Die Wissensplattform für erfolgreiche Unternehmer und Top-Manager
Mensch & Arbeit
Arbeitsorganisatorische Gefährdungen

Die Arbeitsbedingungen dem Wandel der Arbeitsplätze anpassen

Dr. Peter Meier (Autor)

01.03.10 - 11:30

Arbeitsorganisatorische Gefährdungen existieren in allen Branchen. In Dienstleistungsbetrieben sind sie jedoch besonders aktuell, und die Anzahl dieser Betriebe ist im Zunehmen begriffen. Die in diesem Beitrag behandelten arbeitsorganisatorischen Gefährdungen sind denn auch nicht abschliessend, stehen jedoch zuoberst auf der «Hitliste».

Tabs

Seite 4

Stressprophylaxe

Die wichtigste Frage ist, ob man in einem «stressigen Lebensstil» bleiben will oder ob man bereit ist, sein Verhalten zu ändern und angelernte Muster umzugestalten. Grundsätzlich geht es um zwei Kriterien, die zu beachten sind:

  1. Stärken und Fördern des Gesunden, des Schönen, der Freude am Leben, der Lust am Gestalten und am Vergnügen.
  2. Vermeiden von krank Machendem, von Spannung, Druck und Überforderung.

Was ist Burnout?

Immer mehr Beschäftigte leiden unter dem sogenannten Burnout-Syndrom. Mit der Begründung des Rücktritts von Ständerat Rolf Schweiger als FDP-Präsident ist «Burnout» salonfähig geworden und findet die notwendige Beachtung. Der Begriff Burnout wird meist thematisch im Zusammenhang mit Stress und nicht als eigenes Phänomen betrachtet. Tatsache ist, dass immer mehr Menschen unter den typischen Burnout-Symptomen leiden. Allgemein wird Burnout als Gefühlszustand der Erschöpfung verstanden, der von zu viel Arbeit und Stress und zu wenig Erholung herrührt. Druck, Frustrationen, Angst um den Job, Vereinsamung aufgrund der Arbeitsüberforderung, der Wunsch nach Erholung, Geselligkeit und Zeit für sich selber werden so lange ignoriert, bis es schliesslich zum psychischen und physischen Zusammenbruch kommt.

Ursachen und Prävention

Stressfaktoren wie Leistungsdruck und Wettbewerb, ein besonders hohes individuelles Leistungsideal sowie berufliche Selbstständigkeit – das alles sind Faktoren, die den Burnout begünstigen können. Die Gefahr eines Burnouts ist besonders gross, wo Menschen bei ständigem hohem Einsatz nur wenige Erfolge der eigenen Arbeit sehen oder wo es keine Anerkennung für den geleisteten Einsatz gibt. Burnout erleiden Personen, die bei der Arbeit besonders hohe Ansprüche an sich stellen, die zum Perfektionismus neigen und sich übermässig engagieren.

Ist der Burnout erst einmal eingetreten, hilft nur noch eine grundlegende Lebensumstellung. Sinnvolle Strategien:

  • Erst einmal den Körperbedürfnissen Rechnung tragen, ausreichend schlafen, gesund essen und sich Zeit fürs Essen, für Körperpflege gönnen, vielleicht auch mal wieder mehr Zeit für Bewegung nehmen.
  • Regelmässig am Tag kleinere Pausen einlegen, jede Woche grössere Pausen ohne Anstrengung fest einplanen, Urlaub machen ohne erneuten Freizeitstress.
  • «Nein» sagen lernen ohne Schuldgefühle.
  • Anderen Arbeit und Aufgaben delegieren, auch wenn andere Personen das «nur halb so gut machen» wie man selbst.
  • Nicht alles perfekt machen müssen, nur «einfach eben so erledigt», auch mit Fehlern, reicht öfter aus, als man denkt.
  • Seiner eigenen Person selbst Wertschätzung entgegenbringen, nicht nur Anerkennung durch andere suchen.
  • Gezielte Entspannungstechniken lernen, zum Beispiel Yoga oder Autogenes Training.
  • Mit einem Arzt gezielt über dieses Problem sprechen, sich in fachliche psychotherapeutische Behandlung trauen.

5. Richtige Ernährung

Experten schätzen, dass rund ein Viertel aller Erwerbstätigen nicht zuletzt wegen mangelhaften Ess- und Trinkgewohnheiten im Büroalltag Schwierigkeiten haben, eine hektische Arbeitswoche durchzustehen. Konstant hohe Leistungen verlangen nach einer richtigen Flüssigkeits- und Energiezufuhr. Das Bewusstsein dafür bedingt eine entsprechende Verhaltensanpassung. Fachkompetenz und fundierte Berufserfahrung reichen allein nicht mehr aus, um komplexe Aufgaben im heutigen Berufsalltag zu bewältigen.

Ausgewogene Ernährung kommt am Arbeitsplatz oft zu kurz. Viele Menschen wissen gar nicht, wie sehr sie sich durch schlechte Essgewohnheiten schaden. Durch das Weglassen von Frühstück und Zwischenmahlzeiten sinkt die Leistungskurve viel rascher ab. Zu Mittag oder abends werden meist grosse Portionen gegessen, die den Verdauungstrakt mehr belasten als mehrere kleine Mahlzeiten. Zur Aufrechterhaltung der täglichen Leistungsfähigkeit sind regelmässige Pausen während der Arbeitszeit genauso wichtig wie eine vielseitige, ausgewogene Ernährung.

Durch eine geschickte Verteilung der Mahlzeiten über den Tag können grosse Schwankungen in der Leistungsfähigkeit vermieden werden. Folgendes ist bei der Ernährung zu beachten:

  • Eine ausgewogene Zusammenstellung des Frühstücks
  • Kleine Zwischenmahlzeiten
  • Ein fettarmes Mittagessen
  • Fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag
  • Bewegung, Bewegung, Bewegung
  • Viel Flüssigkeit
  • Schicht- und Nachtarbeit verlangt eine besondere Ernährungsweise

Porträt

Dr. Peter Meier (Autor)

Leiter Arbeitsbedingungen Amt für Wirtschaft und Arbeit