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Brüsseler Bürokraten sind sicher über jeden Verdacht erhaben, effizient, konsequent und transparent zu arbeiten. Jüngstes Beispiel ist der Zickzack-Kurs in der Umwelt- und Energiepolitik, in der Lobbyismus und Mauschelei die Verfolgung einer einheitlichen Strategie verhindern. So hat die Europäische Kommission wenige Wochen vor Ende ihres Mandats überraschend die umstrittenen Subventionen für das Atomkraftwerk Hinkley Point in England genehmigt. Der Bau des ersten Atomkraftwerks nach Fukushima soll 43 Milliarden Euro kosten, fast die Hälfte soll aus dem Steuertopf einfliessen. Mit einem dem Anlagenbetreiber garantierten Abnahmebetrag, der nahezu das Doppelte des Marktpreises ausmacht, legitimiert die EU eine klare Wettbewerbsverzerrung, der sie doch eigentlich vehement begegnen will.

 

Aber auch auf anderer Ebene torpediert sie ihre eigenen Ziele. Denn der Fall Hinkley ist nicht nur aus politischer, wettbewerbsrechtlicher und ökologischer Sicht bemerkenswert. Auch die damit verknüpfte Frage der gesellschaftlichen Verantwortung ist diskussionswürdig. Denn es ist offenbar, dass die Politstrategen in der belgischen Hauptstadt diese sogenannte Corporate Social Responsibility (CSR) stetig gerade von Unternehmen einfordern, selbst aber nicht wirklich ernsthaft betreiben. In einer EU-Mitteilung aus dem Jahr 2011 heisst es: «Durch CSR können die Unternehmen erheblich zur Verwirklichung der im EU-Vertrag angestrebten Ziele, eine nachhaltige Entwicklung und eine äusserst wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft, beitragen.» Hinkley jedoch ist weder nachhaltig noch wettbewerbsfähig.

 

Während die EU also noch am Verhinderungsprozess selbst gesteckter Ziele werkelt, ist Corporate Social Responsibility in den Unternehmen längst angekommen. Vor allem die kleinen und mittelständischen inhabergeführten Betriebe haben ihre gesellschaftliche Verantwortung übernommen, lange bevor der CSR-Begriff überhaupt existierte. Denn ohne diese ist eine erfolgreiche Unternehmensführung über Generationen hinweg kaum möglich. Die Frage für KMU ist daher auch nicht, gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen, sondern sie als Wettbewerbsfaktor zu erkennen und in strategische Planungen einzubeziehen.



Michael Drosten

Chefredaktor