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Mensch & Arbeit
Gesundheitsmanagement

Prävention und Care Management – gegen die Kostenexplosion

Dr. Eduard Hauser (Autor)

31.10.19 (Ganztägig)

Das Schweizer Gesundheitssystem, in das Unternehmungen über die Gesetze eingebunden sind, ist kompliziert, fast undurchschaubar und teuer. So haben Unternehmen bei Krankheits- und Unfallvorkommnissen hohe Kosten zu tragen, welche die Rentabilität direkt negativ beeinflussen. Prävention, Care Management und Risikodialog sind Ansätze zum Gegensteuern.

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Milliardenkosten

Sehr problematisch ist, dass bei leichten Depressionen bereits Medikamente verschrieben werden, statt die Patienten zur Aufmerksamkeit auf sich selbst, zur Achtsamkeit zu führen und so Lernprozesse auszulösen, die Einsichten in das bewusste und unbewusste Verhalten auslösen. Die durchschnittliche Abwesenheit vom Arbeitsplatz liegt bei rund einem halben Jahr, in Verbindung mit stationären Aufenthalten. Psychiater kennen häufig das berufliche Umfeld nicht und verschreiben langfristige Krankheits­zeugnisse, weil Mobbing am Arbeitsplatz befürchtet wird. 

Bei 17 Prozent der Patienten gibt es Auswirkungen auf die Versicherungskosten und die Renten. Bei der Annahme von 100 000 Arbeitnehmenden, rund zwei Prozent der arbeitenden Bevölkerung, die an Burnouts leiden, entstehen schnell Kosten von 100 000 Franken pro Fall; ein theoretisches Sparpotenzial von rund zehn Milliarden Franken. Bei den abgegebenen Medikamenten liegt das theo­retische Sparpotenzial bei rund 300 Millionen Franken.

Prävention als Massnahme 

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei einer systematischen Prävention liegt bei 1 zu 5 zu Gunsten der Prävention. Das Sparpotenzial kann mit rund vier Milliarden Franken beschrieben werden. Nur schon der schnellere Zugang zur richtigen Behandlung, in Verbindung mit rechtzeitigen Interventionen, kann einerseits das Leid mindern und andererseits die enormen Kosten senken. Jeder Patient kann von seiner persönlichen Odyssee durch das Wirrwarr medizinischer Leistungen berichten und kennt Ärzte, die schnelle Weiterleitungen an Kollegen auslösen, ohne dass die Therapie erfolgreich ist. 

Ausgangspunkt sind fehlerhafte oder ungenaue Diagnosen. Der Ansatz des «Care Management» berücksichtigt nicht nur die Behandlungskosten, die rund 90 Milliarden Franken ausmachen, sondern auch die Kosten für Arbeitsausfall und Zahlungen für Invalidität bei Krankheit und/oder Unfall. In den meisten Fällen ist eine professionelle Begleitung zu empfehlen, welche die komplizierten Zusammenhänge kennt und die volkswirtschaftlichen Auswirkungen gut abschätzen kann. 

Ein weiterer Ansatz zu Besserung ist der Risikodialog, der für jeden Fall mit den Patienten, Ärzten und Angehörigen durchgeführt wird. Im Zentrum stehen die mit der Krankheit oder dem Unfall verbundenen Chancen und Risiken. Die Erfahrung zeigt, dass Care Management, in Verbindung mit Risikodialog, Kosten senkt, die Behandlungszeiten reduziert und eine nachhaltige Verbesserung des Gesundheitszustandes eintritt. Das Einsparpotenzial für Firmen liegt mindestens bei einem halben Jahreslohn.

Konzepte für Firmen

Die Konzepte für das Gesundheitsmanagement folgen der Definition «Gesundheit» nach der Weltgesundheitsorgani­sation. Gesundheit ist nach WHO ein «Zustand des vollständigen, körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit und Gebrechen».

Porträt

Dr. Eduard Hauser (Autor)

Präsident Entwicklung Schweiz

Dr. Eduard Hauser ist Autor und freier Journalist. Er studierte an der Universität St. Gallen Wirtschaftswissenschaften (lic. oec. HSG) und promovierte an der Newport University (USA) zum PhD of Business Administration. Er war als Personal- und Ausbildungsleiter sowie Organisations- und Projektleiter in der Industrie- und Dienstleistungsbranche tätig. 35 Jahre hat Eduard Hauser als Unternehmer Firmen zu Themen wie Innovation, Prozessmanagement oder Unternehmensentwicklung beraten. 10 Jahre war er VR und Dozent an der HSG und an der Hochschule Luzern. Aktuell ist er Autor verschiedener Sachbücher und Publikationen, sowie Präsident von «entwicklungschweiz.ch».