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Interviews
Interview mit Pascal Jaussi

Der schwerelose Weg in die mobile Zukunft

Michael Sommer (Autor), Prof. Max W. Twerenbold (Autor), Pascal Jaussi (Autor)

01.10.14 - 08:45

Pascal Jaussi, Gründer und CEO des noch jungen Schweizer Unternehmens für Weltalltechnologie S3, über die Realisierung kühner unternehmerischer Träume, Effizienz und Nachhaltigkeit im All, das Knüpfen internationaler Partnerschaften auf höchstem Niveau sowie über offene Karten in heiklen Verhandlungen.

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«Effizienz und Nachhaltigkeit in der Raumfahrt dank einem schweizerischen Unternehmen» heisst ein Slogan von Ihnen. Inwiefern kann denn die kleine Schweiz den grossen, mächtigen und sehr erfahrenen Raumfahrtnationen hier Lektionen erteilen?

Wir wollen und können niemandem Lektionen erteilen. Wie gesagt, unser System ist sehr effizient und nachhaltig, weil wir keinen Weltraummüll produzieren. Als Schweizer Unternehmen haben wir zudem gewisse Vorteile, zum Beispiel die Neutralität unseres Landes; wir können dadurch den Lead übernehmen. Wir realisieren das Projekt ja nicht alleine. S3 ist ein Schweizer Unternehmen, aber fest eingebunden in ein internationales Netzwerk. Wir dürfen stolz sein, so bedeutende internationale Partner im Projekt miteinander verknüpft zu haben.

Ihr Projekt vereint bestehende Schlüsseltechnologien zu einem neuen Ganzen. Wer sind Ihre Zulieferer und was liefern sie Ihnen?

Diese Unternehmen sind nicht nur Zulieferer, sie sind Partner. Wir arbeiten in einer echten Win-win-Partnerschaft zusammen.

Sind diese Technologien auf dem Markt feil? Falls nein: Entstehen da nicht Probleme des Technologietransfers?

Nein, diese Technologien sind auf dem Markt nicht einfach erhältlich. Deshalb haben wir Partnerschaftsverträge unterzeichnet. Bei S3 sind wir System-Architekt; wir tragen die Vision und das gesamte Know-how unseres Systems. Die Partner sind die verantwortlichen Know-how-Träger in ihrem spezifischen Bereich. Diese Aufteilung ist richtig und wichtig in einem so komplexen Projekt.

Wie setzt sich Ihr Partner-Netzwerk zusammen?

Wir haben industrielle Partner, Universitäten, die ESA (europäische Weltraumagentur), Forschungsinstitute und Sponsoren in unserem Netzwerk. An Orten, wo wir in Zukunft starten werden, verfügen wir über sogenannte «Operational Partners» wie zum Beispiel das Kennedy Space Center in Cape Canaveral oder Spaceport Malaysia.

Herr Jaussi, zum Schluss noch ein wenig Science Fiction. Immer schneller, immer weiter, immer höher – die Triebfeder des Menschen ist auf Unendlichkeit ausgerichtet. Wie würden Sie Ihr Szenario 2030 für die Menschheit beschreiben, wenn es um die Bereiche Mobilität und Kommunikation geht?

Was Sie mich da fragen! 2030 übermittle ich Ihnen die Antwort dazu vielleicht aus dem Weltall... Jetzt aber ernsthaft: Mein Projekt hat nichts mit Science Fiction zu tun, es ist ganz bodenständig. Unser Team und unsere Partner arbeiten mit Hochdruck daran. Trotz engstem Zeitplan steht der Realisierungshorizont fest – das Jahr 2018. Traum, Vision und Zielsetzung werden dann in Erfüllung gehen – ganz real und Schritt für Schritt. Wir sind optimistisch.

Porträt

Pascal Jaussi (Autor)

CEO, S3

Pascal Jaussi ist Systemingenieur und spezialisiert auf Struktur, Entwicklung und Zertifizierung. Er studierte in Lausanne (EPFL) und Toulouse (Institut Supérieur de l’Aéronautique et de l’Espace). Mit seiner Lizenz als Linienpilot war er acht Jahre als Flight Test Engineer für den Bund tätig. In Zusammenarbeit mit Dassault Aviation arbeitete er 2005 an der EPFL am Projekt VEHRA /K1000. Dieses Projekt war eine der Inspirationsquellen für die Lancierung von S3 und gab ihm die Möglichkeit, Kontakte zum französischen Flugzeughersteller, einem seiner späteren Hauptpartner, zu knüpfen. Nach mehreren Jahren Projektarbeit gründete er Ende 2012 die Firma Swiss Space Systems in Payerne, die heute 50 Mitarbeitende beschäftigt.