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Strategie & Management
Qualitätsmanagement in der Baubranche

«Wir brauchen ein ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis»

Prof. Max W. Twerenbold (Autor)

01.09.12 - 15:15

Wo manifestiert sich der Wandel in der Baubranche besonders stark? Wie steht es um das Qualitätsbewusstsein der Bauherrschaft? Und was bringt den Baudienstleistern die Zertifizierung? «KMU-Magazin» hat Exponenten der Branche – alle mit Qualitätszertifikat notabene – um ihre Einschätzung zu diesen Fragen gebeten.

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Markus Meier Joos: Die Zertifizierung der Prozesse bzw. der Managementsysteme des Bauherren bildet die Grundlage für ein sich stetig weiterentwickelndes Qualitätsmanagement und für die Verbesserung der Steuerung der Qualität von Bauprojekten im Sinne einer lernenden Organisation.

Zertifizierungen von Gebäuden spielen für uns Bauherren eine Rolle als Nachweis der baulichen Qualität gegenüber der Öffentlichkeit. Diese Zertifizierungen haben aber leider eine beschränkte Sichtweise über das Bauvorhaben. Architektonische und andere bauliche Qualitäten werden kaum beachtet. Es fehlt die Gesamtbetrachtung der Werte eines Bauvorhabens. Ganzheitliche Zertifizierungen (soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit) wären deshalb wünschenswert.

Arthur Casagrande: Der Qualitätsprozess unterstützt in erster Linie bei der Umsetzung unserer Vorstellung effizienten Arbeitens. Damit verbunden sind Vorteile wie die Optimierung des administrativen Aufwandes, die Gewährleistung des Zugriffs auf aktuelle Gesetze und Normen, die Auffindbarkeit von Dokumenten und die Nachverfolgbarkeit getroffener Entscheide. «In Form» bleiben wir durch den selbst gewählten sanften Druck von aussen, nämlich durch die jährlichen Rezertifizierungen unseres Büros zur Überprüfung der Qualitätsdefinitionen. «Added Value», Zusatznutzen ergibt sich regelmässig aus den Gesprächen mit dem SQS-Auditor. 

Christian Hunziker: Dank der frühen Zertifizierung im Jahr 1994 sind unsere Prozesse sehr gut optimiert. Richtig angewendet entstehen weniger Fehler, die Dokumentation ist immer à-jour und die Durchlaufzeiten werden schneller. In unserem Qualitätsmanagement ist auch die Aus- und Weiterbildung genau definiert. So erarbeiten wir uns mit dem Treiber «Strategie» das Wissen für die Zukunft. Und in einer «Schadendatenbank» identifizieren wir Themen, die wir schlecht beherrschen, folglich mit zusätzlicher Weiterbildung nachbearbeitet werden müssen. Ein dritter Treiber nimmt die Ideen der Mitarbeitenden für Schulungsthemen auf. Zusammengefasst: Die Zertifizierung bewirkt vor allem intern die gewünschten Effekte. Nach aussen hin bringt die Zertifizierung nur wenig Nutzen.

Hans-Peter Domanig: Die Zertifizierung bringt uns einen hohen Nutzen, weil von einem hohen Standard ausgegangen werden kann. Alle Prozesse sind klar strukturiert und transparent, was uns ermöglicht, gute Dienstleistungen anzubieten und diese stetig zu verbessern.