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Die Wege des Handels nach Corona – fünf Hypothesen

Carsten Szameitat (Autor)

09.04.20 - 14:15

Aus Sorge ums nackte Überleben blenden derzeit viele Unternehmen den Blick auf die Zukunftsfähigkeit des eigenen Geschäfts nach dem Ende der Pandemie aus. Dies ist einerseits verständlich, führt aber andererseits längerfristig in eine noch schwerwiegendere Krise. Hilfreicher ist es, wenn sich ein klares Ziel erkennen lässt, auf das zugesteuert werden sollte. Der Beitrag zeigt fünf hypothetische Annahmen für Handelsgeschäfte.

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Hypothese 4: Physisches Payment vor Ort wird minimiert

Angesichts von Covid-19 wird vermehrt zur Karten- beziehungsweise kontaktlosen Zahlung aufgerufen – in einigen Geschäften ist Bargeld sogar komplett tabu. Dies dürfte den Wandel bei den Bezahlmethoden deutlich beschleunigen. Denn derzeit ist man beim Mobile Payment, also dem Begleichen der Rechnung mit dem Smartphone, wohl am besten vor einer Ansteckung geschützt, da im Normalfall selbst die PIN-Eingabe bzw. der Fingerabdruckscan auf dem eigenen Gerät erfolgen. Bei fortschrittlichen kassenlosen Systemen wie dem Amazon Go Grocery-Laden in Seattle hat das Handy sogar noch eine bedeutendere Funktion. Beim Betreten der Filiale werden Kunden in diesem Fall über ihren Amazon-Account und einen via App generierten QR-Code eindeutig identifiziert und können danach einfach wie gewohnt Artikel in ihren Warenkorb legen. Eine Kassenzone gibt es allerdings nicht mehr, so dass sie einfach mit ihrem gesamten Einkauf aus dem Geschäft spazieren. Abgerechnet wird automatisch über Amazon.

Ehemals für das Internet reservierte Bezahlverfahren gewinnen allgemein an Bedeutung, weil sie sich ebenfalls für physische Services nutzen lassen. Es spricht beispielsweise wenig dagegen, Kunden im stationären Handel Paypalund weitere zuvor nicht unterstützte Zahlungsarten anzubieten. Wie beim E-Commerce gilt auch hier, dass Kunden eine grosse Vielfalt an Payment- Optionen durchaus schätzen. Gerade die hoffentlich nach der Krise wieder zahlreich ins Land strömenden ausländischen Touristen sind froh, wenn sie ihre Einkäufe weiter mit der von zu Hause gewohnten Zahlmethode begleichen können. Einem rein auf Bargeld und Kartenzahlung setzenden Laden entgehen künftig vermutlich viele Umsätze. Die aufgrund der derzeit hohen Anschaffungskosten für alternative Technik vermutlich noch länger nicht zum alten Eisen gehörenden Kassensysteme sollten es deshalb ermöglichen, selbst derzeit eher exotisch wirkende Bezahlsysteme schnell einzubinden. Aufgrund der Komplexität des Themas ist dabei die Zusammenarbeit mit einem auf Payment spezialisierten Unternehmen anzuraten.

Hypothese 5: Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung

Auch wenn derzeit natürlich etwas anderes medial im Vordergrund steht, bleiben Umweltschutz und Nachhaltigkeit weiter auf der Agenda – gerade weil uns die aktuelle Krise vor Augen führt, wie schnell eine eigentlich stabile Gesellschaft fragil werden kann. Händler und Hersteller sollten sich deshalb gleichermassen fragen, an welchen Stellschrauben sie drehen können, um nachhaltiger produzierte Produkte anzubieten, den enormen Verpackungsmüll zu reduzieren und der Wegwerfmentalität Einhalt zu gebieten. Dies wird sich abgesehen von radikalen Massnahmen, mit denen sich eine ganz spezielle Zielgruppe anlocken lässt, sicher nicht gleich auf den Verkaufserfolg niederschlagen. Langfristig dürfte zumindest das Image bei den Jüngeren aber darunter leiden, wenn Unternehmen einfach weiter wie bisher agieren, ohne die Probleme des Planeten in ihre Strategie mit einzubeziehen.

Porträt

Carsten Szameitat (Autor)

Vorstandsvorsitzender, Direktor

Carsten Szameitat ist Vorstandsvorsitzender der Location Based Marketing Association DACH e.V. (LBMA) und Direktor der Messe Internet World Expo. Die LBMA ist ein internationaler Verband, der die Verbindung der realen Welt mit der digitalen Welt in das Zentrum seiner Aktivitäten stellt. Die Internet World Expo ist die nach eigenen Angaben grösste europäische E-Commerce Messe.