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KMU-Magazin Blog

Kryptomania

Michael Sommer

10.11.17
Internetgeld lässt das Spekulantenherz hüpfen. Der Hype um virtuelle Währungen ist dennoch wenig verständlich.

Comic-Held Superman ist unbesiegbar, mit ihm kann es niemand aufnehmen. Es gibt nur eine einzige Schwachstelle, die ihn angreifbar macht: Kryptonit. Dieses Mineral raubt ihm, je nach Farbe, die Superkräfte, spaltet die Persönlichkeit oder macht schrittweise böse.

Griechischen Ursprungs steht das Wort krypto in Verbindung mit den Bedeutungen von verborgen, versteckt, geheim. Warum die sogenannte Kryptowährung ebenso heisst, ist also klar: Es handelt sich um virtuelles Geld. Wer in Besitz des digitalen Geldes ist, beweist nur ein kryptografischer Schlüssel. Das Internetgeld ist frei von zentralen Instanzen wie zum Beispiel Banken. Komplexe Verschlüsselungsverfahren und die dezentrale Struktur sollen Fälschungen nahezu unmöglich machen, heisst es. Wie wir wissen, ist jedoch nichts unmöglich; und das gilt für virtuelle Räume erst recht. Die Realität hat bereits gezeigt, dass Bitcoins zumindest auch mal zu Hunderttausenden «verschwinden» können. Ebenso dürfte die Annahme, virtuelles Geld mache unabhängiger von Banken und Staat eher der Naivität geschuldet sein.

Das erste öffentlich gehandelte und von einem immer noch Unbekannten erfundene Kryptogeld ist der seit 2009 gehandelte Bitcoin. Heute gibt es eine fast unüberschaubare Zahl von Währungen. «coinmarketcap.com» listet am 10. November 2017 mehr als 1200 Kryptowährungen mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von rund 199 Milliarden US-Dollar. Die Nummer 1 ist nach wie vor der Bitcoin. Zuletzt hat er stark an Wert gewonnen und damit Anleger angelockt. Offenbar ganz nach dem Motto «no risk, no fun», denn der Bitcoin ist ein Spekulationsobjekt, dessen Wert sich rapide verändert.

Dass die Kryptowährung mittel- bis langfristig das Bargeld ersetzen wird, ist dennoch nicht völlig ausgeschlossen. Banken und auch Staaten basteln gern an der Abschaffung des Bargeldes. Erste Schritte sind die Einführung von Obergrenzen im Bargeldverkehr und die Limitierung der Bargeldmenge, die man von Banken abheben kann. Hinter vermeintlich wohlmeinenden Gründen stecken grosse Risiken. Es ist absehbar, dass die Volkswirtschaft völlig umgekrempelt und die Privatsphäre der Bürger stark beschnitten würde. Ohne Zweifel würde die Abschaffung des Bargeldes auch einen Kontrollverlust auf Vermögen bedeuten.

Ob in einer Zukunft die virtuelle Währung ähnliche Auswirkungen haben wird wie das eingangs erwähnte Kryptonit, erscheint nicht absolut unwahrscheinlich. Es muss natürlich nicht böse machen, kann aber ein böses Ende nehmen.