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Es mehren sich die kritischen Stimmen, die den Begriff des geistigen Eigentums und den damit verbundenen Urheberrechtsschutz in ihren aktuellen Interpretationen als nicht mehr zeitgemäss bezeichnen. Schliesslich war «Stehlen» noch nie so einfach wie im Zeitalter von Internet und Globalisierung. Neue Lösungen sollen den veränderten Bedürfnissen und Herausforderungen der Informationsgesellschaft Rechnung tragen, darin sind sich zumindest die Digital Natives einig. Jedoch geht es ihnen keineswegs darum, den Schutz zu erhöhen, sondern vielmehr eine Umsonst-Mentalität im Netz zu kultivieren. Vor allem wenn die Leistung eines Urhebers von gesellschaftlichem Belang sei, so die Argumentation, müsse sie auch frei verfügbar sein. Einer ähnlich sozialromantischen Ideologisierung ist auch die politische Gruppierung der Piraten aufgesessen, deren Verständnis von Eigentum mehr Fragen als Antworten hinterlässt.


Es ist unklar, wann genau die Begriffe «Pirat» und «Piraterie» zu gebräuchlichen Bezeichnungen für die Verletzung von Immaterialgüterrechten geworden sind. Klar ist jedoch die Suggestivkraft der Metapher: anarchische Freibeuter, die fremde Schiffe plündern und ihre Angriffe auf hoher See unternehmen, wo sie sich vor Verfolgung und Strafe sicher fühlen. Ziel ihres Beutezugs - auf die heutige Welt übertragen - sind die Ergebnisse geistigen Eigentums: Erfindungen, Patente, Marken, Designs und nicht zuletzt daraus formbare Plagiate. Und wie beim Plündern von Schiffen richten Piraten einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden an.


Grossen Schaden nehmen natürlich auch die Unternehmen. Denn geistiges Eigentum oder Intellectual Property (IP) ist ein - in manchen KMU allerdings noch unterschätzter - Vermögenswert. Gleichzeitig werden die Produkte der geistigen Aktivität wie Erfindungen, Know-how und Objekte des Urheberrechts immer wichtiger und wertvoller für das Business. Sie schaffen bei entsprechender Verwertung nachhaltiges Wachstum und bringen finanzielle und strategische Vorteile. Umso wichtiger wird es, diese Werte auch in einem globalisierten und zunehmend von Digitalisierung geprägten Wirtschaftssystem zu schützen. Und gerade deshalb darf die Idee des geistigen Eigentums, wie sie sich aus dem 18. Jahrhundert heraus entwickelte, nicht von einem wirren Zeitgeist ausgehöhlt werden.


P.S.: Mehr zum Thema «Intellectual Property» lesen Sie in der Januar/Februar-Ausgabe. (Erscheinungstag: 28. Januar 2016)



Michael Drosten

Chefredaktor