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Strategie & Management
Nachhaltige Unternehmensentwicklung (Teil 3 von 3)

Ansatzpunkte für den Aufbau einer nachhaltigen Unternehmensführung

Prof. Dr. Sibylle Olbert-Bock (Autor), Prof. Dr. Petra Kugler (Autor)

01.03.12 - 11:30

Dieser dritte Teil der Serie über nachhaltige Unternehmensentwicklung zeigt Ansätze zum konstruktiven Umgang mit Zielkonflikten und zur Vermeidung von Pfadabhängigkeiten auf. Er geht auf neue Führungs- und Organisationsmodelle ein und beschreibt die Etablierung einer konstruktiven Fehlerkultur sowie die Be­deutung von «Sein» und «Schein» bei der Auswahl relevanten Wissens.

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Diversität im Management: Konsensorientierte Sichtweisen und Entscheidungen sind angenehm, schnell und bequem. Meist fussen sie jedoch darauf, dass Entscheider aufgrund ähnlicher Ausbildungen, Werdegänge oder Kulturen auch in ähnlicher Weise denken. Sie ziehen vergleichbare Aspekte überhaupt erst in Betracht und kommen daher zu ähnlichen Ergebnissen. So lässt sich wertvolle Zeit und mühsame Diskussion sparen und der Einzelne wird in seiner Denkweise bestätigt. Letztlich werden Entscheidungen jedoch reduziert getroffen, heute oder in Zukunft wichtige Faktoren werden gar nicht in die Diskussion mit einbezogen. Personen, die zweifeln, haben oft nicht den Mut, das vorherrschende Groupthink zu unterbrechen. Oder, Zweifler werden vorschnell öffentlich «gehängt», also sozial oder materiell sanktioniert. Dies kann von vorneherein verhindert werden, indem sehr unterschiedliche Personen zusammenarbeiten und indem inhaltliche, sachliche Kontroversen als stimulierend (statt als Angriff) aufgenommen werden. Unterschiede im Management oder in Teams bezüglich Alter, Ausbildung, Geschlecht, Nationalität, Fachgebiet, etc. helfen, mehrere Perspektiven einzunehmen und in einer grösseren Zahl Möglichkeiten zu denken. Eine solche Arbeitsweise braucht jedoch mehr Zeit und mehr Wissensaustausch, um die Tätigkeiten aufeinander abzustimmen.

Konstruktive Fehlerkultur und Lernen aus Fehlern: Viele Aufgaben sind heute immer wieder neu und können nicht sofort abgeschätzt werden. Gerade dann besteht die Möglichkeit, nach innovativen Lösungen zu suchen, die eine Verbesserung im Vergleich zum Bisherigen darstellen und oft einzigartig sind. Sie bilden damit die Grundlage neuer nachhaltiger Wettbewerbsvorteile. Dies erfordert oft eine Vorgehensweise, die auf Versuch und Irrtum basiert und auf die Möglichkeit, aus unvermeidlichen Fehlern zu lernen. Fehler sollten zwar so weit wie möglich vermieden, wenn sie aber auftreten, in ihrer Auswirkung eingedämmt und konstruktiv genutzt werden. Dies setzt voraus, dass Fehler sanktionsfrei dargelegt und offen besprochen werden. Es sind nicht nur interne formale und informelle Regelungen, sondern auch zunehmend rechtliche Aspekte, die der Entstehung einer solchen «Fehlerkultur» entgegenstehen.

Das grösste Hemmnis ist aber der permanente Zeitdruck in Unternehmen, der dazu führt, dass Fehler auf solche Individuen projiziert werden, bei denen diese sichtbar werden oder welche (mögliche) Fehler offen ansprechen und so als Verursacher von Irritationen angesehen werden, die zu unerwünschten zeitlichen Verzögerungen führen. Auftreten und Entstehungsort von Fehlern fallen aber oft auseinander und gerade die frühzeitigen Hinweise «kritischer Geister» könnten genutzt werden, um aus dem Beobachteten gar nicht erst Fehler erwachsen zu lassen.

Porträt

Prof. Dr. Sibylle Olbert-Bock (Autor)

Dozentin, stellvertretende Institutsleiterin, Leiterin Kompetenzzentrum

Sibylle Olbert-Bock leitet das Kompetenzzentrum Leadership und Personalmanagement am Institut für Qualitätsmanagement und Angewandte Betriebswirtschaftslehre an der FHS St. Gallen.

Prof. Dr. Petra Kugler (Autor)

Professorin

Prof. Dr. Petra Kugler ist Professorin am Kompetenzzentrum für Strategie und Management am Institut für Unternehmensführung der FHS St. Gallen (IFU-FHS). Sie beschäftigt sich mit innovativen Strategie- und Managementansätzen und der Frage, wie Unternehmen auch in einer sich schnell verändernden Welt nachhaltige Wettbewerbsvorteile erzielen können. Die Beitragsserie «Digitale Veränderungen» wurde im Rahmen des internationalen, interdisziplinären und angewandten Forschungsprojektes «Digitalisierungsnavigator Digi Nav» im Rahmen des IBH-Labs «KMU digital» verfasst. Das Projekt IBH-Lab «KMU digital Digitalisierungsnavigator» wird aus Mitteln des Interreg-Programms «Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein», dessen Mittel vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und vom Schweizer Bund zur Verfügung gestellt werden, gefördert.

Serie

Die Teile der Serie «Nachhaltige Unternehmensentwicklung» erscheinen wie folgt: