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Ausnahmezustand

Michael Sommer

18.05.20
Nomen est omen. Ohne Zweifel gebührt dem Corona-Virus die Krisen-Krone. Dessen Auswirkungen und die Massnahmen des Bundes gehen in ihrer Komplexität bei Weitem über das aus der Finanzkrise 2008 Bekannte hinaus.

Diesmal wird sich die besorgniserregende Situation vermutlich nicht allein mit geldpolitischen Instrumenten lösen lassen, denn Covid-19 trifft Gesellschaft und Politik mit ihren demokratischen Strukturen bis ins Mark. Die wirtschaftlichen Folgen sind noch gar nicht absehbar, doch eine gewaltige Pleitewelle gilt als sicher. Selbst eine Weltwirtschaftskrise und die De-Globalisierung können nicht völlig ausgeschlossen werden. Pandemiepläne dürften wohl bei den wenigsten Unternehmen Teil ihres Risikomanagements sein. So geht es in vielen Betrieben zunächst um das nackte Überleben. 

Sicher ist aber auch, wenngleich derzeit vielleicht wenig tröstlich, dass es noch keine Krise gab, die nicht irgendwann ihr Ende fand. Im Zustand des Schocks ist es schwer vermittelbar, davon zu sprechen, dass Krisen auch Chancen bergen. Das Charakteris­tikum eines Ausnahmezustands ist jedoch, dass dieser eben eine Ausnahme ist. Entscheidend für Wohl und Wehe ist somit der Zeitfaktor. Es ist daher von Bedeutung, dass nach den ersten Schockwellen und dem Sich-Arrangieren mit der neuen Situation auch der Blick darauf gelegt wird, was wir aus der Krise lernen müssen, wie es nach Krisenende mit dem Unternehmen weitergehen soll und welches die relevanten Schritte in Richtung Turnaround sind. Denn einen Gap zwischen Krisenende und Aufschwung darf es nicht geben.

Nach der finanziellen Absicherung des Unternehmens muss es daher um strategische Überlegungen gehen, wie eine Weiterentwicklung, wie Wachstum möglich sind. Dafür braucht es eine Führung, die Mitarbeitern und anderen Stakeholdern klare Leit­planken für eine positiv besetzte Orientierung vorgibt. Die aktuelle Zeit, die auch eine Entschleunigung bringt, ist die Zeit, neue Kräfte zu sammeln. Und sie kann nützlich sein, Produkte, Prozesse, Management und Marketing einer 360-Grad-Betrachtung unter neuen Bedingungen zu unterziehen. So wird die Krise die Nutzung digitaler Möglichkeiten weiter beschleunigen. Die Krise wird aber auch zum Hinterfragen von allzu einseitigen Abhängigkeiten führen, wie etwa in Bezug auf chinadominierte Lieferketten. Der unternehmerische Fokus wird daher einen veränderten Blickwinkel auf Strategie- und Managementthemen haben und auch Unternehmensresilienz stärker gewichten als in der Vergangenheit.

P.S.: Mehr zum Thema Krisenbewältigung finden Sie unter www.kmu-magazin.ch/Krisenbewaeltigung.