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Interview

«Es wäre schön, wenn die Leute mehr über ihr Essen nachdenken»

Daniel Frei

26.10.17 - 06:45

Daniel Frei, Mitinhaber und CEO der Tibits AG, über den ethischen Anspruch einer familiengeführten Restaurantkette, die negativen Folgen der Globalisierung auf die Nahrungsmittelproduktion und den Wert einer «analogen Gastronomie» in digitalen Zeiten.

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Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Menschen, die sicher aus unterschiedlichen Kulturen kommen?
Meine Brüder und ich sind weltoffen, unsere Eltern haben mehrere Jahre im Ausland gewohnt, ich bin in Barcelona geboren, mein Bruder Christian in Maracaibo in Südamerika. In unserer Firma gelten die gleichen Regeln für alle und ein gemeinsames Ziel. Dazu erwarten wir als Geschäftsleitung, dass alle mit Wertschätzung und Respekt miteinander umgehen, wobei Religion und Herkunft keine Rolle spielen dürfen. Bei der Einstellung führen wir Deutschprüfungen durch. Wer diese nicht besteht, muss Deutschkurse besuchen, diese bieten wir gratis an. Wir fördern unsere Mitarbeiter, aber wir fordern sie auch, damit sie sich integrieren und entwickeln. Es braucht Zeit, aber es lohnt sich. So wird die Vielfalt bereichernd und wir lernen voneinander. Das ist auch ein Beitrag an die Integrationspolitik. Wir schaffen auch gern Arbeitsplätze, so haben wir Ende September unser neues Restaurant in St. Gallen direkt am Bahnhofsplatz eröffnet.

Was denken Sie über Firmen wie Nestlé und Monsanto?
In der Wirtschaft brauchen wir wieder mehr Ethik. Natürlich darf und muss man trotzdem Gewinn machen. Nicht das Geld darf im Vordergrund stehen, sondern der Gast beziehungsweise der Kunde, die Menschen und die Umwelt. Der negative Einfluss des Menschen auf die Natur ist Realität und ist nicht zu leugnen.

Wie wird sich die Gastronomie entwickeln?
Es wird härter, der Kuchen wird nicht grösser, da es immer mehr Mitspieler gibt.  Sicher wird die Digitalisierung in Zukunft noch eine grössere Rolle spielen, es wird Möglichkeiten geben, die wir uns heute noch nicht vorstellen können. Trotzdem wird es Orte brauchen, wo man sich «analog» austauschen und treffen kann; das Restaurant kann diese Funktion übernehmen.

Auch wenn sich die Gäste mit dem Handy beschäftigen?
Vielleicht gibt es mal Wifi-freie Restaurants oder solche, wo man das Handy abgeben muss. Für die Zukunft hoffe ich, dass die Gäste die Gastronomen belohnen, die innovativ, authentisch und ethisch korrekt arbeiten und gute Qualität anbieten und dass man genussvolles Essen weiterhin schätzt. Es wäre schön, wenn die Leute über ihr Essen mehr nachdenken würden.

Porträt

Daniel Frei

Mitinhaber, CEO

Daniel Frei ist Mitbegründer und CEO des Gastronomieunternehmens Tibits AG. Seit 2000 bietet der Familienbetrieb der Brüder Daniel, Christian, Andreas und Reto Frei sowie Rolf Hiltl saisonale vegetarische und vegane Gerichte an. Standorte gibt es in Basel, Bern, Luzern, Winterthur, Zürich, Oerlikon, St. Gallen und London. Tibits beschäftigt rund 400 Mitarbeiter aus 70 Nationen.