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Interviews
Interview

In Asien gilt die Schweiz als Qualitätssiegel

Peter Patrik Roth (Autor)

27.06.19 (Ganztägig)

Peter Patrik Roth, Geschäftsführer und Inhaber der Roviva Roth und Cie AG, über die Balance zwischen Tradition und Innovation, den Wandel der Unternehmensführung während neun Generationen und den Produktionsstandort Schweiz als Erfolgsfaktor.

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Wie setzen Sie sich gegen die einheimische Konkurrenz in China durch?

Mit unseren Premiumprodukten exportieren wir beste Ware nach Ostasien. Es ist uns bewusst, dass gewisse Ideen kopiert werden. Wir kommunizieren, dass unsere Produkte «made in Switzerland» absolute Sicherheit bieten betreffend Gesundheit und beispielsweise keine toxischen Bestandteile enthalten. Wir verweisen auch auf unsere Geschichte mit über 270 Jahren Know-how – gerade die Asiaten mit ihrer alten Kultur schätzen das. In Asien haben unsere Produkte Statuscharakter, die Schweiz gilt als Qualitätssiegel. Auch darum ist uns der Produktionsstandort Schweiz sehr wichtig. 

Welche Erfahrungen machen Sie in anderen Ländern? 

Der persönliche und individuelle Kontakt zu unseren Kunden ist mir sehr wichtig. Dieser unterscheidet sich natürlich je nach Land und Kultur. So ist etwa unser Kundenverhältnis in Südkorea sehr familiär, während wir in Russland immer auf einen herzlichen Empfang zählen dürfen und sogar auf ein Essen beim Kunden zu Hause eingeladen werden.

Liefern Sie auch in die USA?

Wir haben dort nur einen Kunden, ein tolles Fachgeschäft in New York mit einer Filiale in Los Angeles. Die Beziehungen mit den amerikanischen Kunden pflege ich an Messen in Köln und Mailand. 

Wie schützen Sie Ihre Innovationen?

Gewisse Innovationen schützen wir mit einem Patent. Aber wichtig ist es, immer einen Schritt weiter zu sein als die anderen, für den Fall dass ein Patent kopiert wird. In China zum Beispiel gilt alles als öffentlich, was auf dem Markt ist, folglich wird dies dann auch eher kopiert. Damit keine böse Überraschung folgt, wenn eine Innovation übernommen wird, gehört dieses Risiko in die Unternehmensstrategie einkalkuliert. 

Wie beurteilen Sie den wachsenden Druck auf den Mittelstand in Europa?

Das ist sicher eine Herausforderung, auch diesbezüglich ist unsere Unabhängigkeit nützlich. Gegenüber grossen Mitbewerbern können wir die Vorteile des KMU ausspielen. Dazu gehören unsere Schnelligkeit und Flexibilität sowie die Nähe zum Kunden und Handel. So können wir rascher auf neue Bedürfnisse der Kunden reagieren als grosse Unternehmen.

Wie soll sich die Schweiz zur EU stellen?

Unser Unternehmen ist seit Jahrhunderten unabhängig und damit gut gefahren. Das wünsche ich mir auch für die Schweiz, wir sollen weiterhin selbst über unser Land entscheiden. Wir brauchen aber partnerschaftliche Beziehungen, weil wir in einem internationalen Markt integriert sind. Die Schweiz war schon immer einem Wettbewerb ausgesetzt. Der Druck kann förderlich sein für alle Sektoren, so bleiben die Unternehmen aktiv und innovativ. Wichtig ist meiner Ansicht nach, dass die Zollabwicklung einfach und möglichst unbürokratisch verläuft. 

Was halten Sie vom Rahmenvertrag?

In meinen Augen enthält der Rahmenvertrag einige Optimierungspunkte. So darf er nicht unterschrieben werden. Ich verstehe die Exportunternehmer, weil sie für eine Öffnung plädieren, aber ich bin der Meinung, dass ein zu enger Anschluss an die EU für den sozialen Wohlstand der Bevölkerung auch Nachteile haben könnte. Es gilt, immer alle Aspekte zu berücksichtigen und abzuwägen. Die Mentalitäten der Völker in Europa sind so unterschiedlich, dass man nicht eine Einheit mit einem Vertrag erzwingen kann.

Porträt

Peter Patrik Roth (Autor)

CEO und Inhaber

Nach dem Abschluss seines Wirtschaftsstudiums (lic. oec. HSG) an der Universität St. Gallen absolvierte Peter Patrik Roth seine Lehr- und Wanderjahre in internationalen Unternehmen im In- und Ausland bevor er 2001 ins Familienunternehmen Roviva Roth & Cie AG in Wangen an der Aare einstieg. Zusammen mit seinem Vater (8. Generation) erfolgte ein gleitender Generationenwechsel an die neunte Generation vor etwa zehn Jahren. Heute ist Peter Patrik Roth Geschäftsführer und Inhaber von Roviva, einer der ältesten Familienunternehmen der Schweiz. Er ist im Vorstand des Handels- und Industrievereins des Kantons Bern sowie im Vorstand des Wirtschaftsverbandes Oberaargau.