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KMU-Magazin Blog

Der Y-Faktor

Michael Sommer

27.02.20
Lange bevor «agiles Management» und «agiles Führen» zu Trendbewegungen anwuchsen, erkannten Management-Vordenker die steigende Komplexität ökonomischer Strukturen und ihre Auswirkungen auf die Unternehmensleitung.

In der Wissenschaft taucht der Begriff Agilität erstmals in den 1950er- Jahren im Umfeld der Sozialwissenschaften auf. Zu dieser Zeit untersuchte Douglas McGregor, Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT), die Zusammenhänge unterschiedlicher Führungsstile und ihre jeweils zugrunde liegenden Menschenbilder. In seinem 1960 erschienenen Buch «The Human Side of Enterprise» beschreibt er, mit welchen Grundannahmen Führungskräfte ihren Mitarbeitern begegnen. Dazu entwickelte er die Theorien X und Y.  Sie gehen davon aus, dass es zwei verschiedene Denkweisen gibt. Theorie X betrachtet Menschen als faul und arbeitsscheu, Theorie Y als lernwillig und arbeitsbereit.  X-Menschen müssen demnach kontrolliert werden, während Y-Menschen sich entfalten, wenn sie den Raum dafür bekommen.

Agiles Führen nimmt die Y-Theorie als Basis und setzt als unabdingbaren Grundpfeiler die Fähigkeit zur Selbstorganisation, die ein wesentlicher Schlüssel zu Produkti­vität, Zielerreichung und Zufriedenheit ist. Sie kann zum einen in Form der indivi­duellen Befähigung stattfinden, zum anderen als alternative Organisationsform im Unternehmen, bei der das Thema Führung ins Team integriert wird. Diese Idee der Selbstorganisation geht zurück auf den ehemaligen McKinsey-Berater Frédéric Laloux, der in seinem Buch «Reinventing Organizations» unter dem Oberbegriff «New Work» hoch motivierte Mitarbeiter und wandlungsfähige Organisationen beschreibt.

Laloux wie auch McGregor gehen in ihren Ausführungen davon aus,  dass sich Mit­arbeiter letztlich nicht nach dem Gefallen des Managements verändern. Vielmehr stecke in ihnen ein konstruktives Potenzial, das mit Gewinn entwickelt werden könne – wenn das Management bereit sei, seinen eigenen Einfluss auf das Verhalten der Mitarbeiter zu überprüfen. Diese positive Einstellung ist berechtigt und für das sogenannte agile Führen notwendig. Jedoch zeigt uns die Realität, dass nicht jedes Unternehmen ausschliesslich mit Y-Mitarbeitern gesegnet ist. Und hat die Praxis nicht auch gezeigt, dass sowohl ein Führungsstil nach Theorie Y als auch ein Führungsstil nach Theorie X gut funktionieren können?

P.S.: Mehr zum Thema Selbstorganisation und Agilität in der Ausgabe Nr. 11/12 2019.