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Strategie & Management
Führungsstrategien

Health Promoting Leadership (HPL): Leistung und Gesundheit fördern

Dr. Simone Grebner (Autor)

01.07.13 - 08:00

Health Promoting Leadership (HPL) verbindet Leistungs- mit Gesundheitsförderung. HPL erhöht die Zufriedenheit, die allgemeine Leistungsfähigkeit und reduziert Stress, Burnout und Gesundheitsprobleme. Was genau hinter HPL steckt, zeigt folgender Beitrag.

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HPL in der Anwendung

Low-key oder high-key?

HPL kann auf unterschiedliche Weise angegangen werden. Einzelne Führungskräfte können HPL problembezogen anwenden (low-key). Sie können dabei ausgewählte Strategien optimieren (z.B. Ressourcen maximieren) oder an allen vier HPL-Aspekten gleichzeitig ansetzen und Mitarbeiterfeedback einholen (high-key). Dafür empfiehlt sich die Teilnahme an einem Workshop oder individuelle Beratung.

Als Teil der Unternehmensstrategie

Health Promotion Leadership kann auch Teil der Unternehmensstrategie werden. Dies empfiehlt sich insbesondere dann, wenn Umstrukturierungen anstehen. HPL wird dann durch eine betriebliche Steuerungsgruppe eingeführt. Führungskräfte nehmen an einem HPL-Workshop teil, schätzen ihr eigenes Führungsverhalten ein, erhalten Feedback von Mitarbeitenden und setzen sich HPL-Ziele, die in einem Follow-up-Workshop überprüft werden. HPL sollte in diesem Fall mit anderen, bereits laufenden oder geplanten betrieblichen Massnahmen abgestimmt werden).

Workshops als Basis

HPL stützt sich auf Selbsteinschätzung der Führungskräfte. Dazu wird ein Fragebogen und Selbstreflektion im Workshop verwendet (z.B. «Handeln Sie unter Druck auf ruhige Weise?», «Geben Sie mehr positives als negatives Feedback?», Donaldson-Feilder, 2009).

Ausserdem kann Feedback von Mitarbeitenden beigezogen werden (high-key). Dabei beantworten Mitarbeitende dieselben Fragen aus ihrer Sicht (z.B. «Handelt ihr/e Vorgesetzte/r unter Druck auf ruhige Weise?» und «Mein/e Vorgesetzte gibt mehr positives als negatives Feedback»). Mitarbeiterfeedback erhöht den HPL-Erfolg. Führungskräfte erhalten dadurch auch Lob und Anerkennung und erfahren, welches Verhalten sie optimieren können. Feedback weckt allerdings Erwartungen. Wenn Mitarbeitende nach ihrer Meinung gefragt werden, gehen sie davon aus, dass sich ihre Vorgesetzten danach noch mehr anstrengen.

Eine amerikanische Überblicksstudie (Avolio, 2009) integriert die Ergebnisse von über 200 internationalen Studien, welche die Wirkung von Führungstrainings untersucht haben. Teilgenommen haben über 10 000 Führungskräfte aller Führungsebenen. Gemäss dieser Studie profitieren alle Führungsebenen von Führungsworkshops. Dies kann auf HPL-Workshops übertragen werden. Am meisten Erfolg zeigen Schulungen bei unteren Führungsebenen (Avolio, 2009). Sehr erfahrene Führungskräfte übernehmen in HPL-Workshops eine Vorbildfunktion und lernen, wie HPL auf Unternehmensebene lanciert werden kann. In Abbildung 6 ist der Ablauf eines HPL-Workshops schematisch dargestellt.

Idealerweise wird nach einigen Monaten ein Follow-up-Workshop durchgeführt (Donaldson-Feilder et al., 2011). Ein Refreshing-Workshop zirka ein Jahr später ermöglicht, langfristige Zielerreichung zu überprüfen und weitere Tipps zu erhalten.Eine Untersuchung aus Grossbritannien (Donaldson-Feilder et al., 2009) zeigt, wie HPL-Workshops ankommen. 85 Prozent der teilnehmenden Manager wollten HPL nach dem Workshop anwenden. Die meisten fühlten sich dabei durch die Unternehmensleitung unterstützt, auch wenn die erforderliche Zeit nicht immer ganz ausreichte und die Unterstützung häufig nur zu Beginn der Massnahme gegeben wurde.

Porträt

Dr. Simone Grebner (Autor)

Unternehmensberaterin

Dr. Simone Grebner ist Inhaberin der Grebner AFB Unternehmensberatung. Sie verfügt über langjährige Beratungs- und Schulungspraxis. Grebner bietet Workshops, Seminare, Vorträge und Projekte an. Sie ist Hauptautorin der Stress-Studie 2010 (Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco) und Autorin zahlreicher Artikel und Buchkapitel über Arbeitsthemen.