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Strategie & Management
Wachstum durch Wertschöpfung (Teil 4 von 4)

Der Unternehmer als Initiator

Christoph Grosser (Autor), Norbert Zeller (Autor)

01.09.14 - 15:45

Das kräftige Wachstum der Schweizer Wirtschaft ist zuletzt vor allem durch Zuwanderung entstanden, während die Produktivität seit dem Jahr 2009 stagniert. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Unternehmen vermehrt auf Produktivitätszuwachs bauen. Dieser Beitrag beschreibt drei mögliche Wege zur Steigerung der eigenen Wertschöpfung.

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Einfach anders sein

Gerade wenn man den Anspruch hat, neue Produkte und Services zur Marktreife zu bringen und das Wachstum in der Zukunft zu sichern, sind heute häufig neue Antworten auf alte Fragen nötig. In diesem wesentlichen Punkt machen es erfolgreiche Start-ups besser als etablierte Unternehmen und wirbeln dadurch häufig ganze Branchen durcheinander. Welches sind die Wege von Start-ups, welche erfolgreich anders sind und auf die immer gleichbleibenden Fragestellungen neue Antworten finden?

Aus dem Nichts etwas schaffen

Wenn die Idee verrückt ist, der Weg zu lang und steinig und die Projektpläne vielschichtig und komplex sind, gibt es nur eine Alternative: Aus dem Nichts heraus einen neuen Unternehmenszweig entstehen zu lassen. Ihn Schritt um Schritt nach vorne zu treiben, so wie die Ressourcen es zulassen und wie der Markt jeweils darauf reagiert.

Nicht die beste Produktidee oder das bestmögliche Ausgangsprodukt steht im Vordergrund, sondern die Umwandlung der Idee zu einem Produkt in enger Zusammenarbeit und Interaktion mit neuen Kundensegmenten. Laufend Rückmeldungen auf qualitativer (zum Beispiel was gefällt und was missfällt) und quantitativer Ebene (zum Beispiel wie viele Menschen nutzen das Angebot) führen zu Erkenntnissen, wie man aus der Idee Schritt um Schritt ein tragfähiges Geschäftsmodell aufbaut.

Im Sinne des Lean Start-up-Modells (Lean Start-up, Eric Ries) werden damit drei wesentliche Prozessschritte unentwegt durchlaufen: Bauen-Testen-Lernen-Feedbackschlaufe. Das Angebot wird somit sukzessive in enger Abstimmung mit den Kunden optimiert. Erfolgreiche Entrepreneure konzentrieren ihre Energie auf die Verringerung der Gesamtzeit, welche diese Prozessschritte in Anspruch nehmen und das Geschäftsmodell in grös­sere Dimensionen treibt.

Wichtigstes Element bleibt die Kursüberwachung: Kann die eingeschlagene Strategie konsequent beibehalten oder muss sie angepasst werden? Haben wir mit unserer Geschäftsidee ein anderes Kundenverhalten vorausgesagt, so können wir dies sehr früh erkennen und einen Kurswechsel vollziehen. Die Konsequenz daraus sind kapitaleffiziente Unternehmen, da weniger Zeit und Geld verschwendet wird.

Der Weg zum Markt führt über das Netz

Es braucht Mut, ein gerade «lebensfähiges» Produkt auf den Markt zu bringen, welches die grundlegendsten Eigenschaften besitzt und nichts darüber hinaus. Es ist aber einer der Bausteine, wenn ein Unternehmenszweig aus dem Nichts aufgebaut werden soll.

Der Weg auf den Markt führt dabei häufig über das Netz oder das Netzwerk. Kunden und potenzielle Abnehmer können das neue Angebot testen und persönlich über Social-Media Feedback geben. Umgekehrt lernt der Anbieter konsequent aus der Kundenrückmeldung und leitet die nächsten Schritte bzw. Korrekturen ein. Diese Art Kommunikation ist häufig der erste Schritt, um eine Geschäftsidee zum Leben zu erwecken und um mit neuen Kundensegmenten ein neues Angebot zu entwickeln.

Bedürfnisorientierte Hierarchien

Eine der wichtigsten Anforderungen, um anders zu sein, ist die Anpassungsfähigkeit, schnell in den Entscheidungen und flexibel in der Umsetzung zu sein. Der Druck, am Markt Erfolg haben zu müssen, sorgt für Agilität und permanente Reflektion und Reaktion auf Input und Feedback von allen Seiten. Schnelle Test- und Entscheidungszyklen bei hoher Informationsdichte ist die Grundlage der Über­lebensfähigkeit.

Daher gilt es wenig Hierarchien und möglichst wenig Strukturen zu schaffen und in Stein zu meisseln. Nur der enge Bezug zum Markt lenkt die andauernde Selbstregulierung. Priorisierung und Aufteilung von Aufgaben werden alleine auf den Erfolg am Markt ausgerichtet.

Das heisst aber nicht die Verabschiedung von Strukturen und Hierarchien. Im Gegenteil, die Hierarchie entsteht bedürfnis­orientiert und bleibt dynamisch. Je nach den festgelegten Prioritäten wird derjenige das Team führen, welcher die grössten Expertisen zum aktuell wichtigen Thema besitzt und die anderen durch das unbekannte Gebiet leitet.

Klein starten

Typischerweise steht eher selten zu Beginn der anonymisierte Massenmarkt im Fokus. So ein Vorgehen könnte sich zur Falle erweisen. Wer schnelle Erfolge braucht, sollte sich darauf konzentrieren, die ausgeprägten Wünsche einer kleinen Gruppe von Menschen zu bedienen. Bewusst klein zu starten, nicht allen alles zu bieten und damit niemand richtig glücklich zu machen, kann ein erfolgreicher Weg sein, um erfolgreich gross zu werden.

Porträt

Christoph Grosser (Autor)

Strategieberater, geschäftsführender Partner

Christoph Grosser ist geschäftsführender Partner bei der Crinera GmbH. Der Unternehmer, Strategieberater und Sparringspartner entwickelt seit mehr als 20 Jahren Wachstumsstrategien und treibt Innovations- und Wachstumsprozesse in Unternehmen vorwärts. Er begleitet Unternehmen in der digitalen Transformation, entwickelt ertragsstarke Geschäftsmodelle für die Zukunft und sorgt für deren erfolgreiche Umsetzung. Als Mitinitiant hat er den «Unternehmer-Circle» für den Ideen- und Gedankenaustausch von Unternehmern sowie das «Digit-Network» ins Leben gerufen.

 

Norbert Zeller (Autor)

Unternehmensberater, Coach, Dozent

Norbert Zeller ist seit über 20 Jahren in verschiedenen Managementfunktionen tätig. Als Unternehmerberater, Coach, Dozent, Business Angel, Verwaltungsrat begleitet er Führungskräfte in der Entwicklung robuster Strategien, im Aufbau neuer Geschäftsfelder, bei Fusionen und Sanierungen. Er unterstützt Führungskräfte, lebensfähige Organisationen und Systeme zu bauen und zu entwickeln.

Serie

Die Teile der Serie «Wachstum durch Wertschöpfung (von Christoph Grosser und Norbert Zeller)» erscheinen wie folgt: