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KMU-Magazin Blog

Do or die

Michael Sommer

21.10.19
Die Grenzen zwischen Gewinnen und Scheitern liegen mitunter sehr dicht beieinander. Sportler etwa sind es gewohnt, mit Sieg und Niederlage um­zugehen. Der Unterlegene ist daher meist eher zweiter Sieger und eben nicht erster Verlierer. Dann gibt es aber noch diese ganz besonderen Momente, die mit Adrenalin und Emotionen aufgeladenen Spiele, welche Athleten wie Zuschauer zu Höchstleistungen treiben. Ob die nächste Runde im Wettbewerb, die Meisterschaft oder eine Medaille erkämpft werden soll, es geht um alles oder nichts. Ein Sieg ist absolute Pflicht. Eine klassische «Do or die»-Situation also.

Natürlich kennen wir «Do or die»-Situationen – in anderen Ausprägungen und Tempi – auch im Geschäftsleben. Speziell Disruptionen, wie aktuell die der digitalen Transformation, bringen Unternehmen in eine solche Lage. Es sind vor allem Berater, die zum schnellen Sprung auf den digitalen Zug raten, um nicht vom Wettbewerb ab­gehängt zu werden. «Be digital or be dead!», pointiert etwa Jack Ramsay, Managing Director des Beratungsdienstleisters Accenture, seine Sichtweise. Für Unternehmer stellt sich dabei die existenzielle Frage, wie sie die digitale Transformation gewinnbringend für sich gestalten können, ohne das angestammte Kerngeschäft aus dem Blick zu verlieren. 

Eine vermeintliche Lösung ist die sogenannte Ambidextrie. Vom lateinischen Ursprung her bedeutet die Wortschöpfung Beidhändigkeit und meint, im Tagesgeschäft für Effizienzsteigerung zu sorgen und gleichzeitig ideale Bedingungen für das Entdecken von Neuem, für Innovationen, zu schaffen. Sicher ein interessanter Ansatz. Doch wie Ambidextrie konkret gestaltet werden kann, darüber scheint es noch keine Sicherheit zu geben. Aber müssen Führungskräfte denn auch wirklich beidhändig sein? Wie sollen Tagesgeschäft und Innovation organisiert sein? Generiert nicht auch das Tagesgeschäft Wertschöpfungspotenziale für Innovation? Und kann Ambidextrie das Innovationsdilemma lösen, das Unternehmen anhängt, denen der eigene Erfolg im Wege steht, weil sie dadurch Disruptionen nicht erkennen (wollen)? Auf diese Fragen liefert ein binäres System keine Antworten. Die grösste Herausforderung auch und gerade während der digitalen Transformation bleibt also, den gesunden Menschenverstand nicht zu verlieren. Und die passende Phrase hierzu: Be smart or be dead.

Lesen Sie mehr zu den Themen Disruption und Ambidextrie in der Ausgabe Nr. 9.