«Modern Times», vor genau 90 Jahren erschienen, ist ein Klassiker der späten Stummfilmära – und hinter viel Slapstick eine kritische Auseinandersetzung mit der zweiten Industriellen Revolution, deren Massenproduktion und Taylorismus enorme wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Umwälzungen anstiess.
Heute befinden wir uns – je nach Definition – inmitten der vierten oder fünften Revolution. Unsere Arbeitswelt wird nicht mehr von riesigen Zahnrädern geprägt, sondern von Milliarden winziger Schaltkreise, in denen KI-Modelle daran sind, unsere Realität umzumodeln. Wie tiefgreifend diese Entwicklung ist, zeigt sich auch am Platz, den das Thema in unserem Magazin einnimmt. Während Chaplins Werk noch in schlichtem Schwarzweiss daherkam, tun wir gut daran, sämtliche Schattierungen des aktuellen Wandels im Blick zu haben. Die Chancen zu nutzen – ohne die Risiken zu ignorieren, die gerade in den letzten Wochen für Schlagzeilen sorgten.
Eines dieser Risiken beleuchten etwa Thomas Bigliel und Kathrin Neumüller in ihrem Fachbeitrag: Wer Künstliche Intelligenz im Recruiting einsetzt, muss damit rechnen, dass Algorithmen dazu neigen, menschliche Vorurteile zu reproduzieren. Auch Johan Poccard und Iason Kastanis beschäftigen sich in ihrem Beitrag mit der Beziehung zwischen Mensch und Maschine: Wo kann maschinelles Lernen menschliche Leistungen tatsächlich übertreffen – und wo nicht?
Wo wir gerade bei menschlicher Leistung sind: Wie sich ein Blackout im falschen Moment verhindern lässt, warum solche Aussetzer nichts mit mangelnder Kompetenz zu tun haben und welche drei Strategien im Akutfall helfen, erläutert ein erhellender Fachartikel von Evelin Kürsteiner.
Apropos Blackout: Am 4. Dezember gehen im KKL Luzern die Saallichter aus. Und zwar für eine Jubiläums-Aufführung von «Modern Times», live begleitet von einem 50-köpfigen Symphonieorchester. Eine schöne Gelegenheit für alle, die sich einmal mit vergangenen statt laufenden Tech-Revolutionen beschäftigen wollen.