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Digitale Transformation in KMU (Teil 1 von 7)

Die Bausteine der digitalen Transformation

Prof. Dr. D. Georg Adlmaier-Herbst (Autor)

10.08.17 - 08:15

Die Serie «Digitale Transformation in KMU» beschreibt, welche Bausteine zur Digitalisierung gehören, wie sich der Managementprozess daraus gestaltet und wie KMU den notwendigen Change in der Praxis umsetzen können. Dieser erste Teil stellt die einzelnen Bausteine eines Strukturmodells für die digitale Transformation vor.

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Die Digitalisierungsstrategie kann von kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht ohne Veränderungen innerhalb des Unternehmens gelebt werden. Dies kann als interne Transformation, Wandel oder Change bezeichnet werden. Es fehlt zumeist die Bereitschaft für Veränderungen und die Fähigkeit. Aus diesem Grund wird die Entwicklung der Digitalisierung von KMU begleitet vom internen Wandel, der das Ziel hat, die Wandelbereitschaft und Wandlungsfähigkeit herzustellen.

Wandelbedarf ermitteln

Die zentrale Frage lautet hier, wie Führungskräfte und die Belegschaft motiviert werden können, die Digitalisierungsstrategie umzusetzen und dauerhaft zu leben. Dies ist eine der grossen Herausforderungen der digitalen Transformation. Zu den Kernfragen gehören:

  • Übergreifende Bereitschaften: Welche Bereitschaft soll im gesamten Unternehmen geschaffen werden?
  • Spezielle Bereitschaften: Welche speziellen Bereitschaften sollen in Abteilungen des Unternehmens geschaffen werden: Fehlertoleranz ist sicher für Forschung und Entwicklung wichtiger, aber zunächst nicht für die IT und die Produktion.

Bereitschaften können sich auch auf Mitarbeitergruppen beziehen:

  • Führungskräfte: In vielen aktuellen Beiträgen zum Digital Leadership wird von Führungskräften die Bereitschaft erwartet, Kontrolle über die Mitarbeitenden zumindest teilweise abzugeben. Eine andere Anforderung ist das Steuern interdisziplinärer Teams ohne Führungsverantwortung.
  • Mitarbeitende: Welche Bereitschaften sollen bei den Mitarbeitenden erzeugt werden, welche die Führungskräfte unterstützen?

In allen Unternehmen ergibt sich als Ergebnis ein sehr differenzierter Bedarf.

Wandelbereitschaft erzeugen

Wie lässt sich der Bedarf an Wandel­bereitschaft in einem Programm- und Projektmanagement abbilden und ziel­orientiert, systematisch und langfristig erzeugen?

Wandlungsfähigkeit herstellen

Die Wandlungsfähigkeit schafft die Voraussetzungen dafür, dass die Mitarbeitenden die Anforderungen aus der Digitalisierungsstrategie umsetzen können. Die Wandlungsfähigkeit besteht aus den drei Komponenten:

  1. Organisation: Welche neuen oder veränderte Rollen und Verantwortlichkeiten sind für die Digitalisierung erforderlich, welche Prozesse, Strukturen, Kultur, Informationstechnologie und welche Weiterbildung?
  2. Kommunikation: Wie kommunizieren Führungskräfte und Mitarbeitende, um den Wandel umzusetzen?
  3. Controlling: Wann und wie lässt sich  der Wandel steuern und kontrollieren, damit wichtige Meilensteine erreicht und die Ziele umgesetzt werden?

Fazit

Wichtig ist, dass zuerst die Wandlungsbereitschaft aufgebaut oder zumindest angestossen sein muss, denn sonst sitzen viele Mitarbeitende in Weiterbildungsveranstaltungen, obwohl sie dies nicht wollen; neue Prozesse sind zwar geschaffen, aber sie werden nicht gelebt, weil dies die Mitarbeitenden boykottieren. Das Programm zur internen Transfor­mation begleitet die Digitalisierungs­strategie, indem es die für die dauerhafte Umsetzung erforderlichen Voraussetzungen schafft:

  • Müssen: Der Wandelbedarf ermittelt das «Müssen».
  • Wollen: Die Wandelbereitschaft erzeugt das «Wollen».
  • Können: Die Wandelfähigkeit stellt das «Können» her.

Ausblick

Die in diesem Beitrag vorgestellten Bausteine bilden ein Strukturmodell für die digitale Transformation in KMU. Was fehlt, ist die Weiterführung in das Prozessmodell, das die einzelnen Schritte beim Vorgehen aufzeigt. Dieses Prozessmodell stellen wir Ihnen im zweiten Teil dieser siebenteiligen Serie vor.

Der zweite Teil erscheint am 21. September in Ausgabe 9/2017 des «KMU-Magazin».

Porträt

Prof. Dr. D. Georg Adlmaier-Herbst (Autor)

Dozent, Berater

Prof. Dr. D. Georg Adlmaier-Herbst ist Honorarprofessor und Scientific Director der Forschungsstelle «Berliner Management Modell für die Digitalisierung (BMM)» am Berlin Career College der Universität der Künste Berlin. Er ist zudem Gastprofessor und Dozent an verschiedenen internationalen Hochschulen, unter anderem  in St. Gallen (HSG), Luzern (HSLU), London, Schanghai und Riga.

Adlmaier-Herbst ist ausserdem weltweit als Berater für Unternehmen, Organisationen und Personen tätig. 2011 wurde er von der Zeitschrift «Unicum Beruf» zum «Professor des Jahres» gewählt. Er ist Mitglied im Rat der Internetweisen. Adlmaier-Herbst hat 20 Bücher über Marketing und Unternehmenskommuni­kation geschrieben.

 

Serie

Die Teile der Serie «Digitale Transformation in KMU» erscheinen wie folgt: