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KMU-Magazin Blog

Der Robo-Boss

Michael Sommer

29.11.19
Ein neuer Meilenstein markiert den Zeitstrahl der Evolutionsgeschichte: Wir stehen an einem Wendepunkt, an dem darüber zu entscheiden ist, wie das re­ziproke Verhältnis zwischen Mensch und Maschine fortgesetzt wird. Dabei geht es nicht einfach nur um effizientere Automatisierungsprozesse, sondern um den Einsatz von künstlicher Intelligenz, kurz KI oder auch AI für Artificial Intelligence, auf höchstem Niveau.

Der Wissenschaftler Tuomas Sandholm und sein Team haben der Illusion von emotionaler und kreativer Überlegenheit des Menschen ein Ende bereitet. Ihr KI-System «Libratus» übertrumpfte in einem Turnier die weltbesten Pokerspieler.  Das ist deswegen bemerkenswert, weil Spiele wie Poker als schwierig für Computer galten, da sie stark von Intuition und einer Einschätzung der anderen Spieler abhängen.

Offenbar bedeuten bisherige Erkenntnisse und der rasante Fortschritt in der KI-Entwicklung jedoch noch nicht sehr viel für Unternehmen. Gemäss der PwC-Studie «European Private Business Survey 2019» waren nur vier Prozent der befragten Schweizer Unternehmen von der Relevanz der KI überzeugt. Dass es für die digitale Transformation Führungskräfte braucht, die mit den hierfür notwendigen Skills ausgestattet sind, dürfte dagegen unbestritten sein. Dies, verbunden mit einer neuen Art des Führungsstils, macht den sogenannten Digital Leader aus. Die Ansprüche an einen Digital Leader sind, wie in den vielen Abhandlungen darüber zu lesen ist, so umfangreich, dass sie eigentlich fast nicht zu leisten sind.  In Kombination mit Big Data kann jetzt KI dabei unterstützen, faktenbasierte Entscheidungen zu treffen und daraus auch neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Eine Studie von Microsoft und EY zeigt zudem: Je weiter ein Unternehmen im Bereich KI fortgeschritten ist, desto stärker soll auch Sozialkompetenz etabliert sein. Eine Studie des MIT (Massachusetts Institute of Technology) geht noch weiter. Demnach sollen Arbeiter unter der Führung eines Roboters zufriedener sein.

Wie digital – oder digitalisiert – sollte also ein Leader sein? Und wie viele Stadien wird die KI wohl noch durchlaufen, bis sie nicht nur Mitarbeiter mit repetitiven Aufgaben, sondern auch den Leader ersetzen kann? Wenn das Szenario eines Robo-­Bosses verhindert werden soll, ist es elementar, dass Führungskräfte die Möglich­keiten der KI durchschauen und für sich und ihr Unternehmen nutzbar machen, sich jedoch nicht einem Technikwahn unterordnen. An dieser Stelle ausnahmsweise mal eine Buchempfehlung: In «Homo Deus» beschreibt Autor Harari sehr anschaulich die Evolutionsgeschichte des Menschen hin zur KI-beherrschten Welt.

Mehr zu den Themen Digital Leadership und KI lesen Sie in der Ausgabe Nr. 10/2019.