jordans Proklamation vom 15. Januar zur Beerdigung des Euromindestkurses hat breites Entsetzen ausgelöst. Denn die damit verbundene Aufwertung des Frankens um 15 bis 20 Prozent be-deutet vor allem eine schlagartige Verteuerung Schweizer Exporte gegenüber dem ausländischen Wettbewerb. Die massive Kritik am SNB-Chef ist also verständlich. Unmut erzeugt auch der Zeitpunkt, hatte die Schweizerische Nationalbank doch wenige Tage zuvor noch ein Festhalten am Mindestkurs verkündet. Die Notenbank hat damit ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt.

 

Trotz alledem haben die Währungshüter aus Bern richtig gehandelt. Nach mehr als drei Jahren faktischer Anbindung an die kränkelnde Euro-Einheitswährung haben sie ein Milliardengrab geschlossen. Und damit ein Ende mit Schrecken dem Schrecken ohne Ende vorgezogen. Der Weg zurück zu einer eigenständigen Geldpolitik hat schmerzhafte Folgen. Doch was wären die Alternativen? Dass der per se falsch aufgesetzte Euro weiter taumelt, ist absehbar. Die von EZB-Chef Draghi geplanten Anleihekäufe im Volumen von gut 1,1 Billionen Euro werden ihr Ziel verfehlen und den Euro noch weicher machen. Im Wissen, dass Geldpolitik also nicht immer alles richten kann, wäre es fatal gewesen, länger derart eng mit dem Euro-Konstrukt verbunden zu sein. Schon bei Einführung der Untergrenze im September 2011 war klar, dass dies ein Eingriff auf Zeit sein sollte. Wirtschaft und Politik haben seitdem Zeit gehabt, sich trotz einer trügerischen Sicherheit auf eine alte neue Frankenstärke einzustellen, auf eine Situation also, die nicht wirklich neu ist. Es ist nicht das erste Mal, dass der starke Franken Schweizer Unternehmen zwingt, produktiver und innovativer zu sein als andere. Und die Folgen des starken Frankens sind natürlich nicht nur negativ zu beurteilen. Ihren Wohlstand verdankt die Schweiz nicht zuletzt auch ihrer harten Währung.

 

Es ist dies keine Zeit der Pauschallösungen. Notwendige Anpassungen sind branchen- und unternehmensspezifisch zu betrachten. Jedoch benötigen gerade KMU eine grössere wirtschaftspolitische Unterstützung als bisher, um sich eben darauf konzentrieren zu können. Dabei geht es wohlgemerkt nicht um schnelle Konjunkturprogramme, gefragt sind vielmehr Rahmenbedingungen, die möglichst frei sind von einschnürenden Regularien und administrativen Belastungen. Die Schweizer Nationalbank hat ihren Job getan. Es ist zu wünschen, dass die Politik dies nun ebenso tut.

 

P.S.: Mehr zum Thema Frankenstärke lesen Sie ab Seite 44 in der März-Ausgabe.



Michael Drosten

Chefredaktor