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Die Masse ist klüger als der Einzelne, schreibt der US-amerikanische Journalist in seinem Buch «Die Weisheit der Vielen». Die Veröffentlichung liegt jetzt zehn Jahre zurück. Hymnen auf die Schwarmintelligenz, diese vermeintliche Wunderwaffe des Web 2.0, die eine Demokratisierung des Wissens verheisst, sind auch heute noch zu hören. Und Crowdsourcing hat in der Gesellschaft wie auch der Wirtschaft nachhaltig Einzug gehalten. Computerwissenschaftler und Musiker Jargon Lanier dagegen warnt in seinem Essay «Digitaler Maoismus» vor der Fehlbarkeit des Online-Kollektivismus und der Gefahr eines Abgleitens des Schwarmgeistes in die Dummheit.

 

Während die einen noch über den kulturellen Mehrwertder Wiki-Welten streiten, führen findige Unternehmer den Schwarm bereits in neue Wirtschaftswelten. Sie gründen Plattformen für das Matching von Angebotund Nachfrage bei der Unternehmens- und Projektfinanzierung. Das Konzept ist einfach: Wer für ein Projekt oder seine Unternehmensgründung Geld braucht, pumpt die Internet-Gemeinde an und gibt seinen Finanzbedarf an. Wer die Idee gut findet, beteiligt sich daran. Wenn viele Menschen zumeist kleinere Beträge investieren, kommen oft vergleichsweise grosse Summen zusammen. Das nennt sich dann Crowdfunding; eine damit verbundene Unternehmensbeteiligung ist ein Crowdinvesting. Die Schwarmfinanzierung birgt allerdings Risiken, da es sich hierbei in der Regel um Angebote des Grauen Kapitalmarktes handelt und Anbieter nur wenige gesetzliche Vorschriften erfüllen müssen.

 

Auch wenn Crowdfunding und Crowdinvesting noch keine ernst zu nehmende Alternativen zu den klassischen Geldquellen sind, wird sich die Schwarmfinanzierung langfristig aus ihrer Nische herausbewegen. Wie genau diese Entwicklung aussehen wird, dürfte stark von den gesetzlichen Rahmenbedingungen abhängen. Nur selten ist eine neue Gesetzgebung Teil prophylaktischer Massnahmen. In der Regel ist sie eine Reaktion auf bereits aufgedeckte, meist kumulierte Tatbestände. Das gilt speziell auch für die Online-Welt. So häufen sich die Nachrichten über schwarze Schafe, die den Investmentmarkt im Internet entdecktund den Totalverlust der Anleger im Visier haben. Das kann auch Schwarmintelligenz nicht lösen. Juristische Regelungen und Aufsicht sind überfällig. Finanzdepartement und Finma, übernehmen Sie!



Michael Drosten

Chefredaktor