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Der bittere Kampf zwischen der Gründerfamilie Burkard und dem Verwaltungsrat des Bauchemie-Herstellers Sika zeigt das hässliche Gesicht einer missratenen, weil offenbar nicht durchdachten Nachfolgeplanung. Dass die Firmenerben ihre Anteile an den französischen Konzern Saint-Gobain veräussern, ist natürlich ihr gutes Recht. Brisant wird die Geschichte dadurch, dass der 16 Prozent-Familienanteil der Aktien 52 Prozent der Stimmen kontrolliert. Eigentlich sind solcher Art Stimmrechtsprivilegierungen geschaffen, um Unternehmen vor unfreundlichen Übernahmeangeboten zu schützen. Eine gute Absicht, die im Fall Sika allerdings konterkariert wird.

 

Auch wenn das Unternehmen für sein abgelaufenes Geschäftsjahr 2014 Rekordergebnisse gemeldet hat, kann es durchaus auch als Mahnmal herhalten. Denn im Übernahmepoker den Verkauf ihrer Stimmenmehrheit ausgerechnet mit einer nachhaltigen Nachfolgeplanung zu begründen, damit dürfte die Familie wohl an der Wahrheit vorbeigehen. Was bleibt, sind nicht nur eine Entfremdung zwischen Familie und Unternehmen, besorgte Investoren und ein beträchtlicher Imageschaden. Was auch bleibt, ist eine Nachfolgepolitik, die den Beweis einer Nachhaltigkeit schuldig bleiben wird.

 

Sicher ist die spezielle Sika-Problematik nicht auf andere Unternehmen übertragbar. Doch das Thema Nachfolgeregelung ist auch für kleine und mittelgrosse Unternehmen eines der drängendsten. Laut einer Studie der Agentur Bisnode ist die Nachfolgefrage derzeit in mehr als 63 000 Schweizer KMU ungelöst. Die Übertragung einer Firma nimmt im Durchschnitt fünf Jahre in Anspruch, heisst es. Vor diesem Hintergrund sollten Unternehmende spätestens im Alter von 60 Jahren mit der Nachfolgeplanung beginnen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sie ihr Unternehmen auflösen müssen.

 

Natürlich ist es allein schon psychologisch anspruchsvoll, für eine Zeit zu planen, die nach dem eigenen Wirken liegt. Doch warum sollte es Unternehmern, die Investition in Maschinen oder Gebäude auf einer Drei- oder Fünf-Jahres-Basis planen, nicht gelingen, an der wichtigsten Schaltstelle des Humankapitals, der Chefposition, zukunftsorientierte Massnahmen einzuleiten? Wie das funktioniert, haben viele KMU über Generationen hinweg gezeigt. Und lange Zeit galt das auch für Sika.

 

P.S.: Mehr zum Thema Unternehmensnachfolge lesen Sie ab Seite 40 in der April-Ausgabe.



Michael Drosten

Chefredaktor