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Strategie & Management
Excellence (Teil 8 von 8) - Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft übernehmen

Erfolgsfaktoren ganzheitlicher Unternehmensführung

Werner von Allmen (Autor)

01.07.12 - 09:45

Das EFQM-Excellence-Modell ist ein Führungs- und Leistungssystem sowie ein Denkmodell, das Führungs­kräften als Orientierungshilfe wertvolle Dienste leistet. Es ist eine Annäherung an die ideale Unternehmensführung, in deren Zentrum die systematische Verbesserung der Wettbewerbsstärke steht. Im letzten Teil der Artikel­serie beschäftigen wir uns mit dem Grundkonzept «Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft übernehmen».

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In der zunehmend globalisierten Welt mit den unbeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten und dem freien Kapital- und Personenverkehr lassen sich kulturelle Eigenheiten, politische Rahmenbedingungen oder wirtschaftliche Interessen, selbst innerhalb der eigenen Landesgrenzen, nicht mehr ungeachtet der Interessen anderer Stakeholder leben. Die Spielregeln werden vermehrt von überge­ordne­ten Instanzen wie zum Beispiel dem Europäi­schen Gerichtshof festgelegt, überwacht und durchgesetzt. Parallel dazu ist eine wachsende Sensibilität der Stakeholder auszumachen. Dies führt zu neuen Regeln und Anforderungen.

Ein Beispiel aus den vergangenen Jahren ist das Bankgeheimnis, das den Schweizer Geldhäusern über Jahrzehnte exorbitante Erträge in die Kassen spülte. Aber ertragreiche Geschäftsmodelle, die auf Kosten anderer Hoheitsgebiete gehen, haben bei voranschreitender Globalisierung kaum noch Überlebenschancen.

Die Führungsphilosophie

Nachhaltigkeit im unternehmerischen Sinn ist keine Disziplin, keine zusätzliche Anforderung, die es zu erfüllen gilt und schon gar nicht ein trendiges Marketinginstrument zur Gewinnung von Marktanteilen. Die Nachhaltigkeitsberichte von unzähligen Organisationen in Wirtschaft und Verwaltung machen deutlich, dass die Thematik heute längst über das Stadium der Alibikosmetik oder imagebildenden Marketingaktionen hinausgeht.

Nachhaltigkeit ist eine Geisteshaltung und Führungsphilosophie, die die ökonomischen, sozialen und ökologischen Aspekte ganzheitlich abdeckt und beinahe sämtliche Vorgaben, Methoden, Instrumente, Verhalten und Aktivitäten einer Organisation auf allen Hierarchiestufen umfasst. Sie bildet die Grundlage verantwortungsvollen unternehmerischen Handelns und gehört zu den Führungsaufgaben erster Priorität.

Wege zur Nachhaltigkeit

Wie bei nahezu allen komplexen Aufgabenstellungen gilt auch hier «viele Wege führen nach Rom». Sicher ist, dass eine Voraussetzung immer gilt: das Commitment der Führung, die gemeinsamen Werte und Absichten, sich als Teil eines Ganzen zu verstehen und den Weg im Sinne der «Sustainable Excellence» zu gehen. Das Vorgehen könnte folgende Phasen umfassen:

  • Das eigene Geschäftsmodell darstellen und verstehen.
  • Die Vernetzung im wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Umfeld darstellen.
  • Die Bedürfnisse der Stakeholder erkennen und formulieren.
  • Die eigenen Schlüsselkompetenzen und deren Nutzen für die Gesellschaft definieren.
  • Die übergeordneten Absichten und Ziele formulieren.
  • Führungs- und Verhaltensgrundsätze und Qualitätsnormen erarbeiten.
  • In der Strategie die Schwerpunkte im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit berücksichtigen.
  • Eine offene und transparente Kommunikation gegen innen und aussen sicherstellen.
  • Mitarbeitende einbeziehen und sensibilisieren und die Umsetzung auf der operativen Ebene durchsetzen.
  • Aktivitäten und Massnahmen aktiv lenken und deren Wirkung überwachen.

Die Art und Weise, wie eine Organisation mit Aufgabenstellungen und Fragen der Nachhaltigkeit umgeht, ist Ausdruck der Unternehmenskultur. Kulturen lassen sich, im Gegensatz zu strukturellen oder gar operativen Aufgabenstellungen, nur sehr langsam verändern. Ein Kulturwandel ist ein Paradigmenwechsel, der mit dem Verhalten der Führung steht und fällt. Mit dem Commitment alleine ist es nicht getan. Voraussetzung sind eine kohärente Führungskultur, eine klare Kommunikation, Führungskräfte, die ihre Vorbildfunktion wahrnehmen, die Mitarbeitenden auf allen Stufen einbeziehen und den Change-Prozess aktiv begleiten. In aller Regel müssen nur wenige neue Methoden und Instrumente aufgebaut und implementiert werden. Es sind Nachhaltigkeitskriterien, -checks und -berichte, die die bestehenden Führungsinstrumente auf normativer, strategischer und operativer Ebene ergänzen. Beinahe sämtliche Grossunternehmen und Globalplayer beschäftigen sich intensiv mit der Thematik und berichten über die angewandten Vorgehen und Ergebnisse.

Der führende Schweizer Baudienstleister Implenia hat als einer der Grossen in der Branche einen Code of Conuct (Corporate Guidelines) entwickelt, zu dem sich sämtliche der über 6000 Mitarbeitenden bekennen mussten. Es ist ein Instrument, das die Grundlage für eine durchgängige Verhaltensänderung bildet und nachfolgende Themen regelt:

  1. Grundwerte der Implenia
  2. Soziale Verantwortung
  3. Umwelt, Gesundheit und Sicherheit
  4. Integrität und gesetzeskonformes Handeln
  5. Datenschutz
  6. Nutzen von Ressourcen zur Informationsverarbeitung
  7. Vertraulichkeit und Interessenkonflikte
  8. Drogen und Alkohol
  9. Korruptionsverdacht
  10. Einhaltung des Kartellrechts
  11. Übernahme externer Regeln
  12. Ausführung und Kontrolle

Eine interessante Plattform für nachhaltiges Wirtschaften stellt das Öbu-Netzwerk, in dem gegen 400 Schweizer Unternehmen zusammengeschlossen sind, zur Verfügung. Die Öbu ist ein Think-Tank für Nachhaltigkeits- und Management-Themen. Sie realisiert unternehmensspezifische und wirtschaftspolitische Projekte, fördert den Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern und stellt Verbindungen zwischen Unternehmen, Verwaltungen, Politik, NGO’s, Fachverbänden, Medien und Öffentlichkeit her.

Im Zentrum stehen Themen wie die Belastung der Umwelt durch Emissionen, die zunehmende Rohstoffverknappung sowie die wachsenden sozialen Spannungen, die neue Anforderungen an die gesamte Gesellschaft stellen. Sie bietet auf verschiedenen Ebenen Instrumente an, mit denen die neuen Herausforderungen erfolgreich bewältigt werden können.

Porträt

Werner von Allmen (Autor)

CEO, Swiss Excellence Forum

Werner von Allmen ist CEO des Swiss Excellence Forum und Autor verschiedener Bücher und Publikationen im Bereich Unternehmensführung. 

Das Swiss Excellence Forum unterstützt Führungskräfte und Organisationen mit Trainings, Coaching und erprobten Instrumenten bei der Erreichung ihrer persönlichen und unternehmerischen Ziele. Zudem hilft und begleitet das Forum Organisationen und Führungskräfte bei der Projekt­leitung und Umsetzung über den gesamten digitalen Transformationsprozess. Im Zentrum stehen die Schaffung der normativen und strategischen Voraus­setzungen, die Befähigung der Führungskräfte sowie die Implementierung praxiserprobter Entwicklungs-, Führungs- und Controllinginstrumente.