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Recht
Compliance und Recht (Teil 2 von 3)

Die Dimensionen eines wirksamen Compliance-Managements

Dr. Christian Wind (Autor)

20.04.20 (Ganztägig)

Die dreiteilige Serie zeigt auf, wer wieso und was mit Bezug auf Compliance sinnvoller­weise in einem KMU machen kann und sollte. Der erste Beitrag beschrieb einleitend die Grundlagen und den Nutzen von Compliance. Dieser zweite Teil beleuchtet die weiteren Dimensionen des Compliance-Würfelmodells.

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Dimension 4: Personen

Letztendlich sind es immer – ganz gleich in welcher Organisation – Personen, die die Compliance mit ihrem konkreten Verhalten umsetzen oder eben nicht umsetzen. Deshalb muss bei den Personen vermehrt und gezielt darauf hingearbeitet werden, dass das nötige Bewusstsein und Wissen vorhanden sind, wie wichtig Compliance zum Schutz der Reputation des KMU ist, und diese Personen müssen auch den Willen haben, ihren Beitrag zur Compliance zu leisten und verantwortungs­bewusst zu handeln. Dabei kann nebst den Führungskräften gerade die Personal­abteilung einen ganz entscheidenden Beitrag leisten.

Rekrutierungsprozesse:

Der Rekrutierungsprozess ist die erste Gelegenheit, auf die Wichtigkeit und Bedeutung von Compliance und Integrität im KMU hinzuweisen. Dabei sollte das KMU Gewissheit darüber erhalten, ob die Person die Grundwerte und die Kultur des KMU versteht, ob sie diese akzeptiert und willens ist, sich entsprechend zu verhalten. Als Multiplikatoren und Botschafter der Unternehmens- und Compliance-Kultur sind Linienvorgesetzte im direkten Kontakt mit den Mitarbeitenden. Ihr vorbildliches Verhalten und ihre Einstellung zu Compliance beeinflussen die Mitarbeitenden. Aus diesem Grund ist die Auswahl geeigneter Linienvorgesetzter zentral und bei der Anstellung von neuen Mitarbeitenden respektive bei der Beförderung von Linienvorgesetzten Compliance und Integrität ausdrücklich anzusprechen und im Entscheidungs- sowie Einführungsprozess angemessen zu berücksichtigen.

Verhaltenskodex:

Der Verhaltens­kodex soll zusammen mit dem Arbeitsvertrag abgegeben werden, und zwar im Sinne einer Weisung und als unmiss­verständliche Erwartungshaltung des KMU. Denn gemäss Art. 321d OR darf der Arbeitgeber über die Ausführung der Arbeit und das Verhalten der Mit­arbeitenden im Betrieb allgemeine Anordnungen erlassen und ihnen besondere Weisungen erteilen.

Personalentwicklung und Leistungsbeurteilung:

Compliance und Integrität sind im Rahmen der jährlichen Leistungsbeurteilung und in der Per­sonalentwicklung zu berücksichtigen. So gilt es etwa, angemessene, messbare und do­kumentierte Compliance-Ziele standardmässig Teil der Zielvereinbarungsgespräche, des Leistungsbeurteilungsprozesses und ganz allgemein des Personalgesprächs werden zu lassen. 

Bei der Leistungsbeurteilung von Führungskräften kommt der Integration von Compliance und Integrität eine noch bedeutendere Rolle zu, weil sie im KMU diejenigen Personen sind, deren Verhalten Vorbild für die Mitarbeitenden ist. Zur Minimierung gewisser Compliance-Verhaltensrisiken wird empfohlen, Compliance und Integrität auf geeignete Art (zum Beispiel mit Fallstudien oder Dilemma-Si­tuationen) in die Personalentwicklungsprozesse des KMU zu integrieren.

Mitwirkung der Belegschaft:

Aktive Mitwirkung der Belegschaft und regelmässiges Einholen von Rückmeldungen sollten generell als Hauptquelle für eine kontinuierliche Verbesserung des Compliance-Management-Systems dienen. Deshalb ist die Belegschaft aufzufordern, Vorschläge zu un­terbreiten sowie Rückmeldungen und Hinweise zu geben, welche das Compliance-Management-Systems des KMU laufend verbessern.

Porträt

Dr. Christian Wind (Autor)

Partner, Bratschi AG

Christian Wind, Dr. iur. HSG, Rechtsanwalt, LL.M., EMBA IMD, ist seit 2011 Partner bei der Kanzlei Bratschi AG und Niederlassungsleiter in Zürich. 

Wind hat an der Uni­versität St. Gallen studiert und promoviert. Vorher war er über 17 Jahre bei der Revisuisse Price Waterhouse AG, der F. Hoffmann-La Roche AG, der Holcim Ltd. und der Hilti Aktiengesellschaft in verschiedenen Rechtsfunktionen tätig. Er berät Organisationen vorwiegend im Bereich Compliance (Aufbau, Assessment, Schulungen, Untersuchungen), doziert zum Thema unter anderem an den Universitäten St. Gallen und Zürich, der HWZ und HTWG Konstanz und publiziert regelmässig zum Thema Com­pliance. Er ist Functional Partner für Compliance und Corporate Secretary am International Center for Corporate Governance der Universität St. Gallen und Mitglied in verschiedenen Verwaltungsräten und einem Stiftungsrat.

Serie

Die Teile der Serie «Compliance und Recht» erscheinen wie folgt: