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KMU-Magazin Blog

Der neue «Homo mobilis»

Michael Sommer

13.04.17
Der Mensch war schon immer auch ein «Homo mobilis». Die digitale Transformation definiert ihn jedoch neu.

Das Thema «Evolution» ist nichts für ungeduldige Menschen. Bisher, denn: Die Entwicklung des Sonnensystems, des Planeten Erde und der darauf existierenden Lebewesen geht auf einen mehr als 4 Milliarden Jahre andauernden Prozess zurück. Der «Homo sapiens», der wissende Mensch, betrat vor 200 000 Jahren die Lebensbühne. Während dieser Zeit drängte die selbsternannte Krönung der Schöpfung die biologische Evolution im Sinne Darwins zurück und stellte eigene Regeln auf, die seiner Entwicklung immer kürzere Taktzeiten geboten. Von den 200 000 Jahren seiner Existenz war der «Homo sapiens» 190 000 Jahre Jäger und Sammler, seit 10 000 Jahren ist er Bauer und Viehzüchter, seit 200 Jahren benutzt er flächendeckend Maschinen, erst seit rund 20 Jahren Computer mit Internetverbindung, und: seit etwa 10 Jahren Smartphones.

Dass der Mensch von seinen Techniken und Technologien überholt zu werden droht, hat indes offenbar keine Auswirkungen auf seine evolutionären Anpassungsqualitäten. Auch wenn der Mensch von heute sich als «Homo sapiens sapiens», also als besonders
wissend, bezeichnet, ist er im Vergleich zu seinen Vorfahren körperlich schwächer und mit kleineren Gehirnen ausgestattet, zudem kämpft er gegen Knochenschwund, Kurzsichtigkeit und Allergien. Ursachen dafür sind, kurz gefasst, reduzierte Bewegungsabläufe
durch zivilisatorische Errungenschaften. Denn der Mensch war immer auch ein «Homo mobilis», ein auf Wanderbewegungen ausgerichtetes Lebewesen.

Das erscheint heute anders. Je enger reale und virtuelle Welt zusammengehen, je prägender Social Networks sind, je mehr Smartphones also zum allzeit verfügbaren Lebenspartner werden, desto intensiver die Wahrnehmung einer ganz neuen Form der Mobilität. Einer Mobilität mit grossen gesellschaftlichen Auswirkungen und extremer Marketingrelevanz. Zur Kehrseite gehört ein Abhängigkeitsverhältnis, das zunehmend zu einer Nomophobie (no mobile phone phobia) führt, einem Zustand der Angst davor, unerreichbar für soziale und geschäftliche Kontakte zu sein. Zudem hat vor einigen Jahren eine Studie für Aufsehen gesorgt, mit der Dr. Kenneth Hansraj vom New Yorker Klinikum für Wirbelsäulenchirurgie die Auswirkungen intensiver Handynutzung untersuchte, wonach die Demutshaltung Richtung Handy den aufrechten Gang gefährdet. Weil die Bänder im Halsbereich den immer schwerer nach unten ziehenden Kopf halten müssen, werden die Knochen der Wirbelsäule mitwachsen, heisst es.Vorbild ist das Bison. Der Widerrist genannte Wirbelfortsatz, der den mächtigen Kopf hält, kann 50 Zentimeter lang werden.So bekommt der Begriff «Homo mobilis» natürlich auch eine ganz neue Bedeutung.

 

Mehr zur Zielgruppe «Homo mobilis» in der nächsten Ausgabe des «KMU-Magazin», die am 24. Mai erscheint.