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Interviews
Adrian Steiner

«Der Produktionsstandort Schweiz stimmt»

Adrian Steiner

21.12.17 - 04:45

Adrian Steiner, CEO des Kaffeemaschinen-Herstellers Thermoplan AG, über die ungewöhnliche Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens, die Zusammenarbeit von «Klein mit Gross» in einer internationalen Marktnische und über Eckwerte beim Innovieren und Investieren.

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Was bedeutet diese Smartness für Ihre Mitarbeitenden konkret?

Alle Arbeitsplätze verfügen über Tablets oder Barcode-Scanner. Uns kommt entgegen, dass die Thermoplan-Crew ein Durchschnittsalter von nur 38 Jahren aufweist. Die junge Generation nutzt diese moderne Infrastruktur quasi hindernisfrei. Ausbildungs- und Förderprogramme ebnen den Weg für den effizienten Einsatz im Geschäftsalltag.

20 Prozent Ihrer Mitarbeiter sind im Bereich der Forschung und Entwicklung beschäftigt. Wie innoviert Thermoplan?

Das Forschen und Entwickeln ist tief in unserer DNA verankert. Voraussetzung für eine gefüllte «Inno-Pipeline» ist eine Kultur, welche Raum für Ideen bietet. Denn Innovation hat viel mit Neugier und Inspiration zu tun. Ideen ergeben sich auch häufig aus Kundengesprächen. Chancenreiche Ideen durchlaufen bei uns schliesslich einen formalisierten Innovationsprozess, damit marktfähige Produktlösungen entstehen. Dieses Umsetzen von Ideen ist sozusagen der «schweisstreibende» Teil des Innovierens. Hier zählt das Detail. Heute erwarten die Kunden alle fünf Jahre eine neue Produktelinie mit der neusten Technologie. In der Tat: Die «Entwicklungsfenster» werden immer kleiner. Wir sind gut darauf eingestellt.

Vor diesem Hintergrund: Was macht Thermoplan für Starbucks denn so attraktiv?

Es sind die innovativen Technologien. Sie bilden den Anker in unserer langjährigen Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Coffeeshop-Unternehmen. Seit 1999 ist daraus eine vertrauensvolle Partnerschaft entstanden. Machten wir im Jahre 2005 über 70 Prozent des Umsatzes mit Starbucks, so beträgt der Anteil derzeit noch 34 Prozent, obwohl das Mandat weiter stark zulegt. Der Grund dafür: Wir haben gezielt diversifiziert. Dadurch veränderte sich die Auftragsstruktur, und es gelang, das Risiko kalkulierbar zu machen.

Wie sieht Ihr Finanzierungsrahmen aus?

Zum Investieren gehört das Finanzieren. Unser Firmengründer hat deshalb eine sehr konservative Finanzpolitik geprägt, die noch heute Bestand hat. Thermoplan ist voll eigenfinanziert und unabhängig. Das Familienunternehmen hat viele Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Selbst bei komplexen Investitionsprojekten können wir so unsere eigenen Entscheide fällen und Risiken eingehen. Weitsichtige Investitionspolitik wird im Hause grossgeschrieben. Denn um den Vorsprung halten oder ausbauen zu können, braucht es sorgfältig überlegte Innovationen.

Sie haben in Weggis stark in Gebäude und Infrastruktur investiert. Welche Standortpolitik steht dahinter?

Wir investieren, weil wir überzeugt sind, dass wir in der Kaffeebranche weiterwachsen werden. Der Produktionsstandort Schweiz stimmt. Dafür spricht insbesondere auch das hiesige Ausbildungsniveau der Mitarbeitenden, die verlässlich sind und qualitativ hochstehende Produkte möglich machen. Kommt hinzu: Wir waren bisher immer fähig, die Folgen von einschneidenden Veränderungen im internationalen Umfeld erfolgreich zu parieren, indem wir uns fit trimmten bezüglich Effektivität und Effizienz.

Wie gehen Sie mit möglichen Risiken um?

Stand heute ist das Marktumfeld intakt. Und unser Motor läuft rund. Aber gewiss: Geopolitische Verwerfungen können Rahmenbedingungen brüsk ändern, und der Preiswettbewerb lässt sich nicht einfach wegwischen. Man tut also gut daran, auf Unwägbarkeiten gefasst zu sein. Für alle Fälle hätten wir einen Plan B für gewisse Aufgabenbereiche in der Schublade. Einen Plan B überhaupt zu haben, liegt in der unternehmerischen Verantwortung, meine ich.

Herr Steiner, zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie Thermoplan in fünf Jahren?

Wir bleiben in der Kaffeeindustrie verwurzelt. Unser Interesse richtet sich aber auch auf andere Technologien mit Tee, Schokolade und anderem mehr. Meiner Einschätzung nach erlaubt die Marktsituation mittelfristig weiteres Wachstum, und zwar aus eigenen Mitteln in unternehmerischer Unabhängigkeit. Dafür setzen wir uns ein.

Porträt

Adrian Steiner

CEO

Adrian Steiner führt das Familienunternehmen Thermoplan AG seit 2009. Rund 290 Mitarbeitende erbringen 250 Millionen CHF Umsatz, 50 Prozent davon über Key Accounts, für welche weltweit exklusiv Maschinen entwickelt und hergestellt werden. Es sind dies Starbucks im Bereich Coffeeshops, Nespresso im Bereich Profimaschinen mit den flachen Kapseln, Costa im Bereich Premium Vending. Daneben verkauft Thermoplan mittelgrosse Standard-Kaffeemaschinen über insgesamt 68 Distributoren. Stammsitz ist Weggis, Vertriebsstandorte gibt es in den USA, China und Europa.